CD-Review: U.D.O. - Decadent

Besetzung

Udo Dirkschneider – Gesang
Andrey Smirnov – Gitarre
Kasperi Heikkinen – Gitarre
Fitty Wienhold – Bass
Francesco Jovino – Schlagzeug

Tracklist

01. Speeder
02. Decadent
03. House Of Fake
04. Mystery
05. Pain
06. Secrets In Paradise
07. Meaning Of Life
08. Breathless
09. Under Your Skin
10. Untouchable
11. Rebels Of The Night
12. Words In Flame


Untätigkeit wäre das letzte, was man Udo Dirkschneider und seiner Band U.D.O. vorwerfen könnte. Seit 2009 hat die deutsche Metalinstanz mit der markanten Stimme immerhin zwei EPs, zwei Compilations, vier volle Alben und zwei Live-DVDs veröffentlicht – und um ehrlich zu sein: Das merkt man auch. An frischen Ideen nämlich hat sein inzwischen 15. Studioalbum „Decadent“ leider nur wenig zu bieten.

Das hatte in der Vergangenheit besser ausgesehen. Auf dem letzten Studioalbum „Steelhammer“ hatten U.D.O. noch etwas bereitwilliger experimentiert, und es waren gerade die variantenreichen Tracks, die besonders gelungen waren. Auf „Decadent“ dagegen herrscht mehr Engstirnigkeit als in einem Gottesdienst des Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche. Seien es die straighten Songs wie „Speeder“ oder „Under Your Skin“ oder die Stampfer à la „Decadent“ oder „Untouchable“, selbst die Ballade „Secrets In Paradise“ – das kennen wir alles ziemlich genau so schon.

Natürlich krächzt Udo Dirkschneider immer noch unverwechselbar und auch in guter Qualität, und ja, die Riffs sind präzise eingespielt und die Scheibe sauber produziert. Richtige Stimmung will trotzdem kaum aufkommen, dafür entwickelt sich „Decadent“ einfach zu vorhersehbar. Fast überflüssig ist es da zu sagen, dass es lange dauert, bis dem Hörer ein Track im Gehörgang stecken bleibt. Am ehesten haben das groovende „Breathless“ oder die netten Gitarrenmelodien auf „Pain“ das Potential dazu, und auch das düstere „Mystery“ lässt kurzfristig aufhorchen. Am Ende aber sind diese Momente zwischen so viel Mittelmaß versteckt, dass man eine Menge Geduld braucht, um sie freizulegen.

Als thematische Klammer des Albums soll übrigens der Gegensatz von Arm und Reich dienen, den U.D.O. sozialkritisch hinterfragen wollen. Am besten gelingt das noch beim Titelsong „Decadent“, dessen Video der Fantasie des Zuhörers freilich auch auf die Sprünge hilft (siehe unten). Weniger gelungen ist leider die textliche Arbeit auf dem Rest des Albums. Erschwerend kommt hinzu, dass Udo sich darauf besonnen hat, wieder mehr ruhigere Sprechpassagen in die Songs einzubauen, in denen Bonmots wie „Try eating some of your own shit for once // ‚Cause I am not taking it anymore“ fallen („Pain“). Nicht besser sind die zahlreichen wirren Sprachbilder, und über das Cover verliert man lieber auch keine Worte.

Kurz: „Decadent“ lässt den Hörer musikalisch wie textlich unbefriedigt zurück. Das ist umso bedauerlicher, als man nach „Steelhammer“ auf etwas frischen Wind im Hause U.D.O. hatte hoffen können. So bleibt es ein Album für beinharte Traditionalisten, die die Zeit aufbringen wollen, das Album wieder und wieder zu hören, um die guten Elemente darin zu finden.

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Bewertung: 5.5 / 10

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8 Kommentare zu “U.D.O. – Decadent”

  1. Racer

    Letzten Endes alles eine Frage des Geschmackes !
    Darüber lässt sich ja bekanntlich nicht streiten.
    Auch wenn ich Accept und U.D.O. gleichermaßen gut finde , tendiere ich dieses mal mehr zu Udo ,weil Decadent die seltsame Rev-Raptor endlich vergessen lässt . Wie konnte man damals nur so hinterher hinken ? Jetzt haben U.D.O. mit Steelhammer und Decadent endlich aufgeholt und Luft nach oben haben sie teilweise noch, gebe ich zu .

    Aber nicht viel !

  2. Manu

    Einen Musiker zu schätzen, heißt nicht, ihn als König Midas zu porträtieren – nicht alles, was Udo anfasst, wird Gold. Und „Decadent“ ist ein geradezu ödes Album geworden – fast wie die neue Scorpion (auch wenn die beiden außer dem Alter wohl wenig gemeinsam haben).

    Im Übrigen: Die Welt wird reicher, wenn man ihre Schattierungen bemerkt.

  3. Marc Lengowski Beitragsautor

    Schön, dass euch das Album gefällt! Wenn ihr beinharte Fans von Teutonenstahl seid, wie ich zumindest aus Racers Kommentaren lesen kann, überrascht mich das auch nicht weiter – das steht ja in dem Review auch drin.

    Dass sich aber „alle“ einig seien, dass das Album großartig und besser als Accepts „Blind Rage“ sei, kann man auch dann nicht guten Gewissens behaupten, wenn man dieses Review und die Scorpions blöd findet…

  4. Racer

    Was du da schreibst ,über das neue U.D.O. Album, passt hinten und vorne nicht!
    Es zündet schon beim ersten anhöhren und alle sind sich einig ,es ist ein Spitzenalbum .
    Das hört jeder, der nicht auf seinen Ohren sitzt !Ausserdem ist es nochmals besser als Steelhammer und als die Blind Rage ,da abwechslungsreicher und mehr Teutonenstahl als diese !!
    Mittelmaß gibt es nicht bei der aktuellen U.D.O. !!!

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