Review Foo Fighters – Your Favorite Toy

  • Label: RCA
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Rock

Die 90er haben angerufen und wollen „Your Favorite Toy“ zurückhaben. Mit einem solchen Album haben wohl die wenigsten gerechnet, als die FOO FIGHTERS ihre zwölfte Platte angekündigt haben, besonders nach den Entwicklungen der letzten Jahre. Gelang mit „But Here We Are“ die musikalische Trauerbewältigung nach dem Tod von Drummer Taylor Hawkins noch auf beeindruckende Weise, tauchte Frontmann Dave Grohl nach Geburt eines unehelichen Kindes ab und kurz darauf wurde auch der neue Drummer Josh Freese schon wieder entlassen. In dieser Zeit scheint sich bei den FOO FIGHTERS aber einiges an Energie und Wut angesammelt zu haben, denn „Your Favorite Toy“ ist alles andere als ein entspanntes Spätwerk.

War der Vorgänger „But Here We Are“ noch hörbar geprägt von Trauer, Verlust und düsteren Gedanken, spielen die FOO FIGHTERS diesmal völlig losgelöst, wild und mit ordentlich Dampf im Kessel. Ohne viel Vorrede, donnert „Caught In The Echo“ direkt mit einem fetten Riff, verzerrten Vocals und wuchtigem Drumming los. Am Schlagzeug sitzt Ilan Rubin, der seinen Job auf „Your Favorite Toy“ mehr als gut macht und die Band mit seinem energetischen Spiel nach vorne treibt. Hymnischer Refrain, drei Gitarren auf Anschlag, Dave Grohl stimmlich so kratzig wie schon lange nicht mehr. Bereits nach dem Opener fragt man sich, ob das Sextett in einen Jungbrunnen gefallen ist.

Die Hinwendung zum Oldschool-Sound wirkt auf „Your Favorite Toy“ aber nie aufgesetzt oder erzwungen, vielmehr schütteln die FOO FIGHTERS wüste Punker wie „Of All People“ oder „Spit Shine“ scheinbar mühelos aus dem Ärmel. Filigran ist das nicht und die verkopften Alben „Concrete And Gold“ und „Sonic Highways“ wirken wie aus einem anderem Leben, Spaß macht es aber umso mehr. Ruhepausen gibt es mit dem sanften „Window“ (Grohl kann seine Liebe zu den BEATLES einfach nicht verstecken) und dem verträumten „Unconditional“, die geschickt im Fluss des Albums platziert sind, sodass „Your Favorite Toy“ nicht zur reinen Krawall-Platte mutiert.

Und natürlich gibt es auch die typischen Hymnen, für die man diese Band einfach lieben muss. „If I Only Knew“ vereint alle Trademarks, die eine FOO-FIGHTERS-Hymne ausmachen: Midtempo, große Melodie, Stadion-Refrain und groovende Riffs, aber auch hier mit einem gewissen rauen Charme. „Your Favorite Toy“ schließt mit dem Uptempo-Kracher „Asking For A Friend“, der nochmal alle Trademarks der Platte vereint: Auf ein balladeskes Intro und schwere Midtempo-Riffs folgt noch ein letztes Mal pure Eskalation, drei Gitarren bauen eine fette Riffwand auf, Ilan Rubin peitscht den Song immer weiter nach vorne und Dave Grohl singt sich die Seele aus dem Leib auf der Suche nach Hoffnung und einer optimistischeren Zukunft.

Die FOO FIGHTERS erfinden sich mit „Your Favorite Toy“ nicht neu und erreichen auch nicht die emotionale Dichte und Wucht des Vorgängers, wollen das aber auch gar nicht. „Your Favorite Toy“ ist rau, wild, punkig, hat Ecken und Kanten und ist stellenweise auch herrlich stumpf. Die Durststrecke der 2010er-Jahre scheint endgültig überwunden zu sein, und auch Ilan Rubin als neuer Mann an den Drums fügt sich gut in die Band ein. Diese neu gefundene Energie macht Spaß und vor allem große Lust auf die anstehende Tour durch europäische Stadien.

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Wertung: 9 / 10

Juan Esteban

Publiziert am von

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