Review Placebo – This Search For Meaning

  • Label: SO
  • Veröffentlicht: 2025
  • Spielart: Rock

PLACEBO sind seit ihrer Gründung im Jahr 1994 eine Band, die aneckt. Besonders das androgyne Erscheinungsbild von Sänger Brian Molko sorgte jahrelang für die wildesten Spekulationen und Anfeindungen. Regisseur Oscar Sansom arbeitet mit „This Search For Meaning“ die Karriere der Briten auf und zeigt PLACEBO, also Brian Molko und Stefan Olsdal, ehrlich und schonungslos.

Visuell besticht die Dokumentation durch eine ruhige, fast meditative Ästhetik. Archivmaterial, alte Interviews und Konzertmitschnitte werden mit neu aufgenommenen Performances und nachdenklichen Monologen zusammengeführt. Besonders eindrucksvoll sind dabei die Momente, in denen Molko offen über Sucht, Entfremdung und den Druck des Ruhms spricht. Dadurch entstehen Momente, die zeigen, dass hinter der makellosen Bühnenfigur ein Mensch steht, dessen Suche nach sich selbst immer weitergeht. Auch Stefan Oldal, der oftmals eher im Hintergrund agiert, ist in „This Search For Meaning“ zwar auch wieder stiller, aber bietet einen nicht weniger intensiven Auftritt und trägt zur emotionalen Tiefe des Films bei. Zusätzlich zu den Interviews mit der Band gibt es Beiträge von anderen Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, die PLACEBO entweder bewundern oder von ihnen inspiriert wurden. Hier kommen unter anderem Shirley Manson (GARBAGE), ROBBIE WILLIAMS, YUNGBLUD, Rebecca Lucy Taylor (SELF ESTEEM), Joe Talbot (IDLES) sowie Künstler STUART SEMPLE zu Wort.

Thematisch greift die Dokumentation vieles auf, was PLACEBO seit jeher ausmacht: das Spiel mit Geschlechterrollen, die Faszination für das Anderssein, die Suche nach Nähe in einer entfremdeten Welt. Zugleich erweitert sie den Blick und bezieht aktuelle Themen ein: Klimakrise, gesellschaftliche Müdigkeit, digitale Entfremdung. Manchmal will der Film dabei auch etwas zu viel und versucht, alle Probleme anzusprechen, ohne dabei in die Tiefe zu gehen.

„This Search For Meaning“ ist hervorragend produziert, doch die Hochglanzästhetik nimmt den rohen Momenten bisweilen etwas von ihrer Wucht. Wer eine kompromisslos intime Dokumentation erwartet, könnte hier etwas zu viel Distanz spüren, die wiederum fast schon zu PLACEBO passt.

Zusätzlich zur Dokumentation kommt das aufwendig gestaltete Deluxe-Set im sechsseitigen Digipak mit zwei Live-Audio-CDs von „This Is What You Wanted – Live In Mexico City“ sowie eine erweiterte Bonus-Edition des aktuellen Studioalbums „Never Let Me Go“, inklusive einer Coverversion des TEARS FOR FEARS-Klassikers „Shout“. Diese Extras sind aber eher mit dem Prädikat „Nice-to-have“ zu versehen.  Fans werden das aktuelle Album sicherlich schon haben und PLACEBO stehen für emotionale Konzerte, die sich jedoch nicht wirklich mit einem Live-Mitschnitt auf CD reproduzieren lassen.

Für Fans ist „This Search For Meaning“ eine emotionale Reise durch die Historie von PLACEBO. Für alle anderen bietet der Film einen faszinierenden Einblick in eine Künstlerseele, die nie aufgehört hat zu fragen, zu zweifeln und zu suchen.

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Wertung: 7.5 / 10

Samir Kharboutli

Publiziert am von

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