CD-Review: Within Temptation - The Heart Of Everything

Besetzung

Sharon Den Adel – Gesang
Robert Westerholt – Gitarre
Ruud Jolie - Gitarre
Jeroen van Veen - Bass
Martijn Spierenburg – Keyboard
Stephen van Haestregt – Schlagzeug

Keith Caputo – Gesang bei „What Have You Done“

Tracklist

01. The Howling
02. What Have You Done
03. Frozen
04. Our Solemn Hour
05. The Heart Of Everything
06. Hand Of Sorrow
07. The Cross
08. Final Destination
09. All I Need
10. The Truth Beneath The Rose
11. Forgiven


Allzu peinliche Coverartworks („Mother Earth“) und noch kitschigeren und vorhersehbaren Gothic Metal haben WITHIN TEMPTATION bisher „ausgezeichnet“. Zumindest die optische Komponente wollen die Niederländer anno 2007 augenscheinlich ändern, so ziert „The Heart Of Everything“ ein relativ düsteres und tatsächlich nicht beschämendes Frontbild.

Musikalisch beginnt die fast einstündige Scheibe mit Klängen, die einer Celine Dion und ihrer Titanic-Schnulze alle Ehre und Konkurrenz machen würden, doch nach einer halben Minute setzen beim Opener „The Howling“ glücklicherweise die Gitarren ein. Und die sind, im Gegensatz zum schwächlich klingenden Vorgänger „The Silent Force“, endlich druckvoll und präsent. Das ganze akustische Bild wirkt so gleich direkter und ein wenig härter, metallischer, rockiger. Es bleibt natürlich der gewohnte Bombast, die choralen Gesänge und das Einsetzen von Samples, und das in nicht zu geringen Mengen. Die Vorabsingle „What Have You Done“ schlägt zwar im Ansatz ebenfalls härtere Töne an, vor allem auch mit dem Gastgesang von Keith Caputo, ist aber zu vorhersehbar und durchschnittlich geraten.
Sharon Den Adel selbst scheint sich auch gut weiterentwickelt zu haben und erweitert ihr Stimmspektrum um überraschend kraftvolle, tiefe und erdige Klänge, wie etwa direkt am Anfang oder im Titeltrack zu hören. Bei letzterem tauchen im Refrain im Hintergrund auch fies gefauchte Vocals auf.

Das leicht modifizierte Bild mit der düsteren Ausstrahlung und den leicht härteren Klängen steht der Truppe richtig gut, neben Opener ist mit „Final Destination“ noch ein düster-rockendes Stück zu finden. Und genau auf solche Töne hätte man aufbauen sollen, doch das hat man nicht. Fehlte hier der Mut? WITHIN TEMPTATION stellen sich selbst ein Bein, indem sie ihre gewohnten getragenen Bombast-Rock-Nummern wie von den vorherigen Alben gewohnt erneut einflechten. „The Cross“, „Frozen“, „All I Need“ oder der abschließende Schluchz-Klumpen „Forgiven“ sind Lieder, die den kleinen Mädels ein „Oooooch, wie schööööön!!!“ entlocken dürften und auf Konzerten oder in Kinderzimmern die Tränen aus den Äuglein kullern lassen. Wenn das (weiterhin) die Zielgruppe ist, Glückwunsch, hundert Punkte.

Wenn nicht: Auftrag (teilweise) fehlgeschlagen. Dabei wären neben den rockigen Stücken mit dem wuchtig-orchestralen „Our Solemn Hour“ und dem übelst ohrwurmigen „Hand Of Sorrow“ auch Songs vorhanden, die trotz Kitsch nicht auf Biegen und Brechen total traurig und „wie immer“ klingen wollen. Unklar ist, ob Hollands erfolgreicher Exportschlager sich für „The Truth Beneath The Rose“ von Stephen Kings Dunklem Turm inspirieren ließen, klar ist aber, dass ihnen die epische Schlagseite (das Lied dauert knapp mehr als sieben Minuten) sehr gut steht. Ob sie sich hier ein Vorbild an Nightwish genommen haben, ist ebenfalls unklar, jedoch wollen mir beim Hören immer wieder deren Longtracks „Beauty Of The Beast“, „Creek Marys Blood“ und „Ghost Love Score“ einfallen.

WITHIN TEMPTATION sind definitiv auf den richtigen Weg gekommen. Fort von Peinlichkeit, überzogenem Kitsch und durchgehender Radiotauglichkeit, hin zu mehr Härte, Abwechslungsreichtum und Düsternis. „The Heart Of Everything“ wirkt nun wie ein Übergang zwischen diesen beiden Wegen, eine Kreuzung, an der man sich noch nicht entscheiden will, in welche Richtung man fahren will. Lacuna Coil mit ihrem „Karmacode“ konnten sie locker hinter sich lassen, an den aktuell Führenden in diesem Genreabteil mit weiblicher Regentschaft – „The Open Door“ von Evanescence und „Bloodangels Cry“ von Krypteria – kommt man so noch nicht vorbei. Die Kurskorrektur muss weitergehen wie angedeutet, dann können WITHIN TEMPTATION irgendwann auch wirklich den anvisierten Thron erobern. Wenn nicht so weitergemacht oder gar der Rückwärtsgang eingelegt wird: Herzlich Willkommen im kitschigen Mittelfeld und der schnulzigen Belanglosigkeit, aus der in diesem Fall nur noch der etablierte Name und die großartige Frontfrau retten könnten.

Bewertung: 6.5 / 10

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