CD-Review: Spanish Love Songs - Brave Faces Everyone

Besetzung

Dylan Slocum — Gesang
Kyle McAulay — Gitarre
Trevor Dietrich — Bass
Ruben Duarte — Schlagzeug
Meredith Van Woert – Keyboard

Tracklist

01. Routine Pain
02. Self-Destruction
03. Generation Loss
04. Kick
05. Beach Front Property
06. Losers
07. Optimism
08. Losers 2
09. Dolores
10. Brave Faces, Everyone


Stillstand ist für SPANISH LOVE SONGS seit ihrer Gründung 2014 ein Fremdwort, sowohl strukturell als auch inhaltlich. Neben der Veröffentlichung ihrer beiden Alben „Giants Sings The Blues“ und „Schmaltz“ war die Band aus Los Angeles über die letzten anderthalb Jahre quasi ununterbrochen auf Tour, unter anderem mit Genregrößen wie Hot Water Music. Dabei entwickelten sich SPANISH LOVE SONGS zu einem der wohl dicksten Ausrufezeichen im aktuell wiederbelebten Genre des emotionalen Punkrocks. Anfang 2020 erscheint schließlich das kurzfristig angekündigte dritte Album „Brave Faces Everyone“, das den bisherigen Weg der Band konsequent fortschreitet, aber auch neue Seiten aufschlägt – vor allem textlich.

„Brave Faces Everyone“ ist im Vergleich zu den beiden Vorgängeralben musikalisch weniger ungestüm, was allerdings nicht bedeutet, dass es weniger energetisch wäre. Es dominieren immer noch mitreißende Gitarrenmelodien, Dylan Slocums sehnsüchtiger Gesang und ein treibendes Schlagzeug. Dennoch präsentieren sich SPANISH LOVE SONGS in Liedern wie „Beach Front Property“ oder „Optimism“ etwas gezügelter. Die emotionalen Ausbrüche spielen auch hier eine Rolle, treten aber nicht mehr so stark in den Vordergrund und auch Akustikgitarren erhalten im scheppernden Indierocksound mehr Raum. Diese stärkere Diversität gelingt fast immer, in einigen wenigen Momenten schleichen sich dadurch aber leider auch ein paar Längen ein – was allerdings in die Kategorie „Meckern auf hohem Niveau“ fällt.

Trotz dieser feineren musikalischen Nuancierung ist selbstverständlich auch „Brave Faces Everyone“ unverkennbar ein Album von SPANISH LOVE SONGS. Die größte Weiterentwicklung findet hier auf textlicher Ebene statt: Anstelle rein persönlicher Geschichten greifen SPANISH LOVE SONGS dieses Mal in die große Erzählkiste im Stil von Bruce Springsteen. Ähnlich wie ihre musikalischen Brüder im Geiste The Menzingers,schichten SPANISH LOVE SONGS Narrative aufeinander, die trotz pessimistischer Bestandsaufnahmen auch immer einen Funken Hoffnung in sich tragen. Um Kettcar zu zitieren, ist „Brave Faces Everyone“ nicht mehr der auf sich selbst bezogene „befindlichkeitsfixierte Aufstand“, sondern nimmt das Außen, persönliche wie gesellschaftliche Schicksale und das Gefühl einer ganzen verlorenen Generation in den Blick.

Seien es Sucht im bitter-schönen „Kick“, Depressionen im wütend-hoffnungsvollen „Self-Destruction“ oder der Tod einer geliebten Person in „Generation Loss“: Immer zeigen SPANISH LOVE SONGS auch die gesellschaftlichen Strukturen hinter scheinbar individuellen Problemen auf. Das stärkste Beispiel dafür liefert das tieftraurige „Dolores“, in dem die Folgen von Amokläufen beschrieben werden. Die darin enthaltene Textzeile „Down the hallway — cries rise and fall / In between the nearly constant sirens” ist zwar eindeutig auf eine konkrete Situation bezogen, umfasst allerdings auch den Umgang mit solchen Tragödien metaphorisch.

SPANISH LOVE SONGS haben sich in relativ kurzer Zeit zur Lieblingsband vieler Punkrockfans entwickelt. Mit „Brave Faces Everyone“ dürfte deren Anzahl sogar noch steigen. Zum einen ist es musikalisch noch differenzierter, zum anderen kann das dritte Album der Band problemlos mit den beiden überragenden Vorgängern mithalten.

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Bewertung: 9 / 10

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