CD-Review: Within Temptation - The Silent Force

Besetzung

Sharon den Adel – Gesang
Robert Westerholt – Gitarre, Gesang
Ruud Jolie – Gitarre
Jeroen van Veen – Bass
Stephen van Haestregt – Schlagzeug
Martijn Spierenburg – Keyboard

Gastmusiker:
Isaac Muller – Keltische Instrumente
Siard de Jong – Keltische Instrumente
Ego Works Session Orchestra – Orchestrierung

Tracklist

01. Intro
02. See Who I Am
03. Jillian (I’d Give My Heart)
04. Stand My Ground
05. Pale
06. Forsaken
07. Angels
08. Memories
09. Aquarius
10. It’s The Fear
11. Somewhere


Dass WITHIN TEMPTATION groß rauskommen wollten (und in weiterer Folge auch würden), ließ sich bereits anhand ihres zweiten Albums „Mother Earth“ (2000) erahnen. Nachdem die Niederländer den ominösen Gothic/Doom Metal ihrer Anfangstage hinter sich gelassen und sich einen leichter verträglichen, folkigen und opulenten Symphonic-Rock-Stil zugelegt hatten, feierte das damals sechsköpfige Ensemble seine ersten großen Erfolge. Mit ihrem neuerdings betont pompösen, unverschämt kitschigen Sound, der nicht länger auf die treibende Kraft eines Metal-Unterbaus angewiesen war, trafen WITHIN TEMPTATION einen Nerv. Vor diesem Hintergrund kann man es der Band wohl kaum verdenken, dass sie mit der Nachfolgeplatte „The Silent Force“ 2004 den nächsten naheliegenden Schritt in Richtung Mainstream wagte.

Der stilistische Hechtsprung von „Mother Earth“ zu „The Silent Force“ lässt sich im Wesentlichen mit ein paar Schlagworten zusammenfassen: weniger Metal, mehr Symphonic, weniger Folk, mehr Pop. Hatten die Gitarren und Drums schon auf der vorherigen LP nur noch eine begleitende Rolle gespielt, so haben WITHIN TEMPTATION den Metal hier vollends in die Peripherie ihrer Klangwelt verbannt. Unter der bombastischen Orchestrierung lassen sich die Anfänger-Level-Akkorde und geradlinigen Rhythmen, die in einigen Tracks wie der dramatisch-resoluten Lead-Single „Stand My Ground“ mit dem Nu Metal der parallel explosionsartig bekannt gewordenen Evanescence liebäugeln, nur noch durch bewusstes Hinhören ausmachen.

Auf sich allein gestellt machen Gitarren- und Schlagzeugspiel hier beileibe nicht viel her, weshalb das Album stellenweise etwas schwachbrüstig wirkt („Aquarius“). Dem Folk begegnet man hier nur noch in flüchtigen Momenten – etwa in Gestalt der sanftmütigen Flöten in dem zutiefst berührenden, fragilen Pianostück „Pale“. Der Pop-Appeal von „The Silent Force“ resultiert jedoch nicht bloß aus dem verminderten Metal- und Folk-Anteil, sondern äußert sich auch in den konsequent unter fünf Minuten gehaltenen Songlängen, den vereinfachten Kompositionen und den persönlicheren Texten.

Nicht nur in den Balladen – dem sentimentalen „Memories“ und dem hoffnungsvollen, leider etwas zu schnulzigen „Somewhere“ – setzen Within Temptation mehr denn je auf zuckersüße Ohrwurmmelodien („Angels“). Das Album deshalb als banalen Plastik-Metal abzutun, täte ihm jedoch Unrecht. Zum einen entfalten vor allem die drängenderen Stücke dank der Orchestrierung, für die sich WITHIN TEMPTATION erstmals eines echten Orchesters mitsamt Chor bedient haben, eine beeindruckend epische Wirkung („See Who I Am“), zum anderen singt Sharon den Adel hier zum ersten Mal mit formvollendeter Selbst- und Treffsicherheit und auch die Produktion ist wesentlich besser abgerundet als auf den ersten beiden Platten.

War „Mother Earth“ der erste Vorstoß in Richtung eines breiteren Zielpublikums, so sicherten sich WITHIN TEMPTATION mit „The Silent Force“ endgültig ihren Platz neben Evanescence und Nightwish an der Spitze des radiotauglichen Symphonic Metal. Obwohl das dritte Full-Length-Album der Niederländer zwischen den eigenwilligeren Frühwerken und dem wagemutigeren Nachfolger „The Heart Of Everything“ (2007) ein bisschen zu bieder dasteht, muss man der Band doch zugestehen, dass sie hierauf in mancherlei Hinsicht bemerkenswerte Fortschritte gemacht hat. WITHIN TEMPTATION lieferten hiermit nicht nur ihr bis dahin gesanglich und soundtechnisch ausgefeiltestes Album ab, sondern setzten sich selbst mit der Orchestrierung neue Maßstäbe – da stört es auch nicht allzu sehr, dass das Songmaterial stellenweise an Tiefgang vermissen lässt.

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Bewertung: 7.5 / 10

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