Interview mit Patrick Mameli von Pestilence

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Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 15 der Serie unterhalten wir uns mit Patrick Mameli, Gitarrist von PESTILENCE.

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Ich habe mit vier Jahren angefangen, Gitarre zu spielen.

Was hat dich damals dazu gebracht, Gitarre lernen zu wollen?
Ich habe von meinen Eltern eine Gitarre geschenkt bekommen, da hatte ich mit vier Jahren keine andere Wahl. Später habe ich beschlossen, dass es mir Spaß macht, Gitarre zu spielen.

Hast du schon einmal ein anderes Instrument erlernt (oder erlernen müssen)?
Im Alter von vier Jahren war das einzige, womit ich spielte, wahrscheinlich meine eigene Flöte.

Erinnerst du dich, welches Modell deine erste Gitarre war?
Ich glaube, es war ein Fender-Strat-Nachbau. Später hatte ich eine Gibson Les Paul, aber ich habe mittlerweile wirklich auf allen möglichen Marken gespielt, BC Rich und Ibanez, um nur einige zu nennen. Jetzt spiele ich nur noch Custom-Gitarren, weil mir meine Steinberger zu wertvoll ist, um sie mitzuführen.

Wie viele Gitarren besitzt du?
Etwa fünf oder sechs. Ich besitze auch einen Vintage-Gitarrensynth, den Yamaha G10.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für unterschiedliche Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Ja, ganz klar. Meine Live-Gitarre ist eine Custom-Gitarre des polnischen Gitarrenbauers Druzkovski. Für Aufnahmen verwende ich meine Steinberger und was immer ich für einen besonderen Klang benötige.

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
Headless und mit geradem Hals. Ich brauche eine Saitenlage von einem Millimeter. Und gutes Korpus-Holz.

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
In letzter Zeit habe ich mich mehr für Synthesizer interessiert, daher komponiere ich in letzter Zeit viel elektronische Musik. Klavier und Synthesizer zu spielen macht mich auf jeden Fall zu einem besseren Musiker.

Hast du an deinen Gitarren spezielle Modifikationen vorgenommen oder handelt es sich sowieso um Custom-Modelle? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
Ich möchte, dass meine Gitarren immer die gleichen Modifikationen haben, die ich schon vorhin erwähnt habe. Zum Beispiel ist mein Tremolo immer vom selben Hersteller, Headless USA. Ich liebe eine Kombination aus mehreren Hölzern, aus denen ein Korpus gefertigt wird. Ein Neck-through-Body mit einem Hals aus Ahorn und Mahagoniverleimungen. Für Stabilität und guten Klang sollten die Korpusflügel aus Mahagoni oder Erle sein: Mahagoni erzeugt mehr Bass, Erle hingegen mehr Mitten.

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Nein, ich habe bereits meine Traumgitarre.

Welche Plektren spielst du und warum genau diese?
Custom Dunlop-artige Plektren, 0,75 mm oder dünner. Ich spiele die runde Seite.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Auf der Bühne schwöre ich auf meinen Kemper, der jeden anderen Verstärker überflüssig macht. Ich brauche nur eine Endstufe, um meinen Sound zu verstärken.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Alle Effekte, die ich brauche, habe ich im Pedalboard des Kemper.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Immer Distortion, Effekt, Noise-Gate.

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Verzerrung. Aber mein Sound entsteht eigentlich durch die Art und Weise, wie ich spiele.

Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt als eigentlich vorgesehen oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
Das Volumenpedal für Swells.

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Für meine Musik ist ein Noise-Gate ganz klar ein Muss, für plötzliche Stopps und/oder Anschläge. Für das Solospiel wird das Noise-Gate ausgeschaltet.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Ich habe zehn Sets der gleichen Einstellungen und Effekte. Wenn ich live Mist baue, gehe ich einfach zum nächsten Set.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Üben, üben und üben. Nutzt ein Metronom und erhöht das Tempo langsam. Schaut euch YouTube-Videos an, wie man das Plektrum hält! Lernt eure Tonleitern und Tonarten. Viel Erfolg!


Im nächsten Teil der Serie kommt Rafael Salzmann (ELUVEITIE) zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

Geschrieben am

Fotos von: Afra Gethöffer-Grütz

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