CD-Review: Swallow The Sun - The Morning Never Came

Besetzung

Mikko Kotamäki - Gesang
Juha Raivio - Gitarre
Markus Jämsen - Gitarre
Matti Honkonen - Bass
Pasi Pasanen - Schlagzeug
Aleksi Munter - Keyboard

Tracklist

01. Through Her Silvery Body
02. Deadly Nightshade
03. Out of this Gloomy Light
04. Swallow (Horror Pt. 1)
05. Silence of the Womb
06. Hold this Woe
07. Under the Waves
08. The Morning Never Came


Die filigrane Mischung aus Doom und Death Metal war ein Kind der Neunziger (ein bißchen spitzfindiger gesehen vielleicht der Achtziger) und groß machten ihn Bands wie My Dying Bride, Anathema, Katatonia und Paradise Lost. Peacevilles große Vier, das britische Trio und ihre schwedischen Kollegen, die den Sound irgendwo zwischen Doom, Death und Gothic Metal vielleicht nicht im Alleingang erfanden, aber doch immerhin nachhaltig prägten und ihn salonfähig machten. Als das Jahrzehnt/Jahrhundert/Jahrtausend zu Ende ging, waren auch drei der vier großen quasi komplett von diesem Sound abgerückt, tummelten sich noch irgendwo in gotischen Gefilden, aber Doomdeath? Der wurde jäh (nach einigen Ausflügen) wieder von My Dying Bride beackert und ein paar kleinere Bands, die es mehr schlecht als Recht über Demos oder ein Album hinaus brachten, tummelten sich auch noch in der Gegend. Um so faszinierender, dass sich genau zu dieser Zeit eine neue Macht erhob. Nicht im Osten (okay, kommt auf den Blickwinkel an), sondern im Norden. Finnlands SWALLOW THE SUN fanden sich zusammen, um das Erbe anzutreten.

Und das 2003 nach einer einzigen Demo erschienenen Debutwerk „The Morning Never Came“ beweißt eindrucksvoll, wieso die Band es im gegensatz zu vielen kollegen geschafft hat, sich zu etablieren. Leidenschaft. Hingabe. Gefühl. Von der ersten Sekunde an atmen SWALLOW THE SUN ihre Musik viel mehr, als dass sie sie spielen. Ein sanftes Piano leitet „Through Her Silvery Body“ ein, doch schon nach wenigen Augenblicken bricht der Sturm aus verzerrten Gitarren, dröhnendem Bass und wuchtigem Drumming los. Hier steckt Gefühl in jeder Pore, sinnvolle Tempowechsel lassen die emotionalen Lead Parts noch mehr hervostechen, als sie es eh schon von Natur aus tun. Schon der Opener von „The Morning Never Came“ klingt schlicht und ergreifend sau geil, emotional, fett produziert, eingängig…
Und auf der Schiene fahren SWALLOW THE SUN auch bei den folgenden Tracks weiter. Beim Riffing selbst sollte man jetzt keine so große Abwechslung suchen, meist besteht ein Song aus zwischen zwei und vier verschiedenen Riffs, die hier und da mal durch die Instrumentalfraktion gereicht werden (besonders auffällig bei „Hold This Woe“, wo sowohl Keyboard als auch Gitarre sich mal an der genialen Hauptmelodie vergehen dürfen), ansonsten steckt nicht so viel Variation in den Songs, faszinierenderweise werden sie aber nicht langweilig. Aufgelockert durch Mikkos variable Gesangsleistung, die verschieden instrumentalisierten Zwischenspiele und das eine oder andere geniale Gitarrensolo bieten die Songs innerhalb ihres wenig abwechslungsreichen Rahmens so viel Abwechslung, wie man sich eigentlich nur wünschen kann.
Und auch die Atmosphäre des Albums kann man nur lobend hervorheben. SWALLOW THE SUN schaffen es mühelos zwischen depressiver, hoffnungsvoller und (passend zum Titel „Swallow (Horror Pt. 1)“, obwohl das doch etwas leichtfüßig daher kommt) richtiggehend bedrohlicher Stimmung hin und her zu wechseln. Ganz besonders „Silence Of The Womb“ mit seinem gesampelten Kindesklagen schafft es doch dem Hörer die Kehle zuzuschnüren und einen Schauer über den Rücken zu jagen, aber auch der fantastische Rausschmeißer und Titeltrack „The Morning Never Came“ kann (vor allem auch textlich) gut punkten.

Wenn es jetzt etwas zu bemängeln gibt, dann sind das höchstens zwei Punkte: Einerseits ist „The Morning Never Came“ hier und da wohl etwas ZU eingängig. Schon nach dem dritten oder vierten Durchlauf kann man die Melodien mitsummen und besonders viel zu entdecken gibt es nicht mehr, durch ihre Emotionalität hängen sie einem aber trotzdem nicht besonders schnell zum Hals raus. Andererseits ist da wohl die Gesangsleistung von Mikko Kotamäki. Der growlt sich hier weitestgehend die Seele aus dem Leib und flüstert hier und da mal ein paar Zeilen, das klingt auch so weit alles recht individuell und hat Wiedererkennungswert, aber vor allem die Growls und gemäßigten Screams (wie bei „Swallow (Horror Pt. 1)“) klingen doch ein wenig schief. Aber einen wirklichen Abbruch tut das dem guten Material nicht.
„The Morning Never Came“ ist nämlich alles in allem eine extrem stimmige Sache, ein unheimlich intensives und emotional geladenes Doomdeath-Album, das sich zwar wesentlich moderner hört als die Altmeister (da wohl auch nicht zu knapp vom götheborgischen Death Metal beeinflusst), sich aber trotzdem nicht vor denen zu verstecken braucht.

Bewertung: 9 / 10

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