Review Seigmen – Enola

In ihrer Heimat Norwegen sind die Alternative-Rocker SEIGMEN seit den frühen Neunzigern legendär – mit ihren Shows füllten sie die größten Hallen, mit ihren Alben „Metropolis“ (1995) und „Radiowaves“ (1997) erklommen sie die Spitze der Charts. International hingegen bekam die Band nie die verdiente Aufmerksamkeit; wohl nicht zuletzt, da man vier Alben lang ausschließlich auf norwegische Texte setzte. In der Metal-Szene erlangte Band erst „posthum“ Bekanntheit: Auf ihrem Album „VI – Klagopsalmer“ (2009) coverten die Black Metaller Shining (Swe) den Hit „Ohm“ der damals schon zehn Jahre aufgelösten Formation.

Ausgerechnet über das norwegische Metal-Label Indie Recordings melden sich SEIGMEN nun zurück – satte 18 Jahre nach ihrem letzten Studio-Album. Und egal, ob Fan der ersten Stunde oder auf das Original neugierig gewordener Black Metaller: „Enola“ sollten sich alle zu Gemüte führen.

Dass der Opener „Hva Vi Elsker“ stilistisch quasi direkt an den „Radiowaves“-Hit „Neon Sun“ anknüpft, ist für sich genommen bei der in der seitdem verstrichenen Zeit schon eine Überraschung. Überraschender noch ist jedoch der weitere Verlauf von „Enola“: Vom Sound und der Instrumentierung her ist das Werk zwar insgesamt etwas zarter angelegt als seine Vorgänger, einen kompletten Stilbruch, wie er bei einer Pause von fast zwei Dekaden nicht wirklich überraschend wäre, müssen Fans allerdings nicht befürchten: Von der Komposition her könnten Stücke wie „Trøst“, „Deus“ oder „I Mitt Hus“ ebensogut auf „Total“ oder „Metropolis“ zu finden sein.

Die Seele der zehn Songs steckt dabei mehr denn je in liebliche Cleangitarren-Melodien und dem melancholischen Gesang von Fronter Alex Møklebust. Seinen Höhepunkt findet die so kreierte Atmosphäre im so ruhigen wie berührenden „Tenn Alle Lys“. Einzig das stark von Post-Rock-Einflüssen à la Mono geprägte Instrumental „Monokrom“ überrascht mit gänzlich neuen Elementen – wie „Enola“ als Ganzes allerdings durchweg positiv.

Dass sich SEIGMEN nie ganz aufgegeben hatten, beweist die Unzahl an Farewell- und Reunion-Shows, die die Band über die Jahre verteilt immer wieder gespielt hat. Mit einem neuen Studio-Album dürfte mittlerweile dennoch kaum noch jemand gerechnet haben. Umso erfreulicher ist „Enola“ – als endgültiger Beweis der Auferstehung einer großartigen Band, aber auch, für sich genommen, als Album: Scheinbar mühelos knüpfen SEIGMEN an alte Stärken an, und wissen durch einen besseren Sound und verfeinertes Songwriting auf voller Linie zu überzeugen.

Wertung: 9 / 10

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