CD-Review: Deth Crux - Mutant Flesh

Besetzung

Farron
Brian
Adam
Brandon
Jason

Tracklist

01. Phantom Blood
02. Spectral Other
03. Black Abominable Lust
04. Chrome Lips
05. Mutant Flesh
06. Xenophilia
07. Lycanthropic Prostitution
08. Persephone Is Half Human
09. Exploited Apparition
10. Yellow Sky


(Post-Punk / Industrial Rock) Ein greller Neonschein. Der Geruch von billigem Parfüm, ein allzu leicht durchschaubarer Versuch, den Gestank von Lust und Verdorbenheit zu übertünchen. Und dann von irgendwo ein beinahe unmenschlicher Schrei – der Verzückung oder des Entsetzens? Schauplatz dieser Szenerie ist die Unterwelt von Los Angeles und die Band, die uns an diesen auf morbide Weise faszinierenden Ort lockt, nennt sich DETH CRUX. „Mutant Flesh“, das Debüt der amerikanischen Death-Rocker, versteht sich als Hommage an die finsteren Seiten ihrer Heimatstadt, scheint aber auch mit dem gefährlichen Sex-And-Crime-Charme von Filmen wie Sin City zu liebäugeln. Wer könnte einer solch verführerischen Einladung widerstehen?

Die Stilmittel, derer sich DETH CRUX bei der Vertonung ihrer urbanen Gruselgeschichten bedienen, sind denen ihrer musikalischen Vorbilder, zu welchen etwa Fields Of The Nephilim, Bauhaus und Christian Death gehören, gar nicht so unähnlich. Dass einige Mitglieder des Quintetts zuvor in Buried At Sea und Lightning Swords Of Death im extremen Metal unterwegs waren, merkt man „Mutant Flesh“ kaum an. Kurz gesagt: DETH CRUX spielen astreinen Post-Punk, mit allem was dazugehört. Der überwiegend stoische Gesang, der nur gelegentlich stärkere Emotionen zum Ausdruck bringt, hat eine subtil unheimliche Note an sich, wohingegen die Gitarren durchwegs unheilvoll klingen und die simplen, schmissigen Drums einen treibenden Rhythmus vorgeben.

Es braucht eine Weile, bis die Post-Punker voll in die Gänge kommen, doch spätestens als zu Beginn von „Black Abominable Lust“ die schauderhaften Keyboards einsetzen, wird klar, dass DETH CRUX es vortrefflich verstehen, ihr unterhaltsames Narrativ mit der passenden Musik zu untermalen. „Chrome Lips“ und „Yellow Sky“ überraschen beispielsweise mit schrillen Saxophon-Einlagen, der Titeltrack und „Xenophilia“ begeistern hingegen mit ihren verspielten, beinahe dramatischen Leadmelodien und ihren dynamischen Arrangements, die auf Anhieb ins Ohr gehen.

Mithilfe der kalten Keyboard-Schauer wie etwa auf „Lycanthropic Prostitution“ vermitteln DETH CRUX indes ein unbehagliches Gefühl der Paranoia, fast so, als würde man im Drogenrausch durch ein Rotlichtviertel irren – immer auf der Flucht vor etwas, das schon längst kein Mensch mehr ist. Der einzige Aspekt, hinsichtlich dessen „Mutant Flesh“ kein absolut stimmiges Bild abgibt, ist die etwas zu verwaschene Produktion – obwohl man durchaus auch argumentieren kann, dass ein gestochen scharfer Sound gar nicht so gut zur Grundstimmung des Albums gepasst hätte.

„Mutant Flesh“ hat durchaus seine Schwachpunkte: Die leicht unscharfe Produktion ist sicher nicht jedermanns Sache und DETH CRUX hätten ihre kleinen Experimente ruhig noch ein wenig weiter treiben können. Was die Amerikaner jedoch vielen ihrer Post-Punk-Revival-Kollegen voraus haben, ist die in sämtlichen Punkten konsistente Umsetzung ihres Konzepts. Schon auf ihrem Erstwerk haben die Death-Rocker durch die stimmige Verknüpfung der Texte, des Artworks und des Klangs der Musik ihre eigene, kleine, verruchte Welt geschaffen, in der die Grenzen zwischen Begierde und Gefahr zu verschwimmen scheinen.

Bewertung: 7.5 / 10

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7 Kommentare zu “Deth Crux – Mutant Flesh”

  1. Markus Frey

    Ganz cooles Album, höre es gerade zum ersten Mal. Mich wundert, dass du die eklatante Ähnlichkeit zu Beastmilk/Grave Pleasures nicht erwähnt hast. ;)

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Cool, freut mich, dass es noch jemandem außer mir gefällt. :D
      Dass ich auf Beastmilk und Grave Pleasures keinen Bezug genommen habe, liegt daran, dass ich mich bei beiden noch nicht sonderlich eingehend eingehört hab. Ist ein schweres Versäumnis, ich weiß, aber ich wills auf jeden Fall bald nachholen. Aber dass sie in dieselbe Kerbe schlagen, war mir schon irgendwo bewusst, sind halt auch Teil dieses Post-Punk-Revivals. Da gibts ja generell einige sehr feine Bands. :)

      1. Markus Frey

        Hab ich noch gar nicht so bewusst wahrgenommen, ein neues Post-Punk-Revival, aber solange da Musik bei rumkommt, die mir mehr taugt als Interpol & Co. beim letzten Revival, soll’s mir recht sein. ;) Kannst da was Bestimmtes empfehlen, wenn du von einigen sehr feinen sprichst? Oder meinst einfach die im Review genannten?
        Da du offenbar mit Deth Crux was anfangen kannst, wird dir Beastmilk/Grave Pleasures sicher auch gefallen! Fang am besten mit „Climax“ an, also der ersten, dann chronologisch weiter. :)

        1. Stephan Rajchl Post Author

          Puh, ich muss gestehen, dass ich da keinen so großen Unterschied mache, wann das letzte Revival aufgehört hat und wann das neue angefangen hat. Aber ich hab schon den Eindruck, dass Post-Punk in letzter Zeit recht beliebt ist. Then Comes Silence habens zum Beispiel immerhin auf Nuclear Blast geschafft. Die fand ich nicht schlecht, aber ein bisschen zu stereotyp. Ansonsten finde ich im Post-Punk Karies momentan echt spitze, aber die sind ein bisschen poppiger, mit ein bisschen Post-Rock im Sound.
          Kleze find ich auch ziemlich gut, aber die gehen etwas mehr in die Wave-Richtung und haben zuletzt The Cures „Disintegration“ quasi nachgemacht. Aber bei denen sind die Texte halt extrem kitschig, haha.

  2. Moritz Grütz

    puh.. ich find den gesang – zumindest hier im verlinkten beispielsong – leider ziemlich furchtbar. das klingt für mich voll an der musik vorbeigesungen und auch nicht in der idealen tonlage für den sänger, deswegen ziemlich gekrampft und schief. ne, da bleib ich bei beastmilk/GP. ist musikalisch auch irgendwie eleganter ausgeführt.

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Ich muss dir schon beipflichten, dass der Gesang hier nicht optimal ist. Ich find den Rest aber schon so cool, dass es das für mich gut ausgleicht. Dass Beastmilk bzw Grave Pleasures insgesamt mehr drauf haben, kann ich mir aber schon vorstellen.

      1. Moritz Grütz

        Habs jetzt mal eingehender gehört. Schlecht ists wirklich nicht, aber er singt einfach eine Nuance tiefer als seine Stimme hergibt, hat man das Gefühl – offensichtlich, um NOCH mehr nach Kvohst zu klingen. Wie hart sie sich an denen orientieren, grenzt tatsächlich schon fast an eine Unverschämtheit :D Also das ist schon fast weniger ein Post-Punk- denn ein Graves-Pleasures-Revival. :D

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