cover Crowbar - Zero and Below

Review Crowbar – Zero And Below

Im Sludge-Metal gibt es wohl kaum eine sicherere Bank als CROWBAR: In nunmehr drei Dekaden haben Kirk Windstein und Konsorten nicht nur auf unzähligen Touren Abend um Abend live geliefert, sondern auch elf Alben veröffentlicht, von denen nicht eines bei ihren Fans nicht gut angekommen ist. Womit wir auch schon am Ende dieser vielleicht kürzesten Rezension der Welt kommen: Daran ändert sich auch mit „Zero And Below“ nichts. Da wir uns bei Metal1.info einer gewissen Ausführlichkeit verpflichtet fühlen, soll an dieser Stelle natürlich noch nicht Schluss sein – wenngleich das Fazit bereits vorweggenommen scheint.

Sechs Jahre haben CROWBAR ihre Fans seit „The Serpent Only Lies“ warten lassen – so lange wie erst einmal in ihrer Karriere. Doch während die ebenso lange Pause nach „Lifesblood For The Downtrodden“ zur Folge hatte, dass CROWBAR ihren Sound merklich weiterentwickelten und auf „Sever The Wicked Hand“ (2011) gleichermaßen forscher wie emotionaler ausfielen als auf dem düsteren Hassbrocken „Lifesblood“, ist eine vergleichbare Entwicklung diesmal nicht festzustellen. Vielmehr erfüllt „Zero And Below“ alle Erwartungen, die man an ein CROWBAR-Album hat – darüber hinaus hat das Album jedoch nicht wirklich viel zu bieten.

Der Opener „The Fear That Binds You“ ist ein klassischer CROWBAR-Banger, anschließend nimmt die Band das Tempo für zwei Songs merklich zurück, ehe sie in „Chemical Godz“ beide Stile geschickt verbindet. Der komplett doomige Track mit düsterem Klargesang (vgl. „Embrace The Light“) heißt diesmal „Denial Of The Truth“ – und schon ist die Albummitte erreicht. Mit Freude lassen sich in Hälfte zwei der Hardcore-Vibe in „Bleeding From Every Hole“, die Wucht im Drumming von „It’s Always Worth The Gain“ oder die Melodik im finalen Titeltrack zur Kenntnis nehmen – und natürlich der Umstand, dass CROWBAR auch dazwischen mit schlafwandlerischer Sicherheit durch „schlammiges“ Terrain wandeln.

Ihnen dabei zuzuhören, macht unbestreitbar große Freude – schließlich bekommt man genau das, was man an CROWBAR gut findet: Genau solche Songs wie „Crush Negativity“ dürften heutige Fans erst zu Fans gemacht haben. Und doch hätte man sich von der sechsjährigen Pause vielleicht eine Nuance mehr hörbare Wirkung versprochen. Immerhin hatte Kirk Windstein erst 2020 mit seinem emotionalen Soloalbum „Dream In Motion“ unter Beweis gestellt, was noch so alles in ihm steckt. Aber wäre ein damit vergleichbares, softeres CROWBAR-Album wirklich wünschenswert gewesen? Irgendwie auch nicht. Und einen Rückfall in die von seiner Alkoholsucht geprägten Zeiten, in denen „Lifesblood For The Downtrodden“ dereinst entstanden war, wünscht man Windstein bei aller liebe zu diesem düsteren Meisterwerk auch nicht. Irgendwie ist es schon gut so, wie es ist.

Eine schlechtes Album können CROWBAR sowieso nicht schreiben. Dazu sind die Musiker in ihrem Tun schlicht und ergreifend zu routiniert. Im entsprechend schmalen Qualitätskorridor, in dem sich ein neues CROWBAR-Album bewegt, ist jedoch genau das das Zünglein an der Waage: „Zero And Below“ klingt gar herrlich nach CROWBAR – aber eben auch so routiniert, dass es bisweilen an der Grenze zu „uninspiriert“ entlangschrammt. Ein solches Album kann man als Band mit diesem Standing schreiben, und fraglos werden damit alle Erwartungen erfüllt. Nur überraschend ist daran eben nach über drei Dekaden nichts mehr.

Wertung: 8 / 10

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2 Kommentare zu “Crowbar – Zero And Below

  1. CROWBAR bleiben nach wie vor CROWBAR. Wer CROWBAR kennt und liebt bekommt das was er erwartet. Seit „Odd Fellows Rest“ klingen CROWBAR mal mehr, mal weniger brachial oder elegisch.
    Ich mag die Reviews des Herrn Grütz – obwohl ich nicht immer mit seiner Punktebewertung konform gehe, finde ich Parallelen zu meiner Meinung und die befindet sich oft im letzten Absatz eines seiner Reviews.
    Ich stimme voll und ganz zu, dass dieses Album routiniert klingt…und eben jene Erwartungen an den CROWBAR Hörer erfüllt werden.
    „Zero And Below“ ist ein wirklich starkes Album geworden, welches mich doch sehr fesselte.
    8,5 Punkte meinerseits.

    1. Danke für die netten Worte! Und mit 8 und 8,5 Punkten liegen wir aber doch gar nicht so weit auseinander, Herr von Tronje ;)

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