Interview mit Arnt „Obsidian Claw“ Grønbech von Khonsu

Mit seinem Debüt-Album „Anomalia“ wusste der Norweger Steffen Grønbech, Kopf hinter dem Projekt KHONSU, auf Anhieb zu begeistern. Dass das Interview an seiner statt Arnt „Obsidian Claw“ Grønbech, Gitarrist und Bandleader von Keep Of Kalessin beantwortet, überrascht nur kurz – ist dieser doch nicht nur Manager und Live-Gitarrist, sondern zudem Steffens Bruder. Und auch, wenn er selbst an der Entstehung der Platte nicht beteiligt war, stellt er sich durchaus als der passende Ansprechpartner heraus, wenn es darum geht, die Hintergründe des Albums auszuleuchten. Doch lest selbst…


Hallo und danke, dass du dir die Zeit nimmst, dieses Interview zu beantworten. Wie geht’s?
Hallo, Arnt „Obsidian C.“ von Keep Of Kalessin hier. Steffen Gronbech, mein Bruder und Bandkopf von KHONSU, will kein mediales Aufsehen um seine Person, also haben wir uns darauf geeinigt, dass ich als Manager und Livegitarrist von KHONSU die Interviews beantworte. Steffen ist von dieser ganzen Promo-Geschichte nicht so begeistert, er lässt da lieber die Musik sprechen…

Ok, auch kein Problem! Gratulation trotzdem zu eurem Album, „Anomalia“ – gefällt mir wirklich gut, die CD. Ich nehme an, ihr habt schon die ersten Presse-Reaktionen erhalten… wie fallen diese bislang so aus, seid ihr zufrieden?
Danke! Ich weiß, dass Steffen selbst sehr zufrieden mit dem Resultat ist… und auch ich halte das Album für wirklich gelungen. Die Presse-Reaktion war bislang auch sehr, sehr positiv – größtenteils waren es wirklich Reviews mit Top-Noten. Ich habe den Eindruck, dass viele Leute KHONSU als frischen Wind in der Metal-Welt – dass  sie einzigartig und anders sind. Das Album ist sehr vielfältig, und ich denke, dass kreative Leute, die offen sind für neues, das sehr begrüßen.


Wenn du „Anomalia“ in einem Satz beschreiben solltest… was würdest du sagen?

Ich würde sagen, dass es sich um ein sehr kreatives, vielfältiges, düsteres und atmosphärisches Album handelt. Ich denke, dem würde mein Bruder auch zustimmen…

 Die Band war ursprünglich als Merah gegründet worden, der Name wurde erst nachträglich in KHONSU geändert. Warum der Namenswechsel und warum ausgerechnet KHONSU als neuer Name?
Es stimmt, die Band hieß ursprünglich Merah, aber kurz, bevor wir bei Season Of Mist unterschrieben, gab es in Frankreich diese tragische Schießerei mit dem Terroristen Mohammed Merah. Wir waren dann der Meinung, dass es unangemessen wäre, die Band unter dem Namen Merah rauszubringen, vor allem, weil Season Of Mist ja ein französisches Label ist. Wir finden KHONSU aber auch alle besser… es ist der Name des falkenköpfigen Mondgottes in der egyptischen Mythologie. Der Name bedeutet „Reisender“, oder präziser „der, der über den Nachthimmel reist”. Wir finden, dass das ein sehr passender Name für die Musik ist, nicht zuletzt, weil das Album auch Sci-Fi-Thenem behandelt.


Das Cover schaut ja auch recht modern aus, und tatsächlich etwas Science-Fiction-mäßig. Wer ist für das schöne Bild verantwortlich, und wie steht das Bild mit den Texten in Bezug?

Ja, genau, es hat ein bisschen Science-Fiction-Atmosphäre, und genau danach hatte Steffen gesucht. Alle Bilder, das Cover wie die im Booklet, sind von Adrien Bousson aus der Grafikabteilung von Season Of Mist. Er hat da einen wirklich großartigen Job gemacht, und auch Steffen ist mit dem Resultat mehr als zufrieden. Es passt auch perfekt zur Musik. Steffen hat Adrien die Themen, um die es in den Songs geht, erklärt, und ein Paar Ideen eingebracht, wie er sich die Visualisierung vorstellt. Adrien hat auch das Musikvideo zu „The Malady“ gesehen und hat einige Thematiken und Ideen aus dem Video verwendet. Die Musik ist düster, unheimlich und mit einem Hauch Sci-Fi-Atmosphäre – und Steffen wollte genau das auch beim Cover ausgedrückt wissen.

Worum geht es in den Texten auf „Anomalia“ den konkret, und wie wichtig sind sie für das Gesamtprodukt KHONSU?
Die Texte handeln davon, sich entfremdet zu fühlen, isoliert, abgegrenzt, ängstlich, wütend, hasserfüllt, verachtungsvoll, verstöhrt und dergleichen mehr. Es geht auch darum, zu realisieren, dass die Welt, Realität und das Universum nicht ist, was man sich einredet, sondern dass die Wahrheit tatsächlich so verstörend und beängstigend wäre, dass, sich darüber im Klaren zu sein, jeden verrückt machen würde. Die Texte sind von verschiedenen Horrorschriftstellern beeinflusst, vor allem natürlich H.P. Lovecraft, der sich ja im Genre „Cosmic Horror Of The Unknown“ ausgetobt hat. Zwei der Texte hat Torstein Parelius von den Death Metallern Chton geschrieben, der Rest ist von Steffen. Steffen arbeitet zudem als Psychologe in einer Klinik und arbeitet deshalb oft mit wirklich verwirrten Individuen zusammen… ich denke mal, dass auch das ihn inspiriert.


Musikalisch würde ich das Album als Mischung aus Arcturus, den progressiven Elementen von Enslaved, ICS Vortex‘ Solo-Debüt und Keep Of Kalessin beschreiben. Würdest du das so unterschreiben?

Ja, sicher, das ist kein schlechter Vergleich. Ich finde es immer schwierig, irgendeine andere Band mit KHONSU zu vergleichen, und genau darin liegt eine der Stärken der Band, aber eine Kombination aus den Bands, die du eben genannt hast, kommt der Sache schon recht nahe. Aber aus meiner Sicht gibt es natürlich gerade zwischen KHONSU und Keep Of Kalessin große Unterschiede, was die Atmosphäre und die Melodieführung angeht…. KHONSU ist da auch düsterer und mysteriöser.

Trotzdem finde ich gerade die musikalischen Parallelen zu Keep Of Kalessin sehr interessant. Natürlich, es steht der gleiche Mann hinter dem Mikrophon, was schon eine Menge ausmacht, aber ich finde, dass es auf dem Album auch Riffs gibt, die genauso bei KOK hätten Verwendung finden können. Warst du in das Songwriting involviert, oder ist das einfach der dem Familienclan der Grønbechs eigene Stil, Riffs zu schreiben?
Ich war in das Songwriting garnicht involviert. Steffen lebt in einer anderen Stadt, er hat dort alles alleine und selbst gemacht, von der Komposition angefangen, über das Arrangement und die Aufnahmen bis hin zur Produktion. Er ist ein echtes Multitalent, was das angeht… Aber ich weiß, dass wir ein paar Gemeinsamkeiten haben, beispielsweise in der Spielweise der Gitarre, und auch, was unsere Ansichten beim Arrangement angeht: Wir sind beide sehr darum bemüht, jedem Song eine gewisse „innere Geschlossenheit“ zu verleihen.

 


Warum habt ihr euch ausgerechnet für Keep Of Kalessin-Sänger Thebon als Sänger für KHONSU entschieden? Hattet ihr keine Bedenken, dass der gleiche Mann am Mikrophon die Bands zu ähnlich machen könnte?

Wie gesagt, ich denke nicht, dass Keep Of Kalessin und KHONSU sehr viel gemeinsam haben. Ich weiß auch, dass Steffen mir da zustimmen würde. Insofern haben wir da keine echte Gefahr gesehen, dass es zu ähnlich klingen könnte. Steffen hat sich für Thebon entschieden, weil sie sich gut kennen, und weil Thebon sehr vielseitig mit seiner Stimme umzugehen weiß. Steffen hatte genau nach einer solchen Vielseitigkeit, nicht nur in der Musik, sondern auch in der Stimme gesucht. Thebon hat eine sehr gute Klargesangs-Stimme, auch ein Punkt, der Steffen wichtig war.

 Wenn ich richtig informiert bin, war Steffens letzter Release die „Reclaim“-EP, die ihr zusammen als Keep Of Kalessin gemacht habt – was hat er in der Zwischenzeit gemacht, beziehungsweise warum hat es so lange gedauert, bis das erste eigene Album erschien?
Ja, stimmt, „Reclaim“ haben Steffen und ich zusammen geschrieben. Wir hatten an Material für ein anderes, gemeinsames Projekt gearbeitet, aber dazu ist es dann nie gekommen. Er hat sich dann auf sein Studium konzentriert, während mein Fokus auf KOK lag, deshalb kam es mit diesem Projekt nie zu einem Release. Ich habe von ihm aber die Erlaubnis bekommen, einige der Tracks und Riffs, die wir zusammen geschrieben hatten, für „Reclaim“ zu nutzen, und so erschien das Ganze dann unter dem Label Keep Of Kalessin. Steffen hat acht Jahre lang Psychologie studiert, mit Spezialisierung auf klinische Psychologie – also die Behandlung von psycholigischen Störungen. Er hatte also einfach keine Zeit, sich auf die Musik zu fokussieren und diesbezüglich strukturiert zu arbeiten, deshalb hat es wohl so lange gedauert.


Nichts desto trotz ist KHONSU ja kein reines Studio-Projekt, sondern auch eine Liveband – auf dem Inferno-Festival in Oslo seid ihr ja bereits aufgetreten. Wie schwierig ist es, diese Songs live zu spielen, ohne, dass dabei die Atmosphäre verloren geht? Würdest du sagen, KHONSU live unterscheidet sich deutlich von KHONSU auf CD? Typische „Livemusik“ ist euer Album ja nicht, finde ich…

Ich glaube tatsächlich, dass Steffen die Musik bei KHONSU im Hinblick auf Live-Performances geschrieben hat. Aber nicht für kleine Clubs, sondern eher für größere Locations. Er hat sich eine Menge Visualisierungs-Kram zur Musik ausgedacht, insofern ist es definitiv sein Ziel, KHONSU-Shows zu einer großen Live-Performance zu machen. Er will nicht, dass KHONSU eine Band ist, die gradeaus ihre Songs runterspielt, sondern will die Shows für das Publikum auch zu einer schauspielerischen Erfahrung machen. Das ist der Grund, warum wir beispielsweise Masken tragen und der gleichen…
Die Musik tritt live wirklich Arsch, wenn sie im richtigen Setting dargeboten wird, was Bühne, Location etc. angeht. Wie du auch schon angemerkt hast, ist die Atmosphäre bei KHONSU das Ein-Und-Alles, und es ist sehr wichtig, diese Atmosphäre live ebenso aufzubauen. Aber ich halte das durchaus für machbar: KHONSU live wird wirklich extrem cool, das verspreche ich euch! Wir werden auch extra jemanden dabei haben, der auf der Bühne Samples und Synthesizer bedient. Insofern, behaltet KHONSU im Auge und schaut uns 2013 live an! Ich weiß auch, dass Steffen schon an neuen Songs schreibt, die wirklich cool werden… die werden wir dann im nächsten Jahr natürlich auch live spielen.


Was können wir uns von KHONSU in näherer Zukunft also noch alles erwarten? Sind bereits Einzelshows oder vielleicht auch eine kleine Tour durch Deutschland geplant?

Nein, bislang sind weder Einzelshows gebucht, noch ist eine Tour geplant. Ich glaube auch nicht, dass KHONSU auf Tour gehen werden, aber wir hoffen natürlich, dass wir nächstes Jahr ein paar Festivals spielen können.

Ok, dann danke für deine Zeit und die ausführlichen Antworten, und beste Grüße an deinen Bruder! Wenn du den Lesern noch etwas mitteilen möchtst, kannst du das jetzt tun:
Ich habe zu danken! Ich hoffe, die Leser finden Gefallen an der dunklen Welt von KHONSU. Und ich hoffe, man sieht sich dann nächstes Jahr bei unseren Shows!

Ok, an dieser Stelle würde ich das Interview gerne mit dem traditionellen Metal1.info-Brainstorming beenden. Was fällt dir ein, wenn du folgende Begriffe liest:
Festivals:
Leute, Musik und Alkohol
Religion: Nicht mein Ding
Facebook: Globalisierung
Deutschland: Großartige Festivals und großartige Metal-Fans!
metal1.info: Natürlich ein großartiges Magazin!
Obama: Sympathischer als Bush.

Danke für das Interview!

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