Enslaved Mid Coverartwork

Review Enslaved – Mið

Wenn Viking- oder Pagan-Metal etwas eigentlich nicht ist, dann „progressiv“. ENSLAVED schaffen es irgendwie trotzdem: Ohne sich je von ihren Wurzeln losgesagt zu haben, zählen die Norweger schon lange als Aushängeschild des progressiven Black Metal. Wenngleich die Band zuletzt wieder etwas härter unterwegs war, sind der Psychedelic-Rock-Einfluss und die Liebe zum Prog Rock bei ENSLAVED doch nicht mehr wegzudenken. Weit besser noch als auf „Heimdal“ gelingt es ENSLAVED auf „Mið“, diese Ambiguität in einem Bild festzuhalten: Das Cover könnte zugleich ein heidnisches Ritual oder moderne Kunst darstellen. Das weckt Hoffnungen – ist der letzte große Wurf der Band in musikalischer Hinsicht nun doch auch schon einige Zeit her.

Das scheinen ENSLAVED selbst etwas anders zu empfinden – und damit auch keinen Anlass für einen grundlegenden Richtungswechsel zu sehen. So beginnt „Mið“, wie schon die letzten Alben, mit einem atmosphärischen Intro („Non-Being“), das wohl die Naturverbundenheit der Band hervorheben soll. Diese steht auf „Mið“ auch sonst stärker denn je im Mittelpunkt: Gleich der Opener „I Am Ice“ ist in Zusammenarbeit mit dem samischen Musiker Johan Sara Jr. entstanden. Und für „Spirit Helper“ verbündeten sich ENSLAVED mit Kevin Kicking Woman alias Koǒkii, einem Ältesten der Blackfeet Nation aus Montana, auf deren Territorium jedes Jahr das FIRE IN THE MOUNTAINS FESTIVAL stattfindet – der Geburtsort dieser Kollaboration. Zwei an sich schöne Ideen – insbesondere „Spirit Helper“ wirkt aber in seinem rituellen Charakter wie ein Fremdkörper auf dem Album.

So sind es nicht diese offensichtlichen Neuerungen, die „Mið“ zu einem guten Album machen – sondern die kleinen Anpassungen im Stil, die bei den anderen Songs zutage treten: Etwa die geschickte Mischung aus herrlich melancholischen Passagen und harten Riffs in „Solar Will“ und „Mountain“, die an „Isa“-Zeiten denken lassen. Oder das sich über fast neun Minuten hinweg entwickelnde „Parting“, das mit seinem perlenden Piano-Intro, einem ausschweifenden Gitarrensolo und lässiger Hammond-Orgel mit zu den schönsten Stücken gehört, die ENSLAVED bisher veröffentlicht haben. Und dann ist da auch noch „I Miðju“ als krönender Abschluss: Mit seinem Wechselspiel zwischen Klargesang und Growls klingt der so wunderbar nach ENSLAVED, wie man sie kennt und liebt, wie ein Song das nur tun kann, ohne langweilig repetitiv zu klingen.

Bei nach wie vor hohem Wiedererkennungswert kann man ENSLAVED auf „Mið“ endlich wieder eine gewisse Unvorhersehbarkeit attestieren. Ironischerweise wird diese weniger in den offensichtlichen Experimenten mit Gastmusikern deutlich als in den Arrangements, den Riffs und Melodien, die dieses Mal wieder deutlich stärker sind als zuletzt von ENSLAVED gehört. So ist „Mið“ verglichen mit seinem direkten Vorgänger „Heimdal“ das deutlich Spannendere geworden – wennschon sich das nicht gleich mit dem ersten Durchlauf offenbart.

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Wertung: 8 / 10

Moritz Grütz

Publiziert am von

2 Kommentare zu “Enslaved – Mið”

  1. Wie auch schon auf dem letzten Album “Heimdal” funktioniert hier für mich fast gar nichts mehr. Das Intro klingt wie ein unfertiger Entwurf, der irgendwo aufm PC rumlag, die Songs wie “Riffsammlung_aussortieren_neu_V2.gpx”. Außer “Parting”, der wenigstens ein paar sehr schöne Momente hat, lässt mich das Album in Gänze komplett kalt. Und das Gejodel bei “Spirit Helper” is ja nicht auszuhalten. Seit Herbrand Larsens Ausstieg is da irgendwie die Luft raus, auch wenn ich mit der “E” und mit “Utgard” schon noch einiges anfangen konnte und auch die “Caravans” EP fand ich gar nicht verkehrt. Aber das hier is einfach alles vom Songwriting her so komplett willkürlich und egal. Da bleibt überhaupt nichts hängen. Dass die gleiche Band mal Hit-Alben wie “Isa”, “Axioma …”, “Ruun” oder “In Times” komponiert hat, kann man sich da kaum vorstellen.

  2. Meinen Kommentar zum letzten Album, kann man hier ruhig wieder einsetzen. Die Songs, die ich kenne, machen mit mir gar nichts mehr, außer ein leichtes Schulterzucken verursachen.

    Für mich ist aber auch das ganze Viking/Pagan-Thema außerzählt – ich habe manchmal das Gefühl, dass der Band dieses Korsett langsam ein wenig zu eng wird nach alle den Jahren. Oder ich kann es einfach nicht mehr hören. Kann auch sein.

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