Review Eisregen – Knochenkult

Eine Woche früher als geplant fand „Knochenkult“, das neuste Werk der Herren um M. Roth aus Thüringen, den Weg in die deutschen CD-Regale. Nachdem ihr letztes Werk „Blutbahnen“ es nicht auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien schaffte, sahen viele schon das Ende der Band voraus.
Allerdings, wie so oft, kommt es anders als man denkt: Nach der EP „Eine Erhalten“ zog man sich erneut zurück ins Studio zurück, um das nunmehr siebte Album einzuspielen, das, vielleicht nur zufällig, die selben Initialen trägt, wie das bekannteste Album aus frühen Jahren.
Ob sich die Ära EISREGEN nun wirklich dem Ende naht, steht bis heute in den Sternen, da noch keine genaueren Informationen veröffentlicht wurden, wie viele Alben zwischen „Blutbahnen“ und dem bereits betitelten letzten Album „Menschenmaterial“ erscheinen werden.

Aber nun gut. Bevor wir uns mit irgendwelchen letzten Alben beschäftigen, werfen wir doch einmal einen Blick auf das aktuelle Werk „Knochenkult“.
Vorneweg: Die klaren Gesangspassagen, die mit „Blutbahnen“ vermehrt Einzug in die Songs von EISREGEN hielten und ein wenig das „Fiese“ vermissen ließen, wurden beibehalten. Die Dominanz von elektronischen Spielereien wurde etwas zurückgefahren und das Schlagzeug, sowie die Gitarre mehr in den Vordergrund gerückt.
Das war allerdings auch schon alles, was EISREGEN musikalisch verändert haben. Demnach setzen sie nach wie vor auf eine ausgewogene Mischung aus schnellen und schleppenden Songs, die sich größtenteils an den Strukturen der vergangenen Silberlinge orientieren. Abwechslung klingt zwar anders, aber dafür sind EISREGEN ja auch nicht gerade bekannt.

Viel mehr Diskussionspotential bieten seit jeher die Texte. Hier wurde wie schon bei den drei vorherigen Alben auf das Abdrucken der Songtexte im Booklet verzichtet, was jedoch beim Gesang Roths nur ein geringes Problem darstellen sollte. Verständnisprobleme? Fehlanzeige.
Beim Songwriting blieben sie – wie so oft – ihrem Stile treu, und so beinhaltet „Knochenkult“ erneut alles von mörderischen Gigolos mit einem Faible für ältere Damen, über spezielle Geschenke für Sophie bis hin zu lieb gewonnen Gartengeräten. Ob die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien hier auch wieder ihren Rotstift ansetzen wird, ist fraglich, bewegen sie sich wie schon bei „Blutbahnen“ auf einem schmalen Grad.
Schade, dass es diesmal kein Song wie „17 Kerzen am Dom“ den Weg auf das Album schaffte. Zeigte er doch, dass EISREGEN auch an gesellschaftlich aktuellen Themen Interesse zeigen, diese musikalisch ansprechend herüberbringen können und sich nicht nur auf Amokläufe ihrer Fantasie beschränken.

Letzten Endes teile ich zwar nicht vollkommen die Meinung diverser Hardcore Fans, die hier ein Meisterwerk vor sich sehen, allerdings sind EISREGEN meiner Meinung nach mit „Knochenkult“ wieder auf dem Weg, in ihren letzten Tagen noch einmal zu alter Form aufzulaufen. Das, was EISREGEN am Anfang ihrer Tage textlich und teils auch musikalisch ausmachte, kehrt auf seine ganz spezielle Art etwas zurück.Doch um ein wahrliches Meisterwerk zu erschaffen, müssen EISREGEN noch einmal stark an sich arbeiten, denn im extremen Metal ist die Gefahr groß, auf der Stelle zu treten und sich absolut nicht mehr zu entwickeln.Und gerade bei diesem Thema, kommen sämtliche Kritiker des „Knochenkult“-Albums voll auf ihre Kosten: Man könnte nahezu alle Titel der letzten zwei oder gar drei Alben beliebig untereinander austauschen und es würde – im übertragenem Sinne – niemand merken. Und soetwas sollte einer Band wie EISREGEN eigentlich nicht passieren.
„Knochenkult“ ist für alle Fans der späteren Alben eine sichere Investition – ansonsten sollte man Songs wie „Sei Fleisch Und Fleisch Sei Tot“, „19 Nägel für Sophie“ oder den Myspace Track „Stahlschwarzschwanger“ Probehören bevor man zuschlägt.

Die einzige Frage, die sich mir am Ende meines Reviews noch stellt, ist, wer aus der Band oder dem Management dieses Cover zugelassen hat. Sah das Cover der Blutbahnen oder dem 2004er Werk zumindest nach etwas aus, wirkt das aktuellste mit dem sehr „aufgeklebt“ wirkenden roten Eisregen Banner wie ein billiges MS Paint-Kunstwerk. Die Idee ist nicht schlecht, die Umsetzung dafür umso mehr.

Wertung: 7 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert