Review Maja Holand/Witch Club Satan – Hex (Dokumentarfilm)

  • Label: Cat & Docs, Herstory
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Black Metal

Kaum eine Szene ist bekanntlich stärker von toxischer Maskulinität, fragilen (männlichen) Egos und fragwürdigen bis strafrechtlich relevanten politischen Ansichten durchseucht wie der Black Metal. Umso spannender ist die Geschichte von WITCH CLUB SATAN, die derzeit nicht nur an den Toren, sondern an den Grundfesten des Genres rütteln: Provokant und extrem in ihrer Musik und ihrem Auftreten steht die Band für vieles, was (Black) Metal ausmacht. Und doch sind sie den Gatekeepern, die den heutigen Black Metal eh schon als von Wokeness verwässert verachten, ein Dorn im Auge. Denn WITCH CLUB SATAN sind nicht nur drei Frauen, sondern auch noch feministisch und extrem ambitioniert obendrein.

Dass das Projekt WITCH CLUB SATAN auf einem Pakt der drei Frauen beruht, die sich selbst drei Jahre gegeben haben, um Musikerinnen zu werden und mit WITCH CLUB SATAN Erfolg zu haben, und dass sie den Prozess prophylaktisch filmen ließen, unterstreicht hingegen eher den Aktionskunst-Vibe, den die von Nacktheit und Blut geprägten Auftritte der Band ohnehin haben. Im medialen Zeitalter ist ein solches Vorgehen aber auch weder verwerflich noch unerwartet. Die daraus entstandene Dokumentation, „Hex“ zeichnet den für alle überraschend steilen Weg der Bandwerdung als Dokumentarfilm anschaulich nach und kommt den drei Norwegerinnen dabei erfreulich nahe: Selbstzweifel und Überforderung, aber auch die Freude über den Erfolg und der unbändige Wille, etwas zu erreichen, werden lebendig eingefangen – in Backstage-Szenen, aber etwa auch in Gesprächen zwischen den Bandmitgliedern und ihren Müttern. Filmisch geschickt wechselt die Erzählweise dabei zwischen Reportage und einem inszenierten Prozess gegen die drei „Hexen“ hin und her, in dem diverse Personen aus der Black-Metal-Szene in den Zeugenstand gerufen werden, um ihre Sichtweise auf WITCH CLUB SATAN beizusteuern. Statt darauf zu reagieren, hören sich die drei „Hexen“ die Kritik nur stumm an. Grade so entsteht ein Bild der Band, das auch Zweifel am Konzept zulässt.

Einen so prominenten wie starken Fürsprecher haben WITCH CLUB SATAN ausgerechnet in MAYHEM-Bassist Necrobutcher gefunden, der mit seiner Beschreibung als „Brücke zwischen Punk und Metal“ den Nagel auf den Kopf trifft: Wie die Pioniere des Punkrock (der bekanntermaßen auch die „Erfinder“ des Black Metal stark geprägt hat), nutzen auch WITCH CLUB SATAN Musik vornehmlich als Medium, um ihrer Message Gehör zu verschaffen. Und wie im Punk kommt es dabei nicht in erster Linie auf die Qualität an. WITCH CLUB SATAN musikalisch mit etablierten Acts oder technisch ambitionierten Newcomern zu vergleichen, ist darum von vorneherein der falsche Ansatz. Zumal technisches Geschick im Black Metal (und gerade im trven Underground) nie eine übergeordnete Rolle gespielt hat – im Gegenteil: Technisch mäßig gut umgesetzte Songs mit rebellischer Attitüde sind eher im Sinne der Erfinder als nach allen Regeln der Kunst aufpolierte Musik ohne Ecken und Kanten. Denn nichts und niemand fängt den ursprünglichen, aufrührerischen Anti-alles-Spirit des Black Metal besser ein als eine Band, die von innerer Wut getrieben ohne Vorkenntnisse zu den Instrumenten greift. Oder, um Necrobutcher zu zitieren: „Sie sind zu einem Teil der Sache geworden – ein Teil der Evolution des Black Metal. […] Diese Frauen haben ihn neu erfunden, indem sie traditionelle Denkmuster mit neuen Ideen aufgefrischt haben.“

Ein Schlüsselmoment in „Hex“ ist ohne Zweifel der Moment, als Grete Neseblod in den Zeugenstand tritt: Die Betreiberin des legendären Black-Metal-Shops Neeseblod Records in Oslo möchte die Musik von WITCH CLUB SATAN nicht kommentieren – bestätigt aber anerkennend das beträchtliche Interesse an der Band und sagt: „Ich weiß es zu schätzen, wenn sich Kunst und Black Metal weiterentwickeln und verändern.“ So wie ihr so dürfte es vielen Menschen gehen: Auch wenn man die Musik von WITCH CLUB SATAN nicht „fühlt“, muss man dem Trio eine Relevanz für die Szene zugestehen, wie sie nur wenige Bands in so kurzer Zeit erreicht haben. Von dieser Band kann man auch Fan sein, ohne die Musik zu mögen.

Haters hingegen gonna hate: Wer schon die bloße Existenz von Frauen in der Szene als Frevel empfindet, wird angesichts dieser drei Künstlerinnen, die so gar keine Anstalten machen, sich Genrekonventionen zu unterwerfen (und dabei den trvesten Black Metal seit MAYHEMs „Henhouse Recordings“ abliefern), Gift und Galle spucken … und möge bitte daran ersticken. Da der Szene auch damit Gefallen getan wäre, ist „Hex“ wirklich vorbehaltlos jedem zu empfehlen. Ansonsten wäre es angesichts der extrem positiven Resonanz, die das Trio von Frauen erhält, dringend angesagt, dass sich Männer mit einem Urteil über WITCH CLUB SATAN, ihr Auftreten und die vermittelten Inhalte einfach mal zurückhalten: Hier geht es (endlich) mal nicht um uns. Deal with it, Bro!

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In Deutschland feiert „Hex“ auf dem Doc-Fest München Premiere:

Keine Wertung

Moritz Grütz

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