Review Waldgeflüster – Knochengesänge

Die Münchner Black-Metal-Band WALDGEFLÜSTER existiert inzwischen seit 20 Jahren. Als Solo-Projekt des Multiinstrumentalisten und Sängers Winterherz gegründet, verfügt die Combo längst über ein vollwertiges Line-up. Früher vorwiegend im melodischen Black Metal mit paganen Themen verortet, haben sich WALDGEFLÜSTER zwar ihren naturnahen Romantizismus bewahrt, richten den Fokus auf dem neuen Album „Knochengesänge“ jedoch stärker auf die introspektiven Kreisläufe des Menschseins.

Da ist es nur folgerichtig, dass die Band im Sinne einer dichten, melancholischen Atmosphäre neben klassischen Instrumenten wie Streichern auch Elemente des Post-Rock eingeflochten hat. Manifestiert wurde diese Formel auf gleich zwei Alben. „Knochengesang I“ beschäftigt sich zunächst mit den eher konventionellen Ansätzen des WALDGEFLÜSTER-Sounds. Den Auftakt bildet „Krähenpsalme“: Mit akustischem Intro und titelgetreuem Krähenschrei geht der Song schnell in erhaben-melancholische Gitarrenarrangements über, die mit ihrer Weite ein passendes Fundament für die sehnsüchtigen Gesänge von Winterherz und Austin Lunn (PANOPTICON) bilden. Ein sanftes Klavier leitet den Titel aus.

Gerade die klassische Instrumentierung ist auf „Knochengesang I“ ein echtes Highlight, denn sie verleiht dem ansonsten recht gefälligen Black Metal, den WALDGEFLÜSTER 2025 anbieten, das notwendige Maß an Tiefe und Authentizität. Besonders die Streicher von Charlie Anderson heben Stücke wie „Bamberg, 20. Juni“ und „Von Hypnos und Thanatos“ auf Grundlage schwelgender Black-Metal-Kompositionen zu eindrucksvoller Größe. Am Grundgerüst von „Knochengesang I“ gibt es folglich wenig auszusetzen.

Der hier gebotene Black Metal ist hochmelodisch und fließt auf ebenso sanftem wie rasanten Schlagzeugspiel von Arrangement zu Arrangement. Titel wie „Der kleinste König und sein Architekt“ bündeln das in Reinform. Freunde von Bands wie ALCEST, HARAKIRI FOR THE SKY oder HERETOIR dürften auch am neuen WALDGEFLÜSTER-Output wenig zu bemängeln haben. Seinen emotionalen Höhepunkt erreicht das erste Album mit „Lethe – Der Fluch des Schaffenden“, auf dem rauschender Black Metal und klassische Nuancen ideal zusammenfinden. Dass Alboin (Sänger und Sonhgwriter bei EIS) hier ein gesangliches Gastspiel gibt, erweist sich als einzig richtige Entscheidung.

Mit dem zweiten Album, „Knochengesang II“, wagen WALDGEFLÜSTER nach eigenen Aussagen ein musikalisches Experiment. Die sieben folgenden Songs bilden in gewisser Weise einen „alternativen Spiegel“ zu ihren Originalversionen. So wurde etwa „Das Klagelied der Krähen“ – das Pendant zu „Krähenpsalme“ – in ein rein akustisches Gewand gekleidet. Zwar ist gerade der Klargesang (auch auf dem Metal-Album) Geschmackssache, doch das Stück überzeugt durch seine dichte Stimmung. „Von Hypnos und Thanatos“ wurde für „Crusade In The Dark“ in ein treibenderes, von groovigem Metal und dezenten Ambientflächen geprägtes Korsett gesteckt, während „Lethes Fluten“ auf sphärische Keyboards und sanfte Streicher reduziert ist – und dadurch umso emotionaler wirkt.

Sicherlich ließe sich noch einiges mehr sagen, doch an dieser Stelle soll es genügen. „Knochengesänge“ ist ein zugleich konventionelles wie mutiges Werk. Zwar zeigt „Knochengesang I“ stellenweise etwas zu viel Genrekonformismus, doch spätestens der zweite Teil beweist, dass es kaum Grenzen im künstlerischen Kosmos von WALDGEFLÜSTER gibt. Vielleicht gelingt es der Formation beim nächsten Album, diese unterschiedlichen Ansätze zu einer Einheit zu verschmelzen.

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Wertung: 8 / 10

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2 Kommentare zu “Waldgeflüster – Knochengesänge

  1. Weil mir die Single gut und das Konzert im Feierwerk noch besser gefallen hat, habe ich Knochengesang I erstanden. Was mir hier in der Rezi total fehlt, ist ein Hinweis auf die verwaschene Produktion. Auch wenn das für den Black Metal eher typisch ist, finde ich, ist es hier, bei der nuanciert angelegten Instrumentierung und durchaus feinsinnigen Harmonien, fehl am Platz und viele tolle Momente (s. live) gehen im Rauschen unter.
    Und: Danke für deine generell sehr umsichtigen Rezensionen.

    1. Hey Fenrir,

      vielen Dank für deinen Kommentar. In Sachen Produktion hast du natürlich einen Punkt, besonders wenn die Live-Erfahrung da nochmal was rausholen konnte. Ich hingegen empfand das alles als recht stimmig. Übrigens: sehr gerne. Danke für deine positive Kritik.

      Liebe Grüße
      Philipp

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