Interview mit Stéphane Azam von Your Inland Empire

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Der König ist tot – es lebe der König! Oder: CROWN ist tot – es lebe YOUR INLAND EMPIRE. Wie es zu dem überraschenden Namenswechsel der Franzosen kam, ob der kontinuierliche Wandel vom noisigem Drone des Debüts „Psychurgy“ in Richtung Dark-Pop dabei eine Rolle spielte und welche Bands ihn auf dieser musikalischen Reise beeinflusst haben, erklärt Mastermind Stéphane Azam im Interview.

Die erste Überraschung in der Promo-Mail war der Satz, „Die Metamorphose von CROWN zu YOUR INLAND EMPIRE ist nun abgeschlossen.“ Also, um das richtig zu verstehen: YOUR INLAND EMPIRE ist keine neue, zusätzliche Band, sondern CROWN wird jetzt durch YOUR INLAND EMPIRE ersetzt?
YOUR INLAND EMPIRE ist die Fortführung von CROWN durch eine neue Entität, ja.

© JenniferBrachet

Warum habt ihr den Namen geändert? War das eine Entscheidung aus künstlerischen Gründen, oder wart ihr gezwungen, den Namen aus äußeren Gründen zu ändern?
Wir haben den Namen für einen Neuanfang geändert. Die Idee kam uns auch, weil wir massive Probleme hatten, aus unserem Plattenvertrag mit Pelagic Records herauszukommen, aber dahingehend werde ich nicht ins Detail gehen. Es war eine schwierige Angelegenheit.

Warum habt ihr euch für YOUR INLAND EMPIRE entschieden? Was bedeutet dieser Name für euch?
Es ist eine direkte Referenz an David Lynch und symbolisiert unser Inneres, unsere Innenwelt, mit unseren Dualitäten, Schwächen, Stärken, Wunden.

Erinnerst du dich an den Moment, in dem dir der Name in den Sinn kam? Was war die Inspiration?
Ich hatte den Namen fast zehn Jahre im Kopf, und als wir beschlossen, mit diesem Neuanfang einen Schritt weiterzugehen, lag es nahe, unser neues Projekt so zu nennen. Ich war schon immer ein großer Fan von David Lynch und habe mich von seiner Arbeit stets inspiriert gefühlt.

Auf Basis des letzten CROWN-Albums, „The End Of All Things“, ist YOUR INLAND EMPIRE musikalisch einfach ein weiterer Schritt in dieselbe Richtung – aber es ist wirklich anders als alles, was ihr auf den ersten Alben gemacht habt. Spiegelt das auch euren persönlichen Musikgeschmack beim Hören wider? Hört ihr heute andere Musik als damals, als ihr die ersten Alben geschaffen habt?
Es ist ein weiterer Schritt, aber nicht wirklich in dieselbe Richtung. Wir können nicht ständig dasselbe machen – ich finde, das tötet Kreativität, und es ist außerdem extrem langweilig, wenn eine Band auf jedem Album immer dasselbe Rezept veröffentlicht. Wir gehen gern Risiken ein und verschieben Grenzen. Natürlich hat die Musik, die ich höre, einen Einfluss, aber es sind vor allem Emotionen, die ich beim Schreiben niederlegen muss – es ist fast wie ein spirituelles Ritual. Man könnte einfach sagen, es ist ein Bild davon, wer wir gerade sind.

Das neue Album erinnert mich eher an diesen elektronisch beeinflussten Gothic Metal, den man auf manchen Veröffentlichungen von HIM, Sentenced oder auch dem neuen schwedischen Projekt Cemetery Skyline hören kann. Ist das ein Genre, das euch interessiert oder vielleicht auch beeinflusst?
David und ich kommen aus der Rock/Metal-Industrial-Szene, aber wir hören sehr viel Musik. Wir sind große Fans von NINE INCH NAILS, THE CURE, DEPECHE MODE, YOUNG GODS, KNOCKED LOOSE, GODFLESH – sehr, sehr vieles, einschließlich Hardcore, Punk, Weltmusik, elektronischer Musik, Ambient. Mit HIM konnte ich nie viel anfangen (lacht), von SENTENCED gehört, aber nie reingehört – das hole ich nach! CEMETERY SKYLINE auch nicht. Ich glaube nicht, dass wir Goth-Rock oder Metal machen, aber in unserer Musik sind sicher viele Einflüsse vermischt. Vielleicht denken Leute das wegen einer gewissen melancholischen Atmosphäre, aber am meisten beeinflussen und inspirieren uns die genannten Bands, würde ich sagen.

Wenn YOUR INLAND EMPIRE ein Auto wäre – welcher Typ Auto wäre es?
Das Mad-Max-Auto im ersten Film. (lacht)

Das Artwork ist ziemlich düster und dennoch modern. Welches Gebäude sehen wir hier, und warum ist dieses Bild für dich das perfekte Artwork für euer Album?
Das Artwork hat Jeffrey Daniels gemacht. Wir wollten etwas, das die Kälte unserer Welt widerspiegelt, und ich finde, er hat das ziemlich gut gemacht. Es ist im Grunde Beton und Glas. Eine Stadt kann überwältigend und intensiv sein, nicht unbedingt ein sicherer Ort, aber in gewisser Weise muss man darin überleben oder sich anpassen. Unsere Musik ist an einem gewissen Punkt auch urban. Ich muss ihn wegen der Bilder fragen – aber wahrscheinlich ist das in Philadelphia.

Dein Bandkollege David Husser hat den Mix gemacht. Würdest du sagen, dass es leichter oder schwieriger ist, an eigenem Material zu arbeiten als an der Musik anderer Leute?
David hat den gesamten Aufnahme- und Mix-Prozess verantwortet und wir haben das Album gemeinsam produziert. Ich schicke David normalerweise Demos, wir sprechen darüber, und das Erste, was wir tun, ist, als ersten Schritt die Drums aufzunehmen, weil meine Drums alle programmiert sind. Dann können wir weitergehen und mit Gitarren, Bass, Gesang, Elektronik weitermachen. Die Songs entwickeln sich während des gesamten Prozesses ständig weiter; wir finden die Inspiration auch durch Experimente. Aber ich stimme zu – es kann an einem bestimmten Punkt sehr schwierig sein, Abstand von der eigenen Arbeit zu gewinnen, wenn man 24/7 mit dem Kopf drinsteckt. Deshalb haben wir das Mastering in einem anderen Studio gemacht.

© JenniferBrachet

Warum war es euch trotzdem wichtig, das Album fürs Mastering aus der Hand zu geben? Viele Engineers machen heute gar kein separates Master mehr, sondern erledigen das zusammen mit dem Mix …
Wir brauchten dafür frische Ohren! (lacht) Deshalb haben wir viele Mastering-Engineers ausprobiert – und auch jemanden, der seine eigene Marke, seine eigene Farbe einbringen kann.

CROWN war keine sehr aktive Live-Band – ändert sich das mit YOUR INLAND EMPIRE? Habt ihr Pläne, diese Musik auf die Bühne zu bringen?
Wir planen definitiv, so viel wie möglich zu touren. Das CROWN-Album kam während Covid raus und zwei Touren sind dem zum Opfer gefallen, daher war es nicht leicht, das dort umzusetzen.

Falls ja, werdet ihr auch CROWN-Material spielen, oder konzentriert ihr euch ausschließlich auf das neue Material?
Nein, wir konzentrieren uns ausschließlich auf unser neues Material.

Lass uns das Interview mit einer kurzen Brainstorming-Runde beenden. Was ist das Erste, das dir in den Sinn kommt, wenn du die folgenden Begriffe hörst?
Black Metal: IMMORTAL
Diesel Denim Division: MINISTRY!
Depeche Mode: „Stripped“
Klimawandel: Er ist definitiv da!
YOUR INLAND EMPIRE in zehn Jahren: rockt immer noch und hoffentlich am Leben! (lacht)

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Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
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