TODOMAL aus Spanien sind in ihrem Kern ein Duo, bestehend aus den Musikern Wildman und Javi. Mithilfe von Studiomusikern hat das Gespann bereits zwei Alben ins Werk gesetzt, die zwischen Düsternis, Schwere, aber auch Hoffnung und Erhabenheit wandeln. cineastischer Atmospheric Doom ist das, was die Truppe definiert. Nach den beeindruckenden Alben „Ultracrepidarian“ und „A Greater Good“ präsentiert das Gespann nun deren Nachfolgewerk „Graveyards Of Joy“.
Das eröffnende „Mare Ignis“ offenbart sofort, was das „Cinematic“ in der Genrebezeichnung Cinematic Doom zu bedeuten hat. Breite Synthesizerflächen spannen sich hinter schweres Doom-Riffing und langsames Schlagzeugspiel. Die weit geöffnete Atmosphäre des Stücks erinnert gar ein wenig an die ausufernde Epik von DEVIN TOWNSEND oder KAUAN, und auch die verschiedenen Gesänge von Wildman, Javi, Mille und Cecilia ergänzen diesen schmachtenden Opener bestens. Ganz anders gelagert ist das düstere „Point Of Coalescence“, das nah an CANDLEMASS heranrückt und in Sachen Gesang Erinnerungen an ANATHEMA vor ungefähr 20 Jahren aufkommen lässt. Am Tempo ändert sich indes – logischerweise – nur wenig, und trotzdem besitzt die Nummer einen angenehm tighten Drive.
Natürlich wissen TODOMAL genau, dass Doom Metal nur selten ohne eine Portion Melancholie auskommt. „Deliverance“ ist dafür beispielhaft und auf den Punkt umgesetzt. Eine traurige spanische Gitarre eröffnet den Track und erzeugt für sich genommen bereits ein hohes Maß an Stimmung. Der Song besitzt ein mitreißendes melodisches Motiv, das immer wieder aufblitzt, während die Akustikgitarre durch beinahe Western-artige Arrangements einen angenehmen Akzent setzen kann. Das führt dazu, dass der verzehrende Refrain mit seinen weiten Synthie-Linien inklusive eines fantastischen Gitarrensolos nur umso eindringlicher wirkt. TODOMAL zeigen hier ganz eindrucksvoll, dass sie es ernst meinen, wenn es um cineastische Schwermut geht.
Es ist auch angenehm festzustellen, dass sich die Formation nicht mit schleichenden Kompositionen allein zufriedengibt. So umschifft sie mit „Humanised Gods“ geschickt den Fallstrick der Repetition. Der angenehm schmissige Titel, sackt auch Fans des Gothic-Genres ohne Weiteres ein, da er sehr raffiniert mit dynamischen Schwankungen und Stil-Nuancen im Songwriting spielt, ohne die Traumhaftigkeit im Kern seiner Komposition zu vergessen. Die Gitarren von Wildman und Javi sind wunderbar melodisch und trotzdem erdig, die Synthesizer von Cecilia erweitern deren Wirkung zusätzlich, und das geradlinige Schlagzeug von Javier „Bud“ Martínez lässt für einen kurzen Moment den Doom hinter sich. Alles verschmilzt an diesem Punkt zu einem wunderbaren Ganzen.
Der Rausschmeißer und zugleich Titeltrack rundet den etablierten Eindruck dann auf die denkbar schönste Weise ab. Erneut langsam, jedoch zutiefst atmosphärisch, baut sich ein melancholisch-schönes Motiv aus wuchtigen Drums, dichten Synths und homogenen Gitarren vor dem Hörer auf und fließt in einen sehnsüchtigen Refrain über. Es muss an dieser Stelle noch einmal erwähnt werden, wie abwechslungsreich und tiefgehend TODOMAL bei ihren Songs agieren. Wer sich einen emotionalen Ersteindruck verschaffen möchte, sollte mit dem Titelstück beginnen, ist dieses doch ein Spiegel der Größe des gesamten Albums.
Man kann es nicht anders sagen: In Zeiten, in denen ANATHEMA längst Geschichte sind, MY DYING BRIDE in Scheidung leben und KATATONIA eigentlich „The Renkse Project“ heißen müssten, schließen TODOMAL eine gewaltige Lücke. „Graveyards Of Joy“ vollbringt das Kunststück, doomige Schwere mit cineastischer Atmosphäre zu verbinden und diese Melange zugleich zugänglich zu halten. Dabei neigt sich die Band weder der großen Melancholie noch übertriebenem Optimismus zu, sondern nutzt den Raum dazwischen, um ebenso düstere wie erhellende, ebenso schwere wie leichtfüßige Momente zu erschaffen. „Graveyards Of Joy“ ist unter dieser Maßgabe ganz großes Kino.
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Wertung: 9 / 10



Gern geschehen. Danke für das Aufmerksam machen auf diese Album-Perle.
„In Zeiten, in denen ANATHEMA verträumten Pop-Rock spielen“…
Schön wär’s. Die spielen leider gar nix mehr.
Hallo Jan!
Danke für den Hinweis, das war mir doch glatt entfallen. Das Review ist entsprechend angepasst. Ich hoffe, der Fauxpas ist schnell vergeben.
Danke für deinen Kommentar.
Philipp | M1