CD-Review: Saltatio Mortis - Wer Wind sät

Besetzung

Alea der Bescheidene - Gesang, Sackpfeifen, Schalmeien, E-Gitarre, Akustik Gitarre
Bruder Frank - Bass, Chapman-Stick
El Silbador - Sackpfeifen, Schalmeien
Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein - Sackpfeifen, Schalmeien, Drehleier, Nickelharpa
Lasterbalk der Lästerliche - Davul, Trommeln, Percussion, Pauken, Programming

Tracklist

01. Ebenbild
02. Salome (feat. Doro Pesch)
03. La Jument de Michao
04. Letzte Worte
05. Das Kalte Herz
06. Rastlos
07. Miststück
08. Tief in mir
09. Aus Träumen gebaut
10. Manus Manum Lavat
11. Vergessene Götter
12. Wir säen den Wind


2 Jahre und 2 Besetzungsveränderungen nach ihrem letzten Album „Aus der Asche“ melden sich die „Folkrockmetaller“ von SALTATIO MORTIS mit ihrem neuen Werk „Wer Wind sät“ zurück. Nachdem dem Ausstieg von Cordoban dem Verspielten und Thoron dem Zweibärtigen zu Beginn des Jahres, entschloss man sich, zukünftige Rockalben nur noch als Sextett aufzunehmen. Ob dies nun zu etwas mehr Konstanz im Band-Lineup führt, wird sich wohl schon sehr bald zeigen. Musikalisch behielt man mit dem neuen Longplayer allerdings den elektronikfreien Weg der Vorgänger bei, wenngleich die generelle Grundstimmung düsterer und etwas weniger lebensfroh wirkt.

Wie schon bei „Aus der Asche“ finden sich die Highlights von „Wer Wind sät“ größtenteils in der 1. Hälfte der insgesamt 13 Songs. Sagte mir das vorab veröffentlichte Video zu „Ebenbild“ noch eher weniger zu, so gefiel mir die Albumversion auf Dauer immer besser und hinterließ einen bleibenden Eindruck, der zum Nachdenken über das Thema Gentechnik anregt.
Aleas erfrischendes Duett mit Doro Pesch namens „Salome“ sowie das aggressiv-französische „La Jument de Michao“ zündeten wiederum direkt beim ersten Hördurchgang. Bei Zweiterem fällt das Mitsingen zwar schwer, doch live dürfte Fans ein echter Stimmungskracher erwarten, der ganz im Gegensatz zu Saltatios klassisch arrangierten Stücken wie „Choix de Dames“ steht, die mehr den Marktcharakter der mittelalterlichen Musik widerspiegeln. Besonders für Fans der härteren Gangart sehr empfehlenswert und mit das Beste, was mir dieses Jahr bisher so zu Ohren kam.
„Letzte Worte“ behandelt anschließend ruhiger und persönlicher den Tod und den Rückblick auf das Leben. Wie schon mit „Nichts bleibt mehr“ präsentieren Saltatio Mortis eine ausdrucksstarke Ballade voller Emotionen, mit der man sich identifizieren kann. Das zweite ruhige Stück des Albums namens „Aus Träumen gebaut“ erinnert mich hingegen etwas an „1000 und 1 Nacht“ von Klaus Lage und fällt weniger ergreifend aus.
Zwischen diesen beiden Songs gibt es wieder sehr solide bis gute Rockstücke, die mir allerdings zu wenig individuell geraten sind. Dies gilt besonders für „Rastlos“, welches mir musikalisch zu sehr an „Ebenbild“ angelehnt ist. „Miststück“ erreicht wiederum nicht ganz die Qualität des thematisch leicht verwandten bandinternen Klassikers „Falsche Freunde“.
Die Textbausteine einiger Songs werden SaMo-Fans vereinzelt sehr bekannt vorkommen und es fehlt meiner Meinung nach besonders im Mittelteil des Albums der Refrain bzw. der Aufhänger oder Earcatcher der ersten Stücke, der so richtig zündet und länger im Ohr verweilt bzw. über die pure Unterhaltung für den Moment hinaus geht.

Gegen Ende finden sich diese besonderen Momente zum Glück wieder. Zwar ist „Vergessene Götter“ wirklich eher vergessenswert, doch dafür erreichen das sehr gesellschaftskritische „Manus Manum Lavat“ und der namensgebende Titeltrack „Wir säen den Wind“ wieder die Qualität der ersten Stücke. Musikalisch kraftvoll und im ersteren Fall textlich ausgereift kann man sich beim bloßen Hören vorstellen, wie sich diese Songs nahtlos in eine Live-Setliste der Band einfügen und zum Mitsingen einladen.
Grundsätzlich orientieren sich viele Texte von „Wer Wind sät“ am Thema Gesellschaftskritik, was auch beim wiederholten Male durchaus angebracht ist, wenngleich die musikalische Ausgestaltung gerne abwechslungsreicher ausfallen hätte dürfen. Aleas Gesang wirkt hingegen wie schon auf dem Vorgängeralbum konstant gut und den unterschiedlichen Grundstimmungen der einzelnen Stücke angemessen.

Summa sumarum sehe ich „Wer Wind sät“ als einen würdigen Nachfolger von „Aus der Asche“, der allerdings nicht ganz dessen Level erreicht und weniger mitreißt. Dies liegt für mich größtenteils an der fehlenden positiven „Welterobererstimmung“ sowie einer höheren Anzahl an austauschbaren Stücken.
Außerdem eröffnet der neueste SaMo-Silberling seinen vollen Charme und damit auch seine gesamte Qualität erst beim wiederholten Hören, was auch an dem erkennbaren Reifungsprozess der Band liegen kann. Abschließend noch ein großes Lob an die wieder einmal ausgezeichnete Produktion und das gelungene Artwork. Zum Bonusmaterial und den Bonussongs kann ich leider nichts sagen, da diese nicht auf der Promo vertreten waren.

Bewertung: 7.5 / 10

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