Interview mit Axel One von Berlin Metal TV

Die YouTube-Szene im Metal-Bereich wächst stetig und bringt immer wieder neue Kanäle hervor. Den Personen dahinter und ihrer Arbeit möchten wir in unserer Interviewreihe etwas mehr Aufmerksamkeit schenken und Hintergründe erfahren. Axel One von BERLIN METAL TV berichtet im Interview mit uns, warum die Menschen heutzutage richtig tapfere Schneiderlein sind, wie die Metal-Szene stetig wachsen könnte und wieso Kunst uns alle angeht.

Stell bitte dich und dein Format kurz unseren Lesern vor, die dich eventuell noch nicht kennen.
Ich bin Axel One, Moderator von BERLIN METAL TV – dem einzigen, dümmsten und gleichzeitig klügsten Metal-TV-Sender im deutschen Internetz! Das ist der Claim seit 2010. Seitdem haben unser Vorhaben leider viele auf niederste Art und Weise abgekupfert. Trotzdem ändert sich der Claim nicht. POW! Ansonsten mach ich so ein bisschen Musik. Bei Turbobier, We Butter The Bread With Butter und mir, Axel One.

Was waren deine Beweggründe Videos für YouTube zu drehen? Welche Leute möchtest du damit erreichen?
Die Beweggründe waren 2010 tatsächlich, dass wir einen Server hatten, auf dem wir live streamen konnten. Das war dieser Zeit noch nicht so üblich. Also nahmen der Hassmeister Krause und ich es damals in die Hand, live im Internet und YouTube direkt aus dem ORWOhaus (ein riesengroßer Proberaumkomplex) über die Berliner Metal- und Musikszene zu berichten. Wir saßen ja an der Quelle. Da uns auch Metal im Allgemeinen interessiert hat, haben wir auch darüber angefangen zu berichten. Unser Zielpublikum war kein Zielpublikum, sondern wir waren froh, wenn uns jemand zugesehen hat. (lacht)

Wie ist der Name für deinen Kanal entstanden?
Berlin (da wo wir wohnen), Metal (was wir machen), TV (was es sein sollte). Think glocal. Berlin hat nicht zwangsläufig damit zu tun, dass wir nur über Berlin berichten. Da kommen wir halt her, sogar gebürtig. Metal TV alleine wäre etwas protzig gewesen. Wayne’s World gab es schon. Axel’s World klang zu sexy.

Welche Vor- und Nachteile siehst du bei YouTube im Vergleich zu einem (Online-) Magazin?
Mittlerweile sehe ich nur Vorteile für YouTuber und Podcaster, da der Trend zum Zuhören geht. Beim Autofahren, Joggen, Bahnfahren, Baden. Viele Menschen sind zu faul zum Lesen, also lassen sich mittlerweile noch mehr Menschen von anderen berieseln, weil sie dann ja auch zwei Sachen gleichzeitig schaffen. Oder drei! Bier trinken, abwaschen und den neuesten Metaltratsch hören. Prima. Richtig tapfere Schneiderlein hier, die Menschen heutzutage.

Wie schnell vergrößert sich denn die Reichweite? Wie viel Potenzial siehst du für die Metal-Szene?
Das kann ich schwer einschätzen. Aber vor vier bis fünf Jahren gab es nicht so viele Metaller auf YouTube. Mittlerweile sind es echt viel mehr geworden. Ich denke das Potenzial dafür weiter zu wachsen ist da. Also die Metalszene ist ja eh schon immer da. Und wenn mehr Leute anfangen Metal zu hören und weniger Metaller anfangen zu sterben, dann wächst die Szene durchweg immer. Das ist meine Meinung.

Die YouTuber-Szene ist heutzutage sehr schnelllebig. Was muss man deiner Meinung nach tun, um weiterhin interessant zu bleiben?
Jeder sollte einfach ein bisschen locker und sexy bleiben, sich keine Krone aufsetzen und produzieren worauf man Bock hat. Nicht, weil Algorythmen einem vorgeben, das zu tun.

Welche Grenzen bringt das Format für dich mit sich?
Das Format bringt für mich keine Grenzen per se mit. Ich mache nur das, was sich für mich nicht nach Arbeit, sondern Spaß anfühlt.

Welches Equipment nutzt du für deine Videos, wieviel Geld hast du bereits investiert?
Das kann ich dir alles gar nicht so genau aufzählen. Aber drei bis vier Kameras sind schon dabei. Denke allerdings, dass das allermeiste Geld für Bier draufgegangen ist.

Wie lange dauert es bis ein Video bereit zum Upload ist? Übernimmst du alles vom Schneiden, Bearbeiten und so weiter welbst?
Nein, schneiden und bearbeiten kann ich gar nicht. Dann würde BMTV aussehen wie ein Kindergarten. Ich kann nur quatschen und konzipieren. Und trinken. Vorrangig kann ich eigentlich sehr gut trinken.

Wirft das Ganze für dich auch Geld ab?
Ich habe noch nie Geld vong YouTube her bekommen und arbeite schon immer als was anderes.

Gerade bei YouTube gibt es viel Hate Speech. Warst du davon schon betroffen?
Ja, als ich mal einem sachsen-anhaltinischen Redner in einem Video gesagt habe, was ich über sein Gesagtes denke, kamen echt hunderte Hate-Kommentare und -Mails. Auf der anderen Seite, und die ist ja meistens verschwindend gering, haben mir einige namhafte Bands und Künstler Props gegeben. Das war prima. Seitdem ich 2013 mein erstes Metalcover rausgebracht habe, kann mich Hate nicht mehr wirklich treffen. Damals wollten YouTube-User, dass mein Familie brennt und so weiter und so fort. Das fand ich damals so schlimm, dass es mich heute umso mehr motiviert.

Und wie ist das Verhältnis unter euch YouTubern? Gibt es freundschaftliche Verbindungen, kollegialen Respekt oder vielleicht sogar „Beef“?
Beef gibt es beim Metzger. Ich hege und pflege sehr guten Kontakt zu Ernie Fleetenkieker, dem Goreminister und Darksiffler. Wer sich mit mir streiten will, kann sich gerne drei Stunden in den Gästeblock bei Union stellen. Da bin ich für kurze Zeit mal gegen wen. Ansonsten ist mir erst mal jeder Mensch ein Homie. Wir sollten alle mal etwas sexy bleiben und durch die Hose atmen.

Wirst du auf der Straße mittlerweile erkannt? Hat dich schon jemand um ein Autogramm gebeten?
Seitdem ich einen Tarnmantel habe, passiert mir das nicht mehr.

Nach über einem Jahr Pause wurde vor einiger Zeit dein Kanal wieder reaktiviert. Wie kam es zu dieser Unterbrechung? Was hat dich dazu bewogen wieder Videos zu veröffentlichen?
Das ist wie wenn Bands Alben machen. Es muss sich einfach richtig anfühlen. Es gibt Ups und Downs im Leben. Und Metal TV wirkte für mich etwas ausgebrannt. Andererseits kam es ganz gelegen, weil ich viel auf Tour war und die Zeit in Berlin auch mal für mich nutzen und nicht an neuen Konzepten arbeiten wollte.

Mit Bloodsucking Zombies From Outer Space und Emil Bulls oder dem Fußballer Christopher Trimmel waren bereits mehrere Leute zu Gast bei deinem Kneipentalk. Findest du die Leute sind mit Alkohol redseliger oder was war die Idee dahinter?
Nein, hinter dem Kneipentalk steckt eigentlich lediglich die Idee, dass ich mit für mich interessanten Künstlern an einem neutralen Ort über alles reden kann. Und das macht man am Besten in der Kneipe, oder? Auf Tour oder an Promotagen ist immer alles so gezwungen, über die neue Platte oder pipapo. Ich mag aber noch mehr über den Menschen wissen, weißte?

Auf deinem Kanal konnte ich auch ältere Videos mit Killerpilze oder Tokio Hotel finden. Würdest du diese Bands heute nochmal treffen oder bereust du es mittlerweile?
Na auf jeden Fall! Ich hab keine Ahnung, warum gerade nach diesen Videos beide Bands weiterhin so verpöhnt sind. Zu früh mit Musik etwas erreicht? Dann mal auf sie mit Gebrüll. Wie Greta oder was? Für mich ist jeder erst mal Mensch und dann Künstler. Kunst geht uns alle was an. Ich verlange ja von niemandem, dass er Tokio Hotel hören muss. Aber es waren echt entspannte und nette Bands. Wir wurden weder rausgeworfen, noch waren sich die Homies zu blöd für das Quiz. Von daher – sexy Sache. Gerne nochmal.

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Alf Ator von Knorkator stellte sich letztens eurem gesungenen Interview. Können wir von diesem Format in Zukunft noch mehr erwarten?
Ich arbeite dran, Bruder! Vielleicht sehen wir ja auch bald den Hassmeister wieder öfter.

Ok, dann danke ich dir an dieser Stelle für das Interview. Wenn du nichts dagegen hast, würde ich es an dieser Stelle gern mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden:
Johnny Depps beste Rolle: Müsste ich googlen.
Bockwurst-Sadomaso: Robse
Der schönste Ort in Berlin: Köpenick
Hair Metal: Männer stehen zu ihren Bodies.
CD oder Vinyl: Beides! Und Tape, aber auch iTunes.
Mittelalter: Gouda

Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Auch Wasser ist ein schöner Tropfen, mischt man ihn mit Malz und Hopfen!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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