Juni 2015

Review High On Fire – Luminiferous

Kyuss meets Slayer meets Motörhead meets Black Sabbath. Ein Sound wie ein Amoklauf in der Wüste. Ein Sound, der mit jeder Pore Staub atmet. Und ein Sound, wie ihn das Stoner-Metal-Power-Trio HIGH ON FIRE aus dem sonnigen Oakland/Kalifornien bereits seit 1999 mit einem Minimum an musikalischer Weiterentwicklung, dafür aber mit einem Maximum an Adrenalin auf die Menschheit loslässt. So ist es kaum verwunderlich, dass sich auch „Luminiferous“, der siebte Longplayer der Gruppe, nahtlos in den eigenen Backkatalog einfügt. Dabei hat der Sound der Band jedoch kein bisschen an Energie eingebüßt. Subtilität ist nach wie vor nicht ihre Sache. Folglich bekommt der Hörer auf dem neuen Langeisen vor allem eines: Ordentlich auf die Mütze!

Dieser Umstand ändert allerdings nichts daran, dass HIGH ON FIRE ihre Sache technisch versiert und auf hohem songwriterischem Niveau angehen. Davon zeugen beispielsweise der rabiate Opener „The Black Plot“, der besonders im Chorus mit erstklassigen Gitarren-Leads aufwarten kann, oder die thrashigen Nummern „Slave The Hive“ und „Luminiferous“, deren Gitarrenarbeit auch einem Kerry King oder Kirk Hammett zur Ehre gereichen würde.
Die wahren Highlights der Platte sind aber die Momente, in denen sich HIGH ON FIRE trauen, auch mal den Fuß vom Gaspedal zu nehmen. Da wäre zum einen die überdurchschnittlich melodische Midtempo-Nummer „The Falconist“ zu nennen und zum anderen der psychedelische Longtrack „The Cave“, dessen hanfdampfdurchwaberte Strophen einen Hauch von „Planet Caravan“ versprühen. Der Track weiß durch seine Kontraste und seinen dynamischen Songaufbau zu begeistern. Ruhige, meditative Kiffer-Parts wechseln sich ab mit tonnenschweren, ultraheavy und dennoch eingängig daherkommenden Refrains. Schließlich schaukelt sich der Song zu einem ekstatischen Gitarrensolo hoch, nur um dann wieder ruhig, mit einigen wenigen Gitarrenklängen auszuklingen. Toll! So muss Stoner-Metal klingen!
Kann man darüber hinwegsehen, dass sich mit der Zeit, abgesehen vom positiv auffallenden „The Cave“, eine gewisse Gleichförmigkeit bestimmter Songs untereinander einschleicht, so wird man auf „Luminiferous“ keinen einzigen schlechten Titel finden. Lediglich das abschließende, an und für sich gut groovende „The Lethal Chamber“ mäandert mit fast neun Minuten Spielzeit etwas zu lang und ausschweifend durch den Wüstensand.

HIGH ON FIRES neues Werk „Luminiferous“ ist also keine Überraschung, dafür aber ein verdammt starkes Album geworden, das allen Freunden ruppigen, handgemachten Metals ans Herz gelegt werden kann. Neu und innovativ ist hier natürlich nichts. Doch das erwartet wohl auch niemand. Matt Pikes räudig bellende Vokal- und erstklassige Gitarrenarbeit in Kombination mit einer herrlich groovenden Rhythmusgruppe macht anno 2015 nämlich noch immer Spaß und spricht für das altbewährte Erfolgsrezept der Formation. Kurt Ballous staubtrockene Produktion tut ihr Übriges dazu, dass dieses Album zu einem kurzweiligen Vergnügen geworden ist.

Wertung: 8 / 10

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