Review The Acacia Strain – Wormwood

Aus Massachusetts stammt der Vierer namens THE ACACIA STRAIN, der für mich mal wieder einen Kontakt mit dem sonst sorgsam gemiedenen Deathcore-Sektor darstellt (Suicide Silence sei Dank). Auf sechs Releases seit 2001 bringt man es, und der aktuelle Silberling „Wormwood“ wird die Diskographie um ein weiteres Album bereichern. Ob sich die Vorurteile, die mich seit „No Time To Bleed“ beständig begleiten, wenn es um Deathcore geht, durch THE ACACIA STRAIN zerstreuen lassen, soll hier mal näher beäugt werden.

Tatsächlich beginnt „Wormwood“ gar nicht mal so voll daneben, wie ich das aus diesem Sektor zum Teil gewöhnt bin: Heftige, heruntergestimmte Gitarren, die, jeder Anschlag für sich genommen, gewaltig in die Fresse geben, in ihrer Gesamtheit bedingt durch die abgehakte Rhythmik aber auch einen fiesen Drive entwickeln. Dazu die bewährte heisere Scream-Shout-Mischung sowie schleppendes Tempo und fertig ist die Core-Dampfwalze, die den Hörer mit einer Menge Geduld mit fettestem Sound auseinander nimmt. Doch dabei bleibt es nicht im Opener „Beast“. Vielmehr gesellen sich im Songverlauf monotone Gitarrensequenzen im Hintergrund hinzu, die zumeist nur aus einem einzigen, kalten Ton bestehen, deren bohrende Kontinuität für eine maschinelle, futuristische Endzeitstimmung sorgt. „Beast“ macht eindrucksvoll klar, dass Aggression und Härte auf diesem Album zwar überaus reichlich vertreten sind, die Band diese aber so verinnerlicht hat, dass sie in den Hintergrund treten und stattdessen die immer wieder aufwallende, Luft abschnürende Atmosphäre als Ventil für die schlechte Stimmung herhalten muss, von der THE ACACIA STRAIN offenbar eine ganze Menge in „Wormwood“ investiert haben. Die Folge: Ein stimmungsvolles Metalcore / Deathcore-Album, wie man es definitiv nicht alle Tage erlebt. Und obwohl der erste Durchlauf diesbezüglich vielleicht nicht besonders Mut macht, aber es ist doch eine gewisse Abwechslung vorhanden, was sich vor allem in verschiedenen Tempi der Zerstörung und durchdachten Breakdowns manifestiert.Dennoch ist der große Reiz an diesem Album eigentlich, dass die bedingungslose Härte auf der einen Seite sich so elegant mit der erstickenden Atmosphäre auf der anderen Seite abwechselt, ohne dabei an Faszination einzubüßen, zumindest über den längsten Teil der Scheibe. Zu „The Impaler“ und „Jonestown“ hat man das immer selbe Riff-Prinzip etwas über, sodass man versucht sein könnte, „Wormwood“ als zu lang bezeichnen, was sich mir während der ersten Durchläufe auch durchaus so präsentierte. Im Endeffekt muss man dann aber erkennen, dass entweder die beiden oben genannten Songs stimmungstechnische Durchhänger sind, oder die Songs ab „Bay Of Pigs“ qualitativ nochmal gewaltig einen draufsetzen. Was auch immer es ist, jedenfalls hält „Wormwood“ einen, obwohl gefühlt schon längst Zapfenstreich ist, auch den Rest seiner Spielzeit bei der Stange – danach würde ich mich aber dann selbst beim fanatischsten Fan wundern, wenn es ihm immer noch nicht reicht von der Musik.

THE ACACIA STRAIN setzen einem alles in allem einen ziemlich dicken Brocken vor, der an sich zwar nicht übermäßig komplex ist, aber dennoch erstmal verdaut werden will – „Wormwood“ bietet eine faszinierende Hörerfahrung, indem es Härte und Atmosphäre elegant nebeneinander stellt, verlangt dem Hörer aber auch so viel ab, dass „Dauerrotation“ in Verbindung mit diesem Album wohl ein Fremdwort bleiben wird. Trotzdem ein auf ganzer Linie überraschendes und überzeugendes Release, dass sich bei weitem nicht nur Deathcore-Jünger zu Gemüte führen sollten.

Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von Marius Mutz

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