CD-Review: Septicflesh - The Great Mass

Besetzung

Spiros "Seth" Antoniou – Gesang, Bass
Sotiris Vayenas – Gitarre, Gesang
Chris Antoniou – Gitarre,
Fotis Benardo – Schlagzeug

Tracklist

01. The Vampire From Nazareth
02. A Great Mass Of Death
03. Pyramid God
04. Five-Pointed Star
05. Oceans Of Grey
06. The Undead Keep Dreaming
07. Rising
08. Apocalypse
09. Mad Architect
10. Therianthropy


Es gibt Bands, die klingen individuell und es gibt SEPTICFLESH – haben die Griechen über die Jahre doch einen so einzigartigen Sound entwickelt wie kaum eine andere Band in der Welt des extremen Metal: So konsequent wie sonst wohl niemand strebt Christos Antoniou mit seinem Bruder Spiros aka Seth nach einer perfekten Symbiose aus Metal und klassischer Musik. Und wenn man hier von „Metal“ spricht, meint man nicht etwa lieblichen Symphonic Metal, sondern harten, erbarmungslosen Death.

Nach ihrem Reunion-Meisterwerk „Communion“ steht mit „The Great Mass“ das nächste Album der Griechen in den Regalen – und bereits das Layout, für das erneut Seth persönlich verantwortlich zeichnet, verspricht Großes. Ein Versprechen, das musikalisch voll und ganz eingelöst wird, wie sich im Folgenden recht schnell zeigt.

Mit „The Vampire Of Nazareth“ beginnt das Album mit deutlicher Parallele zum Einstieg in „Sumerian Deamons“ sehr bandtypisch: Betörender Frauengesang, zu dem sich eine charakteristische, orchestral eingespielte Melodie gesellt, welche langsam anschwillt und schließlich in hartem Death Metal aufgeht: Von treibenden Riffs bis hin zu bedrohlich düsteren Passagen ist bereits hier alles zu finden, was SEPTICFLESH ausmacht – stets untermauert von orchestralen Elementen.

Schon in diesem ersten von zehn Stücken zieht Berufs-Komponist Christos Antoniou so alle Register und veranschaulicht eindrucksvoll den Unterschied zwischen lediglich „klassik-affinen“ Metal-Kompositionen, wie man sie im Symphonic Metal oft zu hören bekommt, und authentischer (neo)klassischer Komposition: Während klassische Elemente bei anderen Bands nahezu unausweichlich in unerträglichen Kitsch abdriften, versteht es Antoniou, das Orchester zwar in epischer Breite als stets gegenwärtiges Element in seine Musik einfließen zu lassen, das Ergebnis dabei jedoch nie aufdringlich oder gar gezwungen klingen zu lassen.

Und genau hier liegt wohl der Schlüssel zum Erfolg der Griechen: So nämlich ist gewährleistet, dass „The Great Mass“ – wie auch die früheren Alben – in erster Linie ein hartes, extremes Metal-Album bleibt, das auch hören kann, wer für wahre Klassik nicht all zu viel übrig hat. Quasi als Kür ist es jedoch auch für Fans klassischer Komposition ein ernstzunehmendes Werk.

Dass mit Songs wie dem angesprochenen „The Vampire Of Nazareth“ oder dem groovenden „Pyramid God“ auch diesmal eingängige Songs, die fast schon Ohrwurmcharakter haben, ihren Weg auf die CD gefunden haben, täuscht über die offensichtliche Komplexität von „The Great Mass“ nicht hinweg – hat es doch gerade der Mittelteil um „Oceans Of Grey“ durchaus in sich. Doch spätestens das von der Gesangs- und Melodieführung her fast schon „poppige“ „Therianthropy“ zeigt, dass SEPTICFLESH auch diese Seite ihrer Kunst nicht verlernt haben – und rundet so ein Album ab, das als Ganzes schlichtweg beeindruckt.

„The Great Mass“ ist kompositorisch komplexer und soundtechnisch dichter als „Communion“ – vor allem aber stilistisch noch etwas homogener und runder als der Vorgänger: Wirkten die orchestralen Elemente auf „Communion“ stellenweise noch etwas befremdlich und isoliert, sind ebendiese hier nahtlos in das Gesamtgefüge eingebaut und wirken so organischer. Einzig in Sachen Brachialität kommt das insgesamt subtiler arrangierte Album nicht an „Communion“ heran.

Bewertung: 9 / 10

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