Review Dream Theater – Distance Over Time

Vor drei Jahren haben DREAM THEATER mit ihrem Doppel-Konzeptalbum „The Astonishing“ alles anders gemacht – doch den meisten Fans war der Pomp und Kitsch etwas zu viel des Guten. Es fehlte Härte, es fehlten die ausufernden Instrumentalpassagen. Der Mut, Neues zu wagen, wurde vom Großteil der Hörer leider nicht belohnt.

Da wundert es nicht, dass die New Yorker Progger sich auf ihrem neuen Werk „Distance Over Time“ wieder auf bekanntes Terrain begeben. Schon der Opener „Untethered Angel“ macht klar: Das hier sind DREAM THEATER wie man sie kennt und wie sie seit etwa 2007 klingen: heavy und technisch komplex, aber auch symphonisch und mit einem Hang zu breiten Refrains. Das darauffolgende „Paralyzed“ tönt etwas moderner und nimmt dieselbe Funktion ein, die „Build Me Up, Break Me Down“ auf „A Dramatic Turn Of Events“ hatte.

Bei aller Rückkehr zu alten Tugenden ist 2019 dennoch etwas anders: Die Songs sind kurz, knackig, kommen schneller auf den Punkt. Das zeigt sich auch in der Spielzeit: Mit nicht einmal 57 Minuten ist „Distance Over Time“ die kürzeste Platte seit „Images And Words“. Das geraffte Songwriting hat auch schlüssigere Tracks zur Folge. Wo früher der eine oder andere Instrumentalpart reingeklebt erschien, wirkt nun alles wie aus einem Guss. Eine Ausnahme gibt es dennoch: Ausgerechnet die Abschlussnummer „Pale Blue Dot“ klingt wie ein Sammelsurium aller übrig gebliebenen Ideen. Sie lässt nicht nur kompositorische Stringenz vermissen, sondern schafft es auch nicht, eine eigene Atmosphäre aufzubauen.

Abgesehen von „Pale Blue Dot“ sind DREAM THEATER aber einige hervorragende Songs gelungen: Etwa das treibende „S2N“, das proggig-symphonische „Barstool Warrior“ (mit wunderbarem Piano- und Gitarrensolo) oder „Fall Into The Light“, bei dem nicht nur der Gänsehaut erregende Mittelteil an Metallica erinnert. Auch der Longtrack „At Wit‘s End“ hat starke Passagen, ohne die Klasse von Übersongs wie „Learning To Live“ oder „Breaking All Illusions“ zu erreichen. Auf den verschiedenen Limited Editions gibt es darüber hinaus noch „Viper King“, eine spaßige Schweineorgel-Nummer, die die Scheibe wesentlich unverkrampfter beendet als der reguläre Rausschmeißer.

Auch Artwork und Produktion entsprechen dem hohen DREAM THEATER-Standard, wobei der Bass deutlich präsenter gemischt ist als bei den meisten bisherigen CDs. Gut so!

Fazit: „Distance Over Time“ ist ein sehr gelungenes Sicherheitsalbum und hilft der Band, verlorene Fans wieder einzusammeln. Langjährigen Anhängern wird vieles vertraut vorkommen, sie werden aber dennoch hervorragend unterhalten. Ich habe den Jungs schon oft Verwaltung ihres Amtes vorgeworfen – nach „The Astonishing“ weiß ich, das es noch schlimmer geht und erfreue mich jetzt daran, dass ich einfach wieder DREAM THEATER hören darf. Danke!

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Wertung: 8 / 10

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