CD-Review: Slipknot - .5: The Gray Chapter

Besetzung

#8 Corey Taylor – Gesang
#4 James Root – Gitarre
#7 Mick Thompson – Gitarre
#3 Chris Fehn - Percussions, Gesang
#6 Shawn Crahan - Percussions, Gesang
#0 Sid Wilson – Turntables
#5 Craig Jones 133 - Sampling

Session-Musiker:
Schlageug, Bass

Tracklist

01. XIX
02. Sarcastrophe
03. AOV
04. The Devil In I
05. Killpop
06. Skeptic
07. Lech
08. Goodbye
09. Nomadic
10. The One That Kills The Least
11. Custer
12. Be Prepared For Hell
13. The Negative One
14. If Rain Is What You Want


Viel hat sich getan im Umfeld der Nu-Metal-Stars SLIPKNOT, seit 2008 „All Hope Is Gone“ das Licht der Welt erblickte: Während Jim Root und Corey Tailor bei Stone Sour seit Jims Rauswurf getrennte Wege gehen, gehören die beiden bei SLIPKNOT zum schrumpfenden „Inner Circle“. Durch den tragischen Tod von Bassist Paul Gray 2010, sowie den dubiosen Austieg der Schlagzeuger-Legende Joey Jordison Ende 2013 verlor die Band nämlich gleich zwei Schlüsselfiguren. So unschön die Trennung von Jordison auch verlaufen sein mag, so gelungen ist zumindest die Hommage an den verstorbenen Bruder in Form des Albumnamens, „.5: The Gray Chapter“.

Nach einem ruhigen, aber eingängigen Intro setzen SLIPKNOT mit „Scarcastrophe“ gleich zu Beginn eine Duftmarke: Die durch den Song nahegelegte Vermutung, das Album könnte wieder etwas härter ausgefallen sein als seine Vorgänger, bestätigt sich über den Albumverlauf. So ist die Anzahl der brachialen Nummern wieder merklich gestiegen – ein Eindruck, der durch den kraftstrotzenden Sound nochmals untermauert wird. Auf ruhige Momente und Klargesang verzichten SLIPKNOT jedoch auch dieses Mal nicht – zum Glück, muss man fast sagen.
Denn mag „.5: The Gray Chapter “ konzeptionell auch aggressiver angelegt sein als seine Vorgänger, mangelt es ihm doch an Aggression: Zwar pumpen Songs wie „Skeptic“ oder „Cluster“ kräftig, im Duell mit den Musik gewordenen Wutausbrüchen, die sich auf „Slipknot“ oder „Iowa“ finden, treten sie jedoch mit einer Gummiklinge an. Zu stumpf, zu austauschbar klingen die Riffs, zu uninspiriert und emotionslos in Folge dessen einige Passagen.

Seine Stärken hat „.5: The Gray Chapter“ im Gegenzug immer dort, wo ruppige und ruhige Elemente verschmelzen („The Devil In I“, „Killpop“) oder SLIPKNOT sich voll auf ihre gefühlvolle Seite besinnen („Goodbye“, „If Rain Is What You Want“). Zwar wäre es gelogen, zu behaupten, SLIPKNOT hätten hier mehr Tiefgang als jede andere x-beliebige Metal-Band, die auf gefühlvoll macht – zumindest bringt der Stone-Sour-Touch aber unbestreitbar Abwechslung in das Album und fügt sich weit besser ins Gesamtbild als noch auf „All Hope Is Gone“. Die gravierenden personellen Veränderungen lassen sich SLIPKNOT bei alledem kaum anmerken: Zwar profiliert sich der Ersatzmann am Schlagzeug nicht eben durch sein kreatives oder individuelles Spiel, gibt sich jedoch in Anbetracht der Größe der Fußsstapfen, in die er treten musste, auch keine Blöße.
Mit „The Negative One“ haben SLIPKNOT am Ende doch noch zumindest eine kleine Überraschung parat, gelingt es ihnen hier doch für wenige Minuten, den „Slipknot“-Spirit nochmal aufleben zu lassen – nicht zuletzt, weil der Song ein mehr als deutliches Zitat ihres Überhits „Surfacing“ darstellt.

Mit „.5: The Gray Chapter“ gehen SLIPKNOT den Weg, den sie seinerzeit mit „Vol. 3: (The Subliminal Verses)“ eingeschlagen haben, unbeirrt weiter. Dass dieser weder zurück zur Brutalität der Anfangstage, noch zu einem sonderlich charakteristischen Klangbild führt, ist spätestens seit „All Hope Is Gone“ klar. Ein Hang zu musikalischer Belanglosigkeit ist dem entsprechend auch das größte Problem von „.5: The Gray Chapter“, das dafür aber im Gegensatz zum Vorgänger immerhin (vom Albumcover einmal abgesehen) ohne Totalausfälle auskommt. Am Ende erfüllt „.5: The Gray Chapter“ die Erwartungen, die man an ein SLIPKNOT-Album gemeinhin hat – übertrifft sie aber auch nicht.

Bewertung: 7.5 / 10

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