CD-Review: Metallica - ...And Justice For All

Besetzung

James Hetfield - Gesang, Gitarre
Kirk Hammett - Gitarre
Jason Newsted - Bass
Lars Ulrich - Schlagzeug

Tracklist

01. Blackened
02. ... And Justice For All
03. Eye Of The Beholder
04. One
05. The Shortest Straw
06. Harvester Of Sorrow
07. The Frayed Ends Of Sanity
08. To Live Is To Die
09. Dyers Eve


METALLICA – eine Band, die man dem geneigten Metalhead wohl ebenso wenig vorstellen muss wie eines ihrer zumindest ersten vier Alben, die bis heute als Klassiker des Thrash Metal gelten. Dabei ist die Vorgeschichte des vierten und letzten „klassischen“ METALLICA-Albums „…And Justice For All“ alles andere als erfreulich. Zwei Jahre vor der Veröffentlichung 1988 musste die Band nach einem Unfall mit dem Tourbus den Tod ihres Bassisten Cliff Burton verwinden, der die ersten drei Platten durch sein Spiel am Tieftöner entscheidend geprägt hatte. Obwohl die Band in der Folge kurz vor der Auflösung stand, rappelte sie sich wieder auf und machte in Gedenken an Cliff Burton weiter. Sein Nachfolger wurde Jason Newsted, der als METALLICA-Bassist auf „…And Justice For All“ seinen Einstieg hatte.

„…Und Gerechtigkeit für jeden“. Die Abschlussworte des Treueschwurs der vereinigten Staaten und von METALLICA ironisch für den Titel ihrer vierten Platte verwendet, die sich inhaltlich in weiten Teilen nämlich mit Ungerechtigkeit in verschiedenen Facetten befasst. Krieg, Einschränkung der Meinungsfreiheit und Korruption der Justiz sind einige der sehr ernsten Themen, die in diesem Zusammenhang angesprochen werden. Doch nicht nur textlich, sondern vor allem auch musikalisch überzeugt „…And Justice For All“ vollauf und stellt ein in jeder Hinsicht herausragendes Album dar. Es ist eines dieser Werke, bei dem sich im Grunde ein Highlight an das nächste reiht, und das bei einer Spieldauer von satten 65 Minuten.
Mit „Blackened“ eröffnet den Reigen einer der stärksten, wenn nicht sogar der beste Opener, der je eine METALLICA-Platte einleiten durfte. Schnell, hart, aggressiv und voller Energie. Der anschließende Titelsong schaltet ein paar Gänge zurück und präsentiert sich eher im Mid-Tempo-Bereich. Es ist nicht gerade eines der eingängigsten Stücke, die METALLICA zu bieten haben, doch überzeugt der Song durchgehend durch hervorragendes Riffing und bleibt bei seinen fast zehn Minuten Laufzeit stets abwechslungsreich und interessant. Nach dem wiederum sehr energetischen, nach vorne preschenden und dabei doch sehr eingängigen „Eye Of The Beholder“ folgt eine der Nummern, die jeder METALLICA-Hörer, nein, eigentlich jeder Metalhead kennen muss: Die berühmte, vom Inhalt des Films „Johnny Got His Gun“ inspirierte Halbballade „One“ über einen Soldaten, der auf dem Schlachtfeld durch eine Verletzung jegliche Möglichkeit, sich mitzuteilen und seinen Wunsch nach dem Sterben zu veräußern, verliert, geht mit großen Emotionen unter die Haut, bis sie in ein wütendes Riff-Feuerwerk mündet, das seinesgleichen sucht. Grandios!

Im Grunde gäbe es über jeden Song der Platte einzeln eine Menge zu erzählen. Daher soll es an dieser Stelle genügen, besonders „Frayed Ends Of Sanity“ als weiteren Anspieltipp auszuweisen, das vor allem durch einen enorm starken Refrain punktet. Eine markante Nummer ist überdies das Quasi-Instrumental (lediglich ein von James Hetfield vorgelesenes Gedicht ist abgesehen von den Instrumenten zu hören) „To Live Is To Die“, welches aus Riff-Ideen Cliff Burtons besteht und eine mehr als würdige Widmung an diesen darstellt. Lediglich „The Shortest Straw“, obgleich es weit davon entfernt ist, ein Ausfall nach unten zu sein, vermag nicht ganz, mit den restlichen Nummern mitzuhalten, was bei diesem Niveau allerdings leicht zu verzeihen ist.
Der am häufigsten genannte Kritikpunkt, dem sich „…And Justice For All“ stellen muss, ist das anscheinende Fehlen des Basses. Tatsächlich ist dieser vorhanden, nur weiter als üblich in den Hintergrund gemischt, sodass sich definierte Basslinien nur sehr schwer heraushören lassen. Zum einen ist das Angesichts des Einstiegs Jason Newsteds beinahe schon ironisch, zum anderen fehlt dem Sound somit in der Tat eine gewisse Tiefendimension. Abgesehen davon klingt das Album aber sehr gut und kräftig abgemischt, sodass es sich hier um einen Wermutstropfen handelt, der die Platte jedoch nicht wirklich schlechter macht.

Für METALLICA war die Entscheidung, nach Cliff Burtons Tod weiterzumachen, gewiss nicht einfach. Wie „…And Justice For All“ zeigt, war es aber die richtige. Es handelt sich um ein rundum hervorragendes Album, das nicht umsonst Kultstatus genießt und bis heute wohl zu den stärksten Outputs in METALLICAs Diskographie gehört.

EDIT:
Anlässlich des 30. Geburtstages der Platte, veröffentlichten METALLICA 2018 „…And Justice For All (Remastered)“. Auf dieser Version wurde die Soundqualität des Albums überarbeitet, sodass man den Bass nicht mehr nur erahnen, sondern auch dezent hören kann. Zudem erfuhr der Klang ein (kleines) Update, um dem Album ein wenig mehr Druck zu verleihen, ohne dass dadurch allerdings der Charme des Originals verlorengegangen wäre.
Des Weiteren enthält die CD-Version von „…And Justice For All (Remastered)“ noch zwei weitere Scheiben. Auf der ersten Bonusdisc befinden sich Demos und Rough Mixes der späteren Albumtracks. Spannender Weise gibt es so für jeden Song des Albums eine Frühform, was dem Hörer einen interessanten Einblick in die Entwicklung der Songs gibt.
Die dritte CD beherbergt Livesaufnahmen von der Damaged-Justice-Tour, welche zwischen Februar 1988 und August 1989 entstanden. Hier zeigten METALLICA, dass sie die unheimlich komplexen Songs ihres vierten Albums auch Live mühelos reproduzieren konnten. Zudem bekommt der Hörer einen kleinen Eindruck davon, mit welcher Energie und Wucht die Band damals auf der Bühne stand. So ist „…And Justice For All (Remastered)“ eine Neuauflage, die dem Original gerecht wird und sich für jeden Fan lohnt, auch wenn man die Platte natürlich schon besitzt.

Bewertung: 9 / 10

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2 Kommentare zu “Metallica – …And Justice For All”

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