CD-Review: Van Canto - Break The Silence

Besetzung

Sly – Lead Gesang
Inga – Lead Gesang
Stefan – Solo-"Gitarren-Vocals" und tiefer "RakkaTakka"-Gesang
Ross – Hoher "RakkaTakka"-Gesang
Ike – Tiefer "DanDan-Bass"-Gesang
Bastian – Schlagzeug

Tracklist

01. If I Die In Battle
02. The Seller Of Souls
03. Primo Victoria
04. Dangers In My Head
05. Black Wings Of Hate
06. Bed Of Nails
07. Spelled In Waters
08. Neuer Wind
09. The Higher Flight
10. Master Of The Wind


VAN CANTO haben spätestens mit ihrem dritten Album „Tribe Of Force“ bewiesen, dass sie keine Eintagsfliege sind und auch mit ihren eigenen Nummern überzeugen können. Den Weg mit Fokus auf Eigenkompositionen setzen die deutschen A Capella Metaller auch 2011 fort und vorab kann man schon mal sagen: Wer VAN CANTO bisher mochte, wird auch mit „Break The Silence“ viel Freude haben. Wer mit der Musik bisher noch nichts anfangen konnte, der sollte auch weiterhin einen Bogen drum machen.

Eine kleine Einführung für die, die VAN CANTO noch nicht kennen: Als einziges Instrument ist ein Schlagzeug als Taktgeber mit von der Partie. Der Rest der Truppe besteht aus fünf Sängern, zwei von ihnen sorgen für den „normalen“ Gesang, zwei imitieren die Gitarren und einer den Bass. Das Konzept funktioniert auch hier wieder wunderbar, trotz dem manchmal offensichtlichen Fehlen der Standard-Instrumente vermisst man diese nicht, oft vergisst man sogar, dass hier fast alle Töne durch Stimmbänder erzeugt werden. Besonders beeindruckend finde ich nach wie vor die Gitarrensoli, einfach klasse, wie sie die verzerrten Gitarren imitieren.

Neben den diesmal sieben eigenen Liedern haben es wieder drei Coverversionen aufs Album geschafft, womit wir auch schon den einzigen negativen Aspekt hätten: Die A Capella-Versionen bekannter Songs war anfangs das Erfolgsgeheimnis der Band, um den Bekanntheitsgrad zu steigern, inzwischen wirken diese aber teils wie Fremdkörper. „Primo Victoria“ von Sabaton – ein Lied, welches im Original liebe – ist in der VAN CANTO-Fassung schlicht langweilig, die gesungenen Gitarren durch die eher langsame und sehr direkte Vorlage wirken gar lächerlich, die Power des Originals kann zu keiner Sekunde erreicht werden. Da hilft es auch nicht weiter, dass sich Sabaton-Sänger Joakim Broden höchstselbst beteiligt. Missglückt also würde ich sagen, besser sind da schon das zwar ebenfalls im Kontext fremd wirkende „Bed Of Nails“ (Alice Cooper) sowie „Master Of The Wind“. Das Manowar-Cover gelang aber großartig, hier wird das für den Klassiker essentielle Klavier verwendet und der Frauengesang passt auch wunderbar. Und wenn wir noch beim Thema sind: Euren tätlichen Übergriff auf den „Bard’s Song“ kann ich euch nie verzeihen. Nie!

Zwängen sich VAN CANTO bei den Nachspielversionen notgedrungen in ein manchmal zu enges Korsett, können sie bei den eigenen Liedern ihrer Kreativität freien Lauf lassen und auf „Break The Silence“ machen sie das besser als jemals zuvor. Stimmlich hat sich die Instrumentenfraktion noch weiter verbessert, nun scheinen sie das Spektrum an Gitarrenklängen noch abwechslungsreicher und realitätsnäher nachbilden zu können. Dazu kommt, dass Sängerin Inga sich jetzt wesentlich mehr zutraut und mehr Selbstbewusstsein in ihre Stimme legt, das führt häufig zu tollen Gesangsduellen mit Sly. So wird vor allem „The Higher Flight“ ein absolutes Highlight, die beiden liefern hier Schlag auf Schlag Gesangsharmonien zum Niederknien. Neuland wird mit „Neuer Wind“ betreten. Das Sextett singt zum ersten Mal auf Deutsch und das Experiment ist auch völlig gelungen, entstanden ist eine treibende Heavy Rock-Nummer, die von ihrer Atmosphäre etwas an Mittelalter-Rock-Bands erinnert und einfach Spaß macht. Mit „Spelled In Waters“ wird die alte Bandfreundschaft mit Blind Guardian fortgeführt: Marcus Siepen, der Gitarrist der Krefelder, steuert die Akustikgitarre zu der schönen Ballade bei.

Super Songwriting, hervorragende Melodien und Gesangspassagen, melodischer Power Metal zum Headbangen und Party machen – VAN CANTO liefern mit „Break The Silence“ ihr bisher bestes und professionellstes Album ab. Nur würde ich mir wünschen, dass sie den Anteil der Coverversionen in Zukunft weiter zurückfahren oder diese besser auswählen bzw. sich nicht zu sehr selbst in ein Konzept pressen. Mit allen Freiheiten sind sie nämlich am besten.

Bewertung: 8.5 / 10

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