CD-Review: Darkthrone - Eternal Hails......

Besetzung

Nocturno Culto – Gesang, Gitarre, Bass
Fenriz – Schlagzeug, (Gesang, Gitarre, Bass)

Tracklist

01. His Master's Voice
02. Hate Cloak
03.Wake Of The Awakened
04. Voyage To A North Pole Adrift
05. Lost Arcane City Of Uppakra


Das Cover von "Eternal Hails" von Dark Throne

Jeder Songwriter und jeder Autor hat ein Zielpublikum. DARKTHRONE war das schon immer egal – nur so ist zu erklären, dass sich das Duo aus Fenriz und Nocturno Culto irgendwann Anfang der 2000er-Jahre spontan, aber irreversibel vom Black Metal verabschiedet und von nun an mehr oder minder unverblümt Rockmusik gespielt hat. Dem Autor eines Reviews hingegen kann das Zielpublikum des Textes nicht so egal sein – schließlich gilt es, die verschiedenen Erwartungshaltungen an ein Album wie „Eternal Hails……“ entsprechend reflektiert abzubilden.

Während jeder ältere Metal-Fan mit DARKTHRONE in erster Linie „A Blaze In The Northern Sky“, „Under A Funeral Moon“ und „Transilvanian Hunger“ verbindet – drei Alben also, die bis heute für Black Metal stehen wie wenige andere – sollte man sich eines vor Augen halten: Setzt man die Black-Metal-Phase von DARKTHRONE großzügig zwischen dem noch sehr Death-Metal-lastigen Debüt „Soulside Journey“ (1991) und dem schon recht rockigen „The Cult Is Alive“ (2006) an, machen die Norweger nun schon genauso lang keinen Black Metal mehr wie sie Black Metal gemacht haben: stolze 15 Jahre, um genau zu sein. Eine ganze Generation an Metalheads hat DARKTHRONE also als Heavy-Rock-Band kennen und lieben gelernt – und sich die Frühwerke bestenfalls nachträglich erarbeitet. Die ältere Fan-Generation hingegen sollte sich so langsam damit abgefunden haben, dass DARKTHRONE mit dieser Phase abgeschlossen haben.

Das heißt nicht, dass DARKTHRONE 2021 nicht mehr als DARKTHRONE zu erkennen wären – schließlich haben sich die Norweger seit „F.O.A.D.“ einen nicht minder charakteristischen Stil zugelegt, der vor allem auf primitivem Riffing und einem noch primitiveren Sound basiert. Beides ist freilich nicht jedermanns Sache und so wundert es wenig, dass die immer stumpferen Alben der letzten Jahre eher durchwachsenes Feedback bekamen. Niemanden auf der Welt dürfte das weniger interessiert haben als Fenriz und Nocturno Culto.

So wäre es völlig vermessen, zu glauben, DARKTHRONE könnten ihren Stil deswegen erneut geändert haben. Sie hatten wohl viel mehr einfach Lust darauf. Fakt ist aber: Mit „Eternal Hails……“ machen DARKTHRONE einiges entscheidend anders als auf ihren letzten Werken, was dem Album sehr zugute kommt. Der Sound klingt zwar immernoch, als hätten die beiden Herren schlichtweg vergessen, dass es so etwas wie „Mix“ oder „Mastering“ überhaupt gibt – roher, verwaschener, urtümlicher kann eine Aufnahme kaum klingen. Doch ob nun aus Inkompetenz (eher unwahrscheinlich), Perfektionismus (unwahrscheinlich) oder aus Faulheit (sehr wahrscheinlich): Mit der hier gebotenen Musik funktioniert dieser „Proto-Sound“ tatsächlich. Denn was DARKTHRONE diesmal musikalisch abliefern, ist ebenfalls retro bis zum Gehtnichtmehr.

Nur fünf Songs haben ihren Weg auf das Album gefunden – allerdings mit Spielzeiten zwischen sieben und neuneinhalb Minuten. „Leave No Cross Unturned“ („The Underground Resistance“, 2013) war zwar länger – im Durchschnitt jedoch hatten DARKTHRONE auf keinem ihrer bislang 18 Alben längere Songs. Das kommt nicht von Ungefähr: Neben dem bereits von den letzten Alben bekannten Mix aus Thrash, Heavy und Proto Metal hat sich auf „Eternal Hails……“ ein unüberhörbarer Doom-Metal- und sogar Stoner-Rock-Anteil eingeschlichen. Gleich der Opener „His Masters Voice“ wechselt nach einem schmissigen Einstieg in der zweiten Hälfte ins doomige und hat sogar eine gefühlvolle Leadgitarre zu bieten. Bei „Hate Cloak“ klingen DARKTHRONE so oldschool wie kaum eine Band seit Hellhammer, „Wake Of The Awakening“ hingegen deckt eher den Black-Thrash-Sektor ab (vgl. Bewitched, Aura Noir) – und „Lost Arcane City Of Uppakra“ überrascht mit einem sphärischen Outro, das auch Urfaust gut zu Gesicht gestanden hätte. Lediglich „Voyage To A Northpole Adrift“ kommt atmosphärisch leider nicht über die Kategorie „Proberaum-Jam-Mitschnitt“ hinaus: Der mit 9:24 Minuten längste aller Songs wirkt doch etwas zu willkürlich arrangiert und auf die Dauer nervig; zumal der Sound hier nochmal schlechter zu sein scheint als bei allen anderen Stücken.

Nachdem die letzten Alben recht vorhersehbar ausgefallen waren, bietet „Eternal Hails……“ so manche positive Überraschung: Ohne ihre unverwechselbare Verschrobenheit abzulegen, zeigen sich DARKTHRONE – endlich, möchte man sagen – wieder von einer neuen Seite. Dass diese nochmal „älter“ wirkt als alles zuletzt gebotene, tut der Qualität keinen Abbruch – immerhin passt zum gebotenen Proto-Metal mit Stoner-/Doom-Einschlag sogar der fast grotesk schlechte Sound, und mit  nur einem „Filler“ passt diesmal auch die Hit/Shit-Quote. Als Meilenstein wird wohl auch „Eternal Hails……“ nicht in die Bandgeschichte eingehen – zumindest ihre Werke aus den letzten Jahren können DARKTHRONE mit Album Nummer 19 locker toppen.

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Bewertung: 7.5 / 10

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