
Bisweilen sind Überschneidungen mehrerer Shows ähnlicher Stilrichtung am gleichen Abend in der gleichen Stadt nicht vermeidbar. Dass mit dem Auftakt der „Black Death Over Europe Tour“ von PESTILENCE (mit CARNATION under BODYFARM) in der Halle sowie dem der „Riders Of The Aftermath Tour“ von ANGELUS APATHRIDA (mit BATTLECREEK) im Club zwei Metal-Touren am gleichen Tag im Backstage München starten, ist dann aber doch Pech für alle Beteiligten.
Da der Vorverkauf für beide Shows mehr schlecht als recht schlecht zu laufen scheint, werden Kombitickets angeboten. An sich keine schlechte Idee – Sinn ergibt das aber natürlich nur, wenn die Zeitpläne beider Konzerte entsprechend aufeinander abgestimmt werden. Da hakt es allerdings schon beim Einlass: Hätte der Club um 18:30 Uhr, die Halle um 19:00 Uhr öffnen sollen, öffnen die Türen beide Venues doch erst um kurz nach 19:00 Uhr. Wer nur Tickets zur PESTILENCE-Tour hat, muss bis 19:50 Uhr warten, ehe es mit BODYFARM losgeht – ob es sich wirklich lohnt, in den Umbaupausen zwischen den Hallen zu wechseln, ist zumindest fraglich: Die Headliner zumindest spielen mehr oder minder zeitgleich. In der mit vielleicht 150 Fans sehr locker besetzten Halle starten die Niederländer mit viel Energie in ihr Set – so richtig will der Funke aber nicht aufs Publikum überspringen: Die Fans reagieren wohlwollend gleichgültig auf die Darbietung. Aber wenn man ehrlich ist, verliert der zunächst groovige, auf Dauer aber doch recht eintönige Death Metal der Truppe noch vor Ende ihres 45-Minuten-Sets merklich an Reiz.
- Manhunt
- Soul Damnation
- Storming Revolution
- Pervertin
- The Coming Scourge
- Retaliate
- Torment
- The Swamp
- Dreadlord
- Dark Age
Um kurz nach 21:00 Uhr geht es mit CARNATION weiter. Bereits die nerdigen Instrumente (grelle Farben und „Fanned Frets“) der Saitenfraktion lassen erahnen, dass hier Technik über Groove, Melodik oder Atmosphäre stehen dürfte. Tatsächlich jagen CARNATION von Solo zu Solo. Unklar bleibt indessen, welche Emotionen die Band damit bei der Zuhörerschaft wecken möchte – zumal die Musiker selbst einzig Begeisterung für ihre eigenen Fertigkeiten zeigen. Exemplarisch dafür ist der Titeltrack des aktuellen Albums, der auch noch durch einen lieblos heruntergespielten Cleangitarren-Part und Klargesang irritiert. Dass Fronter Simon Duson zu allem Überfluss mit „Corpsepaint“ der Marke Powerwolf auftritt, aber dennoch in etwa die Aura eines stellvertretenden Kreissparkassenfilialleiters hat, erklärt, warum sich die Publikumsreaktionen auch hier – von einigen eifrig nickenden Fans abgesehen, die offensichtlich wegen CARNATION gekommen sind – arg in Grenzen halten. Im Großen und Ganzen ist am Ende wohl kaum jemand enttäuscht, dass die Belgier schlussendlich nicht einmal die 40 Minuten Stagetime voll machen.
- Herald Of Demise
- Iron Discipline
- Sepulcher Of Alteration
- Maruta
- Cycle Of Suffering
- Cursed Mortality
- Metropolis
- Necromancer
Dass Patrick Mameli ein schräger Typ ist, ist nichts Neues – trotzdem irritiert der Anblick, den der PESTILENCE-Fronter bietet: In grellbuntem PESTILENCE-Shirt und Jogginghose sieht der (zumindest von der Hüfte aufwärts) durchtrainierte Niederländer aus wie geradewegs von der Ruderbank auf die Bühne gezerrt. Seinem Gesichtsausdruck nach wäre er dort auch lieber geblieben – oder zumindest gelingt ihm gut, etwaige Freude über die erste Show der Tour zu verbergen. Ganz anders Leadgiarrist Rutger van Noordenburg: Headbangend, posend und über beide Ohren grinsend verbildlicht er viel eher, was man gemeinhin mit Death-Metal-Shows verbindet.
Technisch hingegen präsentieren sich PESTILENCE wie eine Einheit: Messerscharf tönt das unverkennbare Riffing aus der PA, untermauert von einem wichtigen Fundament aus Schlagzeug und sechssaitigem Bass. Dass im Publikum nur etwas energischer mitgenickt und gejubelt wird als bisher überrascht, denn auch die Songauswahl lässt eigentlich wenig Wünsche offen: Bei vier Songs von „Testimony Of The Ancients“ (1991) und drei von „Consuming Impulse“ (1998) kommen Oldschool-Fans voll auf ihre Kosten. Selbiges gilt aber auch für Fans der Post-Reunion-Alben ab „Resurrection Macabre“ (2009) bis zum aktuellen Album „Exitivm“ (2021), denen die andere Hälfte des Sets entnommen ist.
- Morbvs Propagationem
- The Process Of Suffocation
- The Secrecies Of Horror
- Deificvs
- Mortifervm
- Prophetic Revelations
- Sinister
- Devouring Frenzy
- Twisted Truth
- Necro Morph
- Dehydrated
- Land Of Tears
- Horror Detox
- Out Of The Body
In gute 65 Minuten beschränken sich PESTILENCE auf das Wesentliche: die Musik. Die Ansagen hält Bandkopf Patrick Mameli ebenso knapp wie die Interaktion mit dem Publikum im Generellen – vielleicht rührt die eher mittelmäßige Stimmung in der zwar nicht gerade vollen, aber doch ansehnlich gefüllten Halle auch daher. Musikalisch nämlich liefern PESTILENCE genau das, was man von den Niederländern erwartet. Das ist aber auch bitter nötig – denn wenn man ehrlich ist, bleiben BODYFARM und vor allem CARNATION heute deutlich hinter den Erwartungen zurück.


