Als CROWN im Jahr 2013 mit ihrem Debüt „Psychurgy“ um die Ecke kamen, sorgten die Franzosen für offene Münder: Das Album mit seiner cineastischen Atmosphäre kann bis heute guten Gewissens als Meisterwerk zwischen Sludge, Doom Metal, Post-Metal und Post-Punk bezeichnet werden. Das darauffolgende „Natron“ wusste in ähnlichem Maße zu begeistern – ehe CROWN mit „The End Of All Things“ einen drastischen Stilwechsel in Richtung Dark Pop einläuteten. Dass das nicht nur eine Episode in der Historie der Band war, zeigt sich nun: Aus CROWN sind YOUR INLAND EMPIRE geworden, und auf deren selbstbetiteltem Debüt geht die Band den eingeschlagenen Weg beherzt weiter.
So könnte bereits der Opener „Scars“ ebenso gut auf dem Debüt der schwedischen Gothic-Rock-Supergroup CEMETERY SKYLINE stehen. Nicht zuletzt, weil der Gesang stellenweise stark an Mikael Stanne erinnert („Sulfur“) – vor allem aber, weil harte Post-Metal-Riffs, wie sie den Sound von CROWN ursprünglich geprägt hatten, bis auf wenige Ausnahmen ganz verschwunden sind. Stattdessen setzen YOUR INLAND EMPIRE überwiegend auf warme Overdrive-Gitarren im Hintergrund, während Synthesizer und ein Schlagzeug, das bisweilen eher Beat-Charakter hat, den Ton angeben. Das funktioniert, ganz im Sinne der ganzen Retro-Gothic-/Dark-Rock-Schiene, tatsächlich durchgehend gut. Weniger gut funktioniert hingegen, wenn YOUR INLAND EMPIRE im neuen Stil härter zu Werke gehen: „Edge Of Perfection“ etwa hat starke EBM-Vibes und ist – auch gesanglich – über weite Strecken ziemlich stumpf.
Stark dagegen sind vor allem die ruhigeren Songs, etwa das direkt darauf folgende „Solver Knife“: Die DEPECHE-MODE-Vibes sind hier unüberhörbar, und entsprechend gut kann man hier die Seele baumeln lassen. In der zweiten Albumhälfte werfen YOUR INLAND EMPIRE dann tatsächlich nochmal ein, zwei Blicke zurück auf ihr altes stilistisches Wirkungsfeld: „Venom“, „Chemicals“ oder „Myself Destruct“ haben – zumindest passagenweise – Post-Metal-Atmosphäre.
So gesehen hätte die Band den Namenswechsel vielleicht sogar schon vor „The End Of All Things“ vollziehen sollen. Von diesem Album ausgehend ist „Your Inland Empire“ tatsächlich nur der nächste logische Schritt. Dass CROWN-Fans diesen noch mitgehen, ist jedoch keine ausgemachte Sache. Wer sich von dieser Seite her kommend an YOUR INLAND EMPIRE annähert, sollte eventuell die intendierte Songabfolge missachten und mit den zuletzt genannten Songs einsteigen, um sich dann weiter vorzutasten. Wer ein Faible für Dark Rock/Pop im Stile der erwähnten DEPECHE MODE, CEMETERY SKYLINE oder auch VV/HIM mitbringt, kann ebenso gut einfach vorne anfangen und sich in das Album treiben lassen. Eine gewisse Akzeptanz für Pathos sollte jedenfalls mitbringen, wer sich mit „Your Inland Empire“ anfreunden möchte.
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Wertung: 7 / 10

