Mimi Barks Artwork

Review Mimi Barks – Dreamstate Of Fear (EP)

Immer mehr Künstler:innen, die in den letzten 30 Jahren musikalisch nicht ausschließlich mit Metal sozialisiert wurden, treten auf den Plan: In diese Kategorie fällt auch die Rapperin MIMI BARKS, die in ihrem selbst erfundenen Genre „Doom-Trap“ durchaus mehr als nur latente Metaleinflüsse zulässt. Mit „Dreamstate of Fear“ hat die Deutsche ihre mittlerweile fünfte EP (neben zwei Full-Length-Alben) seit 2019 am Start – und verspricht frischen Wind im Crossover-Genre.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit Doom (Metal) hat das Ganze nichts zu tun. Vielmehr bekommen interessierte Hörer:innen eine Mischung aus Trap und Nu- bzw. Alternative-Metal auf die Ohren. Erstgenanntes Genre ist an der charakteristischen (und nur latent nervenden) Hihat und dem (mehr als nur latent nervenden) Vocoder- und Harmonizer-Einsatz erkennbar, letztgenannte Stilistik an den leider durchweg generischen Riffs, Arrangements und den ebensolchen härteren Gesangseinlagen.

Verspricht der Opener „Dreamstate Of Hell“ in den ersten Sekunden noch, kein völliger Reinfall zu werden, erledigt sich dieser Eindruck spätestens mit der Bridge zum ausgesprochen nichtssagenden Chorus. Massiver Vocodereinsatz und sonstige Gesangseffekte sind deutlich überpräsent und machen jeden Versuch einer emotional authentischen Textdarbietung zunichte. Auch in Sachen harter Metalgesang kann MIMI BARKS leider nicht überzeugen, denn ihre Technik bietet definitiv zu wenig Facetten und somit absolut keine Abwechslung oder gar Überraschungen.

Und auch die Musik will nicht so recht im Ohr hängenbleiben. Dass die eine oder andere Instrumentalpassage LINKIN-PARK-Assoziationen weckt, ist hier nicht als Kompliment gemeint. All das hat man schon zuhauf gehört – und in den meisten Fällen deutlich besser. Die beiden Folgetracks „Ophelia“ und „Jericho“ ändern absolut nichts an diesem Gesamteindruck, zumal MIMI BARKS ausschließlich singt, anstatt bei ihrer Kernkompetenz, dem Sprechgesang zu bleiben. Während „Ophelia“ immerhin nicht dazu führt, dass die Ohren völlig ausbluten, ist die R&B-artige Strophe von „Jericho“ nach rund 60 Sekunden schlicht unerträglich – was diesmal allerdings zu gleichen Teilen sowohl an MIMI BARKS leider wenig charismatischer Gesangsstimme, als auch an den bereits mehrfach angesprochenen, wirklich nervtötenden Gesangseffekten liegt.

Der vierte Streich, das deutschsprachige „Power durch Verrat“, zeigt allerdings, was möglich gewesen wäre: Hier stehen MIMI BARKS’ durchaus respektable Rap-Skills im Vordergrund und auch das Instrumental, trotz Gitarreneinsatz deutlich hip-hop-lastiger, weiß weit mehr zu gefallen als die restliche EP. „Butterfly In Chains“ schlägt dafür wieder in eine ähnlich nichtssagende Kerbe wie die ersten drei Songs von „Dreamstate Of Fear“ und die beiden immerhin kurzen Instrumentals „Polarity“ und „States Of Consciousness“ sind einfach überflüssig.

Schade, dass MIMI BARKS sich bei der Produktion ihrer neuen EP nicht auf ihre eigentlichen Qualitäten, den (T)Rap, besonnen hat. Denn das mit den reinen Metal-Songs sollte sie lieber lassen: Null organisch oder authentisch, im negativen Sinne überproduziert (wenn auch immerhin druckvoll) und in ausschließlich allen sonstigen Aspekten nichtssagend bis generisch, bieten die rund 20 Minuten der EP wenig Schönes. Ob es dem Algorithmus gefällt, ist natürlich ein völlig anderes Thema, dem menschlichen Ohr kann man das hier nicht wirklich mit gutem Gewissen empfehlen.

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Stephan Gossen

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