CD-Review: Metallica - Ride The Lightning

Besetzung

James Hetfield - Gesang, Rhythmusgitarre
Kirk Hammett - Leadgitarre
Cliff Burton - Bass, Hintergrundgesang
Lars Ulrich - Schlagzeug

Tracklist

01. Fight Fire With Fire
02. Ride The Lightning
03. For Whom The Bell Tolls
04. Fade To Black
05. Trapped Under Ice
06. Escape
07. Creeping Death
08. The Call Of Ktulu


Laut einer Anekdote des Anthrax-Gitarristen Scott Ian verlief die Präsentation des berühmten Coverartworks mit dem elektrischen Stuhl auf blauem Hintergrund nicht sonderlich gut. Jon Zazula, der Manager der Band, zeigte Hetfield und Ulrich das Cover für ihre neue Platte, woraufhin diese es erst einmal eine Minute lang wortlos anstarrten, weil sie es so sehr hassten, für Änderungswünsche aber keine Zeit mehr blieb. Heute ziert das im Vergleich zum inhaltlich wesentlich komplexeren Master-Of-Puppets-Cover tatsächlich recht alberne Bild die Vorderseite ihres alles andere als albernen zweiten Albums „Ride The Lightning“, welches für die Band nach ihrem noch recht rohen Debüt „Kill ’Em All“ eine wichtige Weiterentwicklung darstellt.

Mit dem Einbeziehen von Bassist Cliff Burton, der über grundlegende Kenntnisse in Musiktheorie verfügte, in das Songwriting, veränderte sich der Sound grundlegend in eine deutlich harmonischere Richtung. Statt schneidigen Pentatonik-basierten Gitarrenlicks gibt es nun Moll-lastige, bisweilen Iron-Maiden-like zweistimmige Gitarrenmelodien und auch die rhythmischen Riffs der Band zeigen sich in einem ausgeklügelteren Gewand als je zuvor. Eingeleitet wird der neue Stil durch das sehr klassisch anmutende Clean-Gitarren-Intro des brillanten „Fight Fire With Fire“, dem noch heute zu den schnellsten Songs der Band gehörenden Thrash-Ungetüm, dessen im Verse-Riff konsequent entgegen des Grundbeats gesetzte Akzentuierungen bei gleichzeitigem High-Speed-Picking die Band selbst live auch schon mal in die Knie zwang. Nicht viel weniger rasant und thrashig geht der leider bis heute zu oft übersehende Geniestreich „Trapped Under Ice“ ans Werk und bildet zusammen mit dem Überhit „Creeping Death“ den schnellen Teil der Scheibe.

Im Gegensatz zu den Songs auf „Kill ’Em All“ setzen METALLICA bei „Ride The Lightning“ verstärkt auf Midtempo, um die melodische Komponente besser zum Ausdruck bringen zu können. So beginnt der Titelsong mit dem markanten zweistimmigen Intro, bevor er in ein fies stampfendes Riff-Biest übergeht. Auch „For Whom The Bell Tolls“, welches von Ernest Hemingways im Original gleichbetitelten Buch (im Deutschen: „Wem die Stunde schlägt“) inspiriert wurde, demonstriert mit seinen markanten Glockenschlägen und dem von vielen oft mit einer Gitarrenmelodie verwechselten hohen Basslauf, der das für damalige Verhältnisse im Metal äußerst eigenwillige und individuelle Spiel des von Fans bis heute verehrten Cliff Burton treffend aufzeigt, sein volles Hitpotential. Mit dem wundervoll depressiven „Fade To Black“ findet darüber hinaus das erste Mal eine Ballade Einzug in ein METALLICA-Album, das abschließende, zutiefst mystisch anmutende „The Call Of Ktulu“ setzt dagegen die auf „Kill ’Em All“ begonnene Tradition der Instrumentalstücke fort. Einzig das etwas dahintrödelnde „Escape“ kann mit seinen vergleichsweise laschen Riffs und dem unmotiviert anmutenden Refrain nicht vollends überzeugen.
Neben der Weiterentwicklung im kompositorischen Bereich kann das Quartett auch in der Produktion eine Änderung der Ausrichtung vorweisen. Wo ihr Debüt noch unperfekt und scharf klang, da setzt „Ride The Lightning“ mit einem runderen, weniger aggressiven Sound den Fokus verstärkt auf ihre melodischen Komponenten und kompositorischen Kniffe.

„Ride The Lightning“ stellt die nächste Stufe in der Evolution der Band dar. Die rohe Energie von „Kill ’Em All“ wurde ausgetauscht durch konzentriertes, durchdachtes Songwriting. METALLICA machen ihre Sache dabei weder grundlegend schlechter noch besser, sondern in erster Linie einfach anders als auf ihrem großartigen Debüt und erschaffen somit ein Werk, das bis heute zu begeistern weiß und die Truppe in der Höchstphase ihrer Karriere zeigt.

Bewertung: 9.5 / 10

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2 Kommentare zu “Metallica – Ride The Lightning”

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