September 2012

Review Hexvessel – No Holier Temple

Knapp ein Jahr ist es her, dass der Brite Mathew McNerney – von seinem Engagement bei Bands wie Dodheimsgard oder Code besser unter dem Pseudonym Kvohst bekannt – mit seinem neuesten Projekt HEXVESSEL und dessen Debüt „Downbearer“ von sich reden machte:  Durch seine sehr eigene Interpretation akustischer Gitarrenmusik sorgte er damit bei Freunden avantgardistischer Klänge für Begeisterung.

Mit „No Holier Temple“ legt der Ausnahmemusiker nun nach der „Vainolainen“-EP zweites Album nach – und vermag seine Vision ruhiger, größtenteils unverzerrter Musik damit auf ein neues Level zu heben.
War „Downbearer“ noch eine Sammlung schöner, aber nicht unbedingt herausragender Akustik-Songs, ist „No Holier Temple“ ein wahres Arrangement-Meisterwerk. So wirken nicht nur die Stücke selbst dieses Mal merklich ausgereifter, sondern auch das Album als ganzes: Von der ersten bis zur letzten Minute nimmt Kvohst seine Hörer mit auf eine Reise in eine einzigartige Welt. Gewiss, irgendwo tief in seinem Inneren bewegt sich das Album natürlich zwischen der Atmosphäre von Code und der Attitüde von Avantgarde-Black-Metal-Projekten wie Pensees Nocturn oder A Forest Of Stars – die Ähnlichkeit beschränkt sich jedoch stets auf einzelne Facetten. So mag man bei „Are You Coniferous“ aufgrund des proklamierenden Gesangsstils zu Hammond-Orgel-Begleitung vielleicht an A Forest Of Stars und deren Song „Gatherer Of The Pure“ denken, mag die ein oder andere Passage durch McNerneys charakteristische Stimme an Code erinnern oder das Mainriff von „Elegy To Goyahkla“ sogar auf Neurosis verweisen – im Großen und Ganzen baut Kvohst jedoch gerade durch die auch diesmal das Bild bestimmenden Akustik-Arrangements eine ganz eigene Traumwelt auf, die von ihrem Charakter her eher an Bands aus dem Post-Rock- / Ambient-Sektor denken lässt – seien das nun Aun, Blueneck oder Birds Of Passage, um nur einige zu nennen.
Was HEXVESSEL – ganz unabhängig vom musikalischen Aspekt – ebenfalls eher mit diesen Bands denn mit irgendwelchen pseudo-intellektuellen Folk- oder Möchtegern-Avantgarde-Projekten verbindet, ist die unanzweifelbare Authentizität, die in der dargebotenen Musik zu finden ist: Zu keiner Zeit unglaubwürdig, übertrieben oder aufgesetzt, vermag „No Holier Temple“ ehrlich zu berühren und bietet dem Hörer nicht einmal die Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob das gerade Gehörte nicht vielleicht stellenweise doch etwas arg kitschig gewesen sein könnte.

Sicherlich, was HEXVESSEL darzubieten haben, ist auch auf dem zweiten Album noch spezielle Kost, die eine gewisse Offenheit gegenüber ruhiger, bisweilen meditativ-spirituell angehauchter und mitunter auch etwas kitschiger Musik voraussetzt. Wer sich jedoch auf „No Holier Temple“ einlässt, wird darin das perfekte Album entdecken, um triste Herbsttage und dunkle Winternächte musikalisch stimmungsvoll zu untermalen. Ein Werk, das seinesgleichen sucht – stilistisch wie qualitativ.

Wertung: 9.5 / 10

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