Review Therapy? – Troublegum

Das Trio THERAPY? ist bereits seit 36 Jahren im Geschäft und hat in dieser Zeit 16 Studioalben produziert. Allen gemeinsam ist der energetische noise-rockige Sound, der auch, entsprechende Versatzstücke sei Dank, in der Punk- und Alternative-Rock-Szene Anklang finden konnte. Mit „Troublegum“ aus dem Jahr 1994 gibt es allerdings ein Album, das heraussticht – und maßgeblich für den Kultstatus der Nordiren verantwortlich sein dürfte.

Die Hitdichte auf dem vierten THERAPY?-Longplayer ist bemerkenswert, ein Ohrwurm jagt wortwörtlich den nächsten. Die durchschnittliche Tracklänge ist genretypisch mit ungefähr drei Minuten als kompakt zu bezeichnen, was die insgesamt rund 45 Minuten Albumlänge ausgesprochen kurzweilig gestaltet. Auch in Sachen Songwriting wissen die Mannen um Andy Cairns zu überzeugen: „Troublegum“ bietet eine spannende Vielfalt, die man so nicht erwarten würde. Unterschiedlichste musikalische Einflüsse, von HÜSKER DÜ über die ebenfalls nordirischen UNDERTONES bis BLACK SABBATH, machen es möglich.

Die ausgekoppelten Singles „Screamager“, „Trigger Inside“, „Die Laughing“ und „Nowhere“ dürften die bekanntesten Songs auf „Troublegum“ sein, aber auch die überraschend atmosphärischen Nummern „Turn“ und „Unbeliever“ (zu dem HELMET-Frontmann und -Saitenhexer Page Hamilton die Leadgitarre beigesteuert hat) sowie das ebenfalls ausgekoppelte JOY-DIVISION-Cover „Isolation“ überzeugen uneingeschränkt. Heimliches Highlight ist aber auch vielschichtige „Stop It You’re Killing Me“, wobei festzuhalten ist, dass es unterm Strich keinen wirklich schwachen Song auf „Troublegum“ gibt. Technisch gibt es nichts zu beanstanden, die Jungs beherrschen ihre Instrumente weit besser als der Durchschnitt und auch die schnörkellose Mischung tönt druckvoll und ausgewogen aus den Lautsprechern.

THERAPY? haben mit „Troublegum“ nicht zuletzt für sich selbst die Messlatte sehr hoch gelegt und konnten anschließend (trotz vieler weiterer richtig guter Alben) nicht mehr wirklich an diese auch kommerziell erfolgreiche Phase anknüpfen – was der Spielfreude, auch heute noch, jedoch keinen Abbruch tut. Diese grundlegend positive Attitüde muss man der Band hoch anrechnen: Cairns und seine Mitstreiter haben den vergangenen Ruhm gut weggesteckt und machen nach wie vor spürbar gut gelaunt Musik aus Spaß an der Freude. Andere Bands haben derartige Entwicklungen schon schlechter verarbeitet oder sich sogar aufgrund von mangelndem Erfolg komplett aufgelöst.

„Troublegum“ funktioniert auch über 30 Jahre nach erscheinen immer noch richtig gut, was natürlich auch dem bisweilen punkig-poppigen Charakter der Songs zu verdanken ist. Aber auch die Texte sind mit universellen Themen wie Wut, Angst, Isolation oder Entfremdung auf gewisse Art zeitlos . Wer morgens auf dem Weg zur Arbeit einen kleinen Energieschub benötigt, ohne sich musikalisch völlig überfordern zu lassen, sollte THERAPY? und „Troublegum“ auf jeden Fall eine Chance geben – es lohnt sich.

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Wertung: 10 / 10

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