DVD-Review: Septicflesh - Infernus Sinfonica MMXIX (Live-DVD)

Besetzung

Seth Siro Anton – Gesang, Bass
Christos Antoniou – Gitarre
Sotiris Anunnaki V – Gitarre, Gesang
Kerim "Krimh" Lechner – Schlagzeug

Begleitung:
Symphonic Experience Orchestra – Orchester
Enharmonía Vocalis Choir – Chor
National University of Mexico Children’s and Youth Choir – Chor

Tracklist

01. Intro
02. Portrait Of A Headless Man
03. Martyr
04. Prototype
05. The Pyramid God
06. The Enemy Of Truth
07. Communion
08. The Vampire From Nazareth
09. Dogma Of Prometheus
10. Lovecraft's Death
11. Dante's Inferno
12. Persepolis
13. A Great Mass Of Death
14. Anubis
15. Dark Art


Erst vor Kurzem veröffentlichten Triptykon mit ihrer „Requiem“-Show vom Roadburn Festival ein beeindruckendes Beispiel, wie perfekt sich Metal live mit Orchester verbinden kann. Eine Band, die auf ihren Alben seit jeher auf diese Symbiose setzt und sie im Studio in nunmehr 30 Jahren zur Perfektion getrieben hat, ist SEPTICFLESH. Doch wer sich im Studio vieler Orchesterspuren bedient, ist bei Konzerten auf massenweise Samples angewiesen, worunter Musik und Atmosphäre gleichermaßen leiden.

Im Februar 2019 fand im Teatro Metropólitan in Mexico-Stadt erstmalig auch live zusammen, was zusammen gehört: SEPTICFLESH und über 100 klassische Musiker, rekrutiert aus dem Symphonic-Experience-Orchester, dem Chor Enharmonía Vocalis und dem Kinder- und Jugendchor der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko. Das packende Resultat dieser gigantischen Inszenierung lässt sich jetzt zuhause nachempfinden: Unter dem Titel „Infernus Sinfonica MMXIX“ erscheint ein Audio- und Video-Mitschnitt der Show auf CD und DVD/Blu-ray.

Schon die Kulisse des Teatro Metropólitan  ist mehr als beeindruckend: Eingerahmt von antik-griechisch anmutenden Säulen und Statuen (wie passend!) performen die Athener vor der imposanten Kulisse des stufig ansteigend platzierten Orchesters. Aus unzähligen Blickwinkeln in bester Bildqualität eingefangen, überträgt sich schon die bombastische Kulisse direkt ins heimische Wohnzimmer. Dass die Schnitte vielleicht einen Tick zu hektisch ausfallen, ist da verkraftbar.

Zumal die Musik sowieso alle Aufmerksamkeit des Hörers auf sich zieht: Erstmalig wird erlebbar, wie die im Studio perfektionistisch arrangierte Musik der Griechen tatsächlich zum Leben erwacht, ohne dass ein so beträchtlicher Anteil von Band mitläuft, dass man sich vorkommt wie bei der Metal-Edition der Mini Playback Show. Das Ergebnis ist umwerfend: Zwar lassen der perfekt ausgepegelte Sound und die technische Leistung aller Beteiligter das Resultat fast wie ein Studio-Album klingen – aber eben nur fast: Genau diese ein, zwei Prozent Abweichung, der live dargebotene Klargesang, die Reaktion des Publikums und die Interaktion mit ebenjenem geben den Songs eine gänzlich andere, bislang live nie erlebbare Tiefe.

Auch die Herausforderung, ihr Werk auf knapp anderthalb Stunden und 14 Songs zu kondensieren, meistern die Griechen mit Bravour: Dass die frühen, teils sehr experimentellen Alben keine Erwähnung finden, überrascht wenig – dass „Communion“ (2008) mit vier gespielten Songs nach „Codex Omega“ (2017, fünf Songs) am zweitstärksten vertreten ist, schon eher. Andererseits dürfte auch SEPTICFLESH klar sein, dass das Album mit Hits wie „Anubis“ bis heute unerreicht geblieben ist. Dazwischen liegen, chronologisch und auch was den Anteil am Set angeht „The Great Mass“ (2011, zwei Songs) und „Titan“ (2014, drei Songs).

Anders als andere Metal-Shows mit Orchesterinszenierung, die wie ehedem Metallicas „S&M“ eher als eine Art Experiment gesehen werden müssen, ist „Infernus Sinfonica MMXIX“ schlicht und ergreifend das Ideal einer SEPTICFLESH-Show, wie sie eigentlich immer sein sollte und somit weder Experiment noch Geschmackssache. In einer idealen Welt wäre „Infernus Sinfonica MMXIX“ damit nicht einmal etwas Besonderes. In der Realität dokumentiert „Infernus Sinfonica MMXIX“ das eine Mal in 30 Jahren Bandgeschichte, dass es SEPTICFLESH vergönnt war, ihre Musik vollends zum Leben zu erwecken. Und als Zeugnis dieses magischen Moments ist „Infernus Sinfonica MMXIX“ etwas ganz Besonderes.

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