CD-Review: Laibach - Also sprach Zarathustra

  • Veröffentlichung: 2017
  • Label: Mute
  • Spielart: Ambient
Besetzung

Milan Fras - Gesang
Mina Špiler - Gesang, Synthesizer
Janez Gabrič - Schlagzeug
Luka Jamnik - Synthesizer
Rok Lopatič - Synthesizer
Ivan Novak - Synthesizer

Tracklist

01. Vor Sonnen-Untergang
02. Ein Untergang
03. Die Unschuld I
04. Ein Verkündiger
05. Von Gipfel zu Gipfel
06. DAS GLÜCK
07. Das Nachtlied I
08. Das Nachtlied II
09. Die Unschuld II
10. Als Geist
11. Vor Sonnen-Aufgang
12. Von den drei Verwandlungen


LAIBACH gelten lange schon als die Band für die skurrilen Aktionen: Ob nun die eigenwillige Interpretation von Landeshymnen („Volk“) und Welthits („NATO“), der Soundtrack zur Mond-Nazi-Kommödie „Iron Sky“ oder die etwas andere Umsetzung des Musicals „Sound Of Music“ zum nordkoreanischen Liberation Day in Pjönjang – bei LAIBACH muss man mit allem rechnen. Nun nehmen sich die Slovenen also Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ vor, warum auch nicht.

Entstanden ist das schlicht unter dem Titel des Nietzsche-Klassikers veröffentlichte Material als musikalische Untermalung einer Theateradaption des Stückes durch das Anton Podbevšek Teater, die im März 2017 im slowenischen Novo Mesto Premiere feierte. Doch was als Begleitmusik zu einem Theaterstück funktionieren mag, funktioniert isoliert gehört noch lange nicht. Was LAIBACH dem Hörer hier zu bieten haben, ist mitnichten mit ihrem letzten Werk „Spectre“ zu vergleichen.

Statt auskomponierten Rock-Songs gibt es diesmal eher Soundkollagen, die im schlechtesten Sinne ganz nach Theater klingen: Gewollt improvisiert, pseudokreativ und schlussendlich verkünstelt. Synthesizer wabern durch den Raum, dazwischen schlagen zur groben Rhythmisierung Geräusche aus der Kategorie Industrial / Fabriklärm. Was zu Beginn („Die Unschuld I“) durchaus noch etwas hermacht, klingt im weiteren Verlauf des Werkes bald ziellos und schlichtweg langweilig.

Der Textanteil ist dabei auf wenige Phrasen heruntergebrochen, die teilweise in ihrer kontextfreien Absurdität an das Metallica-Lou-Reed-Projekt „Lulu“ denken lassen. Etwa, wenn LAIBACH-Fronter Milan Fras stumpf und immer wieder in gebrochenem Deutsch „Ich bin ein Verkundiger“ proklamiert. Auch das ist bei der Größe der literarischen Vorlage eine herbe Enttäuschung. Etwas mehr Eigenständigkeit beim veröffentlichten LAIBACH-Werk gegenüber der reinen Theaterstück-Begleitung wäre doch wünschenswert gewesen. Nicht zuletzt, da der Gesang von Milan Fras und Mina Špiler einen Großteil des Wiedererkennungswertes im ansonsten sehr vielseitigen LAIBACH-Kontextes ausmacht.

Statt dessen schnarchen LAIBACH dem Hörer in „Schlaflied III“ knapp vier Minuten lang etwas vor. Mag das auch noch so gut zum Konzept passen – als „Musik“ ist es eine Attacke auf den gesunden Geist.

Im Kontext der Bühnenaufführung mag die Musik von LAIBACH absolut stimmig gewesen sein – ohne das Stück vor Augen zu haben, ist LAIBACHs Soundtrack „Also sprach Zarathustra“ jedoch vollkommen witzlos. Mit LAIBACH, wie man sie zuletzt auf „Spectre“ zu hören bekam, aber auch mit den kontrovers diskutierten frühen Werken der Band ist diese CD nicht zu vergleichen.

Vielmehr betreiben die Slovenen mit der Veröffentlichung der als Begleitmusik zum Theaterstück produzierten Stücke als „Album“ schlichtweg Resteverwertung. In der Folge ist „Also sprach Zarathustra“ leider nicht mehr als eine Sammlung höhepunktsloser Ambient-Nummern, die nahezu sämtliche Trademarks der Band missen lassen, ohne – wie es dem Vorgänger „Spectre“ gelungen war – dafür neue einzuführen. Enttäuschend? Ja. Überraschend? Nein. Bei LAIBACH muss man eben wirklich mit allem rechnen.

Bewertung: 2 / 10

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