Review Vargsheim – Träume der Schlaflosen

  • Label: MDD
  • Veröffentlicht: 2015
  • Spielart: Black Metal

VARGSHEIM sind die Live-Band des Schwarzwälder Duos Imperium Dekadenz, das den meisten deutschen Black-Metal-Fans ein Begriff sein sollte. Nach zwei eher durchwachsenen Studioalben wagt die Band mit „Träume der Schlaflosen“ nun einen neuen Anlauf.

Wie wir schon bei den Vorgängern anmerkten: Das „grandiose Eye-Catcher-Cover“ (wie es im Promo-Text genannt wird) verpasst der Scheibe gleich den Stempel der unprofessionellen Underground-Band und wirkt leider sogar noch wesentlich miserabler als das Artwork von „Erleuchtung“. Nein, da kann man sich dann auch nicht mehr mit irgendwelchem „Flair“ oder „Authentizität“ herausreden.

Laut ebendiesem Promo-Text wollen VARGSHEIM in ihrer Musik irgendwo „Elemente des Rocks aus den 70ern“ versteckt haben. Anscheinend haben sie das aber so gut gemacht, dass ich, als absoluter Verehrer dieser Musik-Epoche, keine Chance hatte, diese aufzuspüren. Da drängt sich einem doch der Verdacht auf, irgendein übereifriger Promoter hätte sich diese Idee aus den Fingern gesogen, um die Band irgendwie interessanter zu machen.

Nach diesem nicht gerade positiven Einstieg mag es vielleicht überraschend wirken, aber musikalisch gefällt mir „Träume der Schlaflosen“ ausgesprochen gut. Zunächst einmal macht der Sound der Band einen beeindruckenden Qualitätssprung und gestaltet sich dreidimensionaler, intensiver und ungleich klarer als auf dem Vorgänger. Kein Wunder, schließlich saß dieses Mal Christoph Brandes hinter dem Mischpult, der gleiche Mann, der auch die Musik von Imperium Dekadenz produziert. Der modernere Sound macht das Hörerlebnis um Welten angenehmer, ist aber nicht das einzige, woran die Band gearbeitet hat: Eine Geisel von „Erleuchtung“ waren in meinen Augen die nichtssagenden, flachen Instrumental-Stücke, die die Band immer wieder zwischen die eigentlichen Black-Metal-Passagen pflasterte. Die wurden nun ersatzlos gestrichen, was die Songs insgesamt verkürzt und ihnen mehr Dynamik verleiht. Eine Stärke von VARGSHEIM bleiben die melodischen, akzentuierten Riffs, die sich stellenweise über den rohen Black Metal legen (die allerdings ganz klar nicht von irgendwelchem 70er-Rock inspiriert sind).

Die Vocals profitieren selbstverständlich am meisten von der besseren Produktion und sorgen für einige wirklich gelungene Momente, wie etwa der fast hookline-artige Refrain in „Massenmenschen“. Die Art des Gesangs gibt dem Ganzen den typisch deutschen Sound (nicht nur aufgrund der Sprache), im Gegensatz zu so manch anderer Band versuchen VARGSHEIM aber nicht durch aufgesetzt-hochgestochene Lyrik ihr „Kunst-Appeal“ zu heben und ersparen dem Hörer damit einiges an Fremdscham.

Fazit: Auf „Träume der Schlaflosen“ findet man eine Dreiviertelstunde ehrlichen, gut gemachten Underground-Black-Metal direkt aus heimischem Anbau. VARGSHEIM haben hart an sich gearbeitet und erreichen zweifellos ein komplett neues Level. Sie beweisen genug Eigenständigkeit und Charakter, um für Genre-Fans interessant zu werden, aber wohl zu wenig, um allzu viel Staub aufzuwirbeln. Wer so früh im Jahr auf neuen Black Metal aus ist und sich mit Bands wie Nocte Obducta, Fäulnis oder Todgelichter anfreunden kann, der sollte den Jungs unbedingt eine Chance geben, auch wenn er mit ihren bisherigen Veröffentlichungen vielleicht weniger anfangen konnte.

Wertung: 7.5 / 10

Publiziert am von Tobias Schultz

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