Interview mit Jørgen Munkeby von Shining (Nor)

Mit „Blackjazz“ haben die Norweger Shining ihr bisheriges Meisterstück vorgelegt und erhalten nun, mit ihrem mittlerweile fünften Album endlich weltweit die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben.Welchen Arbeitsaufwand Jørgen Munkeby und seine Mitstreiter auf sich genommen haben, damit „Blackjazz“ klingt wie es klingt und wie es ist, mit Ihsahn zusammenzuarbeiten, erzählt uns der so gesprächige wie sympathische Bandkopf Interview.

Ihr habt schon eine menge Pressereaktionen auf „Blackjazz“ erhalten, sogar die „New York Times” hat euer Album rezensiert. Wie fühlt es sich das für einen Extreme-(Metal)-Musiker an, und wie sind die Pressereaktionen sonst so ausgefallen?
Die Pressereaktionen waren überwältigend! Vor allem in den USA: Schon bevor die New York Times über das Album geschrieben hat, hat uns ein anderes etabliertes Blatt namens Time Out New York als ”Stars of 2010” betitelt, und das schon zwei Wochen vor dem Release von ”Blackjazz”. All die anderen wichtigen Presseinstitutionen stimmten damit überein und schrieben beeindruckende Reviews zu dem Album, unter anderem eben die New York Times, der Metal Hammer und viele andere. Ausserdem haben wir ein zweiseitiges Feature in der Februarausgabe des Terrorizer UK bekommen – und es kommt immer mehr dazu. Zitate wie „All hail Shining, the kings of new-school Prog Rock.“(-411 Mania) oder „One of the most assaultive, addictive albums around“ (-Allmusic.com) geben einem wirklich das Gefühl, dass das Album es wert war, ein ganzes Jahr exklusiv darauf zu verwenden und in dieser Zeit nichts anderes zu tun, als an dem Album zu arbeiten!
Das Album war bei unserem europäischen Label nach nur drei Tagen ausverkauft und stand nach nur einer Woche auf Platz neun der offiziellen Norwegischen Bestseller-Liste aller Alben. Seitdem ordert unser Label ständig neue Pressungen der CD, um der enormen Nachfrage entgegenzukommen und wir sind derzeit die vierte Woche in Folge in den Top40 der Norwegischen Charts. Zudem haben wir soeben unsere erste Release-Tour durch Norwegen beendet, bei der sämtliche Locations ausverkauft waren.
Alles in allem muss ich sagen, bin ich extrem glücklich über die Reaktionen seitens der Fans und der Presse.
Jetzt freuen wir uns vor allem auf die Europa-Tour im März/April. Es wird sicher geil, wieder dort spielen zu können und dem Europäischen Publikum das neue Material präsentieren zu können! Hoffen wir, dass es genauso gut läuft wie die Tour durch Norwegen!

Eine CD zu veröffentlichen ist ja immer Ende und Anfang zugleich, beendet der Release ja auf der einen Seite eine lange Zeit, gefüllt mit viel harter Arbeit, zugleich beginnt aber auch das „Danach“ und somit etwas neues, spannendes… was verbindest du persönlich mit “Blackjazz”?
Für mich ist “Blackjazz” das beste Album, das ich bisher gemacht habe. Ich bin extrem stolz auf das Werk und ich bin sehr glücklich, dass es in dem Maße Aufmerksamkeit erhält, wie es derzeit der Fall ist. Das Album zu erschaffen hat fast anderthalb Jahre in Anspruch genommen, in denen es eigentlich das einzige war, was ich gemacht habe.
Ich bin auch zimlich stolz auf die Tatsache, dass wir es geschafft haben, Black Metal und Free Jazz auf diese modern klingende Art und Weise zu verbinden, und auch, dass es geklappt hat, zu reflektieren, was wir in diesem Prozess getan haben, so dass wir dafür einen Titel gefunden haben, der der Welt so simpel wie treffend erklärt, was wir tun.
Für mich persönlich war “Blackjazz” zudem ein Weg, mit zwei der schlimmsten Jahre meines Lebens umzugehen. In dieser Zeit sind in meinem Leben eine Menge schlimmer Dinge passiert, aus denen am Ende all die Aggression und Energie auf „Blackjazz“ entsprungen ist. Es war eine gesunde und konstruktive Art, mit diesen Dingen umzugehen.

Wenn du “Blackjazz” in einem Satz beschreiben müsstest… wie würde er lauten?
“2010: Das Jahr der Verschmelzung (- Black Metal und Free Jazz vereinen sich, es entsteht Blackjazz)”

Vervollständige doch bitte folgenden Satz:
Verglichen mit “Grindstone”, “Blackjazz” ist…

… weit fokussierter und sich über seine eigene Identität mehr im klaren, überdies hinaus natürlich weitaus aggressiver!

Beschreibe uns doch bitte, wie ein SHINING-Song entsteht und wie das Album geschrieben, aufgenommen und generell entstanden ist…Das hängt ein bisschen davon ab, über welchen Song wir reden, aber die meisten der Songs auf dem Album sind wie folgt entstanden:
Ich habe oder entwickle eine Idee für den Song. Es kann sein, dass ich das Gefühl habe, dass das Album einen Song in einem bestimmten Tempo braucht, um eine Lücke zu schließen, oder es kann ein wiederholender, ein schneller, ein auf einen Dreiklang fokussierter Song oder einer mit viel Gesang sein. Dann arbeite ich im Kopf weiter und versuche, mir ein möglichst klares Bild davon zu machen, wie der Song am Ende aussehen soll.
Als nächstes schreibe ich auf, was ich bisher habe und spiele es entweder auf Instrumenten oder arbeite es auf dem Papier weiter aus. Ich lösche Teile, editiere, schreibe neue, ändere alte füge Teile anderer Songs ein, arbeite an einem Text und so weiter. Dann übe ich die anspruchsvollen Passagen an den Instrumenten (und es gibt eine Menge anspruchsvoller Parts!), und schließlich nehme ich ein Demo mit allen Instrumenten auf.
Während, vor und nach dem Aufnehmen experimentiere ich mit verschiedenen Sounds, Fuzz-Boxes, Pre-Amps, Effekten, Mikrophonen, Instrumenten, Performance-Stilen, Octaven etc.
Das Resultat höre ich mir dann für gewöhnlich jeden Tag an und nehme nach Belieben Optimierungen vor: Ich editiere Teile heraus, bilde Übergänge, re-recorde Teile etc.
Wenn die Demo dann soweit fertig ist, bekommen die anderen Bandmitglieder den Song und üben ihn zuhause. Wenn wir alle teile können, treffen wir uns und proben zusammen, um weiter an den Arrangements der ganzen Instrumente zu arbeiten, vor allem der Drums. Wenn wir bessere Lösungen als die bisherigen finden, nehmen wir sie auf und editieren das Demo. Ausserdem versuchen wir natürlich, einige der Songs live zu spielen, um sie der natürlichen Erosion der Realität zu unterwerfen, damit sie stärker und zeitloser klingen, wenn sie aufgenommen sind.
Die besten Songs klingen, als hätten sie schon immer existiert und wir hätten sie nur zufällig entdeckt.
Diese Spirale aus Edits, Proben, Feinscliff und weiteren Rerecordings durchlaufen die Songs viele, viele Monate lang, oft fast ein Jahr.
Wenn die Songs selbst wirklich gut sind, beginnt die Aufnahmeperiode: Wir gehen alle Demos durch und entscheiden, was gut genug ist, um es zu behalten und was nochmal gemacht werden sollte. Einige Songs beginnen wir dann ganz von Vorne, bei anderen behalten wir mehr oder weniger der Demo-Parts. Normalerweise bringen wir die Recording-Sessions dann in mehreren 1-2Wochen-Sessions hinter uns, mit je ein bis zwei Monaten Pause dazwischen, damit ich weitere Edits in meinem eigenen Studio anfertigen kann.
So geht das dann immer weiter, bis das Album fertig ist, wobei zwischen allen Schritten Überarbeitungen und Änderungen vollzogen werden – auf diesem Album haben wir sogar NACH dem Mastering noch etwas nachbearbeitet.

Ok, das klingt nach einer Menge Arbeit… was ist denn letzten Endes dein Lieblingssong auf “Blackjazz” und warum?
Ich denke, mein persönlicher Favorit ist der erste der beiden “The Madness And The Damage Done”-Songs. Ich mag an ihm so, dass er von Anfang bis Ende so direkt und extrem in-your-face ist. Ausserdem gefällt mir der catchy Refrainriff sehr.

Ich finde ja, dass sich das Album so zu sagen „von groovy zu nerdy” wandelt… war das deine Intention, als du die Songreihenfolge festgelegt hast?
Ich finde immer, dass es gut ist, Alben oder auch Konzerte mit etwas griffigem und extrovertiertem zu beginnen. Dann, nach einiger Zeit, kannst du zu abgefahreneren Parts übergehen und am Ende ist es meist sinnvoll, zu etwas griffigem zurückzukehren. So sind auch alle berühmten Symphonien arrangiert. Und so verhält es sich auch mit “Blackjazz”.

Das „griffige am Ende“ wäre ja dann die großartige Interpretatio des King Crimson-Klassikers “21st Century Schizoid Man”… warum hast du dich entschieden, ausgerechnet diesen Song zu covern?
Der Grund, warum dieser Song meine erste Wahl war, ist, dass wir Anfang 2007 von einer Norwegischen Radioshow gebeten wurden, in einem Programm aufzutreten und eine Band, die wir mögen, zu präsentieren sowie einen ihrer Songs zu covern. Unser Gitarrist schlug dann King Crimson vor und wir landeten bei diesem Song.
Nach der Radioshow haben wir dann angefangen, den Song in unser Live-Programm zu übernehmen und während unserer Europatour mit Enslaved 2007 übernahm dann Grutle Kjellson [Enslaved] bei den letzten drei Shows in Deutschland den Gesang. Wir fanden die Version mit ihm als Sänger alle cool und als wir dann „Blackjazz“ in Angriff nahmen, hielten wir es für eine gute Idee, es mit einer gescheiten Studioversion des Songs zu versuchen.
Als haben wir Grutle gefragt, ob er, während wir „Blackjazz“ aufnehmen, nach Oslo kommen will um eine Studioversion des Songs zu versuchen. Da wir zu dieser Zeit schon wirklich gute Freunde geworden waren, war er total begeistert von der Idee vorbeizukommen. Er hat dann die beeindruckenden Vocals zu “21st” eingesungen, zudem einige fantastische Gesangsimprovisationen für unseren Track “Omen”, und hing mit uns zwei Tage im Studio ab. Grutle ist auch ein fanatischer Fan von King Crimson und älteren Progressive-Bands wie Rush oder Van Der Graaf Generator, insofern war mir schon vorher klar, dass er von der Idee einer Studioversion begeistert wäre. Ich finde seinen Gesang auf diesen beiden Tracks einfach unglaublich gut!

Du hast grade schon ältere Progressive-Bands angesprochen – wie würdest du den Ausdruck „progressiv” definieren und welcher Song auf “Blackjazz” ist deiner Meinung nach der progressivste?
Ich denke, der Begriff “progressiv” an sich meint etwas, das sich nach vorne bewegt und sich weiterentwickeln will, als Gegensatz zu etwas, das lieber bleibt, was es ist.In der Musik steht “progressiv” in Verbindung mit einer Menge Bands aus den 60ern und 70ern, weil sie für die damalige Zeit, ganz im Sinne des Wortes, “progressiv” gedacht haben. Heutzutage ist der Ausdruck – leider, wenn du mich fragst – in dieser Zeit hängengeblieben, so dass “progressive” Musik heute für gewöhnlich sehr altmodisch und retro klingt.
In diesem Sinne habe ich das Gefühl, dass der Begriff „progressiv“ seine ursprüngliche Bedeutung verloren hat und sich in sein Gegenteil gewendet hat. Ich hoffe, das war jetzt sinnvoll…
In diesem Sinne mag “21st Century Schizoid Man” vielleicht der “progressivste” Song des Albums sein, wenn du an das Genre “Progressive Rock” denkst. Ich denke aber, dass “The Madness And The Damage Done”, “Fisheye” und “Exit Sun” der wahren Wortbedeutung nach weitaus progressiver sind.

Kommen wir mal etwas weg von der Musik als solcher: Die meisten Magazine schreiben über euch ja als „SHINING (Nor)“, da es eine Band aus Schweden gleichen Namens gibt… stört dich das, was denkst du über die anderen Shining und wieso hast du dich damals genau für diesen Namen entschieden?
Oh, ich finde es einen großen Schritt nach vorne, dass die Leute anfangen, zwischen der schwedischen und der norwegischen Band zu unterscheiden. Wenn jeder “SHINING (NOR)” geschrieben hätte, wäre es supereinfach zu erkennen, auf welche Band sie sich beziehen. Ich mag Niklas und die schwedische Band sehr und hoffe einfach, dass beide Bands weiterhin großartige und einzigartige Musik veröffentlichen werden, wie es beide Bands bereits die letzten zehn Jahre getan haben:
Beide Bands wurden vor über zehn Jahren gegründet und damals gab es das Internet nicht in der heutigen Form, so dass weder wir noch Niklas etwas von der anderen Shining-Band wussten, als wir uns für diesen Namen entschieden. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich 2006 das erste mal von der schwedischen Band gehört, zu der Zeit, als wir im Begriff waren, unser viertes Album, „Grindstone“, zu veröffentlichen.
Heute sind beide Bands groß genug geworden, weltweit so viel Gehör zu erhalten, dass es bisweilen zu Verwirrung kommt.
Aber wie gesagt, ich kenne Niklas und bin ein großer Fan von ihm und seiner Musik. Zudem weiß ich, dass wir beide einfach nur gute Musik machen wollen und uns lieber darauf konzentrieren wollen als darauf, uns über den Namen der beiden Bands zu streiten. Es gibt keine Rivalität oder soetwas zwischen den beiden Bands und ich hoffe, dass beide Bands ihren Fans einfach weiterhin gute Musik liefern. Abgesehen davon ist es ja recht leicht, sicherzustellen, dass die Presse oder Konzert-Locations zwischen den beiden Bands unterscheiden können, wenn man sie, wie du sagst, deutlich als Norweger oder Schweden kenntzeichnet.
Auch die Tatsache, dass beide SHINING jetzt beim gleichen Label unter Vertrag stehen, wird es meiner Meinung nach für die Leute einfacher machen, uns in Zukunft zu unterscheiden, weil sie daran erinnert werden, dass es zwei verschiedene Bands mit dem gleichen Namen gibt. iTunes hat grade erst eine eigene Seite für jede der beiden Shining-Bands aufgemacht, es scheint also, als würden die Leute sich langsam an die Tatsache gewöhnen, dass es zwei aktive Bands dieses Namens gibt. Im Endeffekt ist das schlimmste, was passieren kann, dass eine Person, die nach einer der beiden Bands sucht, zufällig eine andere großartige Band entdeckt – und das ist ja nur positiv und cool, sowohl für die Bands als auch für die Person, die etwas neues kennenlernt…

„Blackjazz“ scheint mir der perfekte Titel, nicht nur für die CD, sondern eigentlich generell für die Musik, die ihr macht. Welchem der beiden Bestandteile dieses Titels fühlst du dich mehr verbunden, der Jazz- oder der Metal-Szene?
In meiner Jugend war ich dem Metal ein wenig verbunden, dann, in den Teenager-Jahren mehr dem Jazz. Heute fühle ich mich keiner Szene mehr zugehörig, im Gegenteil fühle ich mich eher abgestoßen von jeder Art Szene, die zu klar definiert ist. Ich fühle mich in einem Raum mit lauter HipHopern, die die gleichen Klamotten tragen und die gleichen Handzeichen machen unwohl, aber gleichermaßen fühle ich mich in einem Raum voller Metalheads, die sich daran messen, wer das älteste Darkthrone-Shirt trägt oder wer am häufigsten die Devilhorns zeigen kann, fehl am Platz.
Ich bin eher ein Freund einer neuen Generation, in der sich die Leute nicht dafür interessieren, wie Musik genannt wird, solange sie ihnen gefällt. In dieser Generation hören die Leute einfach was sie wollen und kleiden sich wie sie wollen. Sie haben nicht das Gefühl, sich das Gesicht anmahlen zu müssen, um Black Metal hören zu dürfen, oder die ganze Zeit im Anzug herumlaufen zu müssen, um Geige spielen zu dürfen. Ich mag diese Einstellung sehr! Und es lässt mich hoffen für die Zukunft von Musik im allgemeinen.

Hörst du privat mehr Jazz oder mehr Metal? Oder konkreter: Welche Art von Metal kann einen Ausnahmemusiker wie dich noch begeistern?
Ich höre alle möglichen Arten von Musik. In den letzten fünf Jahren habe ich beispielsweise folgende Künstler und Komponisten viel gehört:
NIN, Marilyn Manson, The Dillinger Escape Plan, Meshuggah, Slipknot, Enslaved, Satyricon, Emperor, Wagner, Miles, Coltrane, Coleman, Schönberg, Ligeti, Michael Brecker, Jaga Jazzist, Fredrik Thordendahl’s Special Defects, Lightning Bolt, King Crimson, Van Der Graaf, Sean Beavan, Tim Sköld, Dream Theater, Pantera, Entombed, Slayer, Death, Olivier Messiaen und Dave Liebman, aber auch viele andere…

Um ehrlich zu sein, kenne ich ausser SHINING lediglich eine andere Band, die Extreme-Jazz mit Metal-Einschlag spielt, nämlich die Münchner Band Panzerballett. Kennst du sie?
Leider nein, aber das wird das erste sein, was ich ändere, wenn ich das nächste mal vor dem Internet sitze! Ih bin gespannt! Hoffentlich kann ich die Jungs mal irgendwann treffen…

Gibt es deiner Meinung nach denn eine „Extreme-Jazz“-Szene und gibt es andere Bands, die du Fans von SHINING empfehlen kannst?
Ich könnte mir vorstellen, dass die “Jazz Metal”-Szene in den nächsten Jahren explosionsartig wachsen wird. Es gibt eine Menge Bands, die sich auf diesem Gebiet versuchen und gerade in der jüngeren Generation sehe ich immer mehr Leute, die an dieser speziellen Kombination interessiert sind. In Norwegen haben wir Bands wie Ihsahn, Killl, Single Unit, Monolithic, She Said Destroy und natürlich Enslaved. Ich denke, dass auch Mayhem ähnliches auf „Ordo Ad Chao“ gemacht haben, auch wenn es vielleicht eher “zeitgenössisch” als “Jazz” ist. Andere internationale Bands wären vielleicht Meshuggah, The Dillinger Escape Plan, Mastodon, Between The Buried And Me und Sunn O))).
Aber die meisten dieser Bands klingen eher nach “Progressive Rock” vermischt mit Metal als nach Freejazz mit Metal. Mike Patton kommt einer Mischung aus Metal und Jazz wohl noch am nächsten, denke ich.

Wie bereits erwähnt, hat Grutle von Enslaved einige Gesangsparts zu „Blackjazz“ beigesteuert, und neben der Europatour 2007 habt ihr, wenn ich nicht irre, auch schon ein gemeinsames Konzert auf einem Jazz-Festival bestritten. Wie kam es zu dieser Bandfreundschaft und warst du es, der Enslaved den Jazz lehrte, oder war das ihre Idee?
Ja, das stimmt. Wir sind im Oktober 2007 zwei Wochen mit ihnen durch Europa getourt… es war wirklich eine rundum coole Tour! SHINING wurden von Enslaved angefragt, ob sie nicht einen Support für ein Konzert in Oslo im Januar 2007 übernehmen wollten. Leider hatten wir an diesem Termin keine Zeit, haben die Jungs aber dann einige Monate später getroffen, als wir in ihrer Heimatstadt Bergen spielten. Da sich SHINING zu dieser Zeit von ihrem Booking-Agent getrennt hatten, beschloss ich, dass wir einen anderen Weg finden müssen, auf Tour zu gehen, bis ein neuer Bookin-Aagent gefunden ist. Dass Enslaved dazu die perfekte Band wäre, wusste ich, da ich einerseits im Gefühl hatte, dass SHINING sich in diese Richtung entwickeln würden und da Enslaved andererseits gerade „Isa“ veröffentlicht hatten und augenscheinlich immer mehr Gefallen an jazzig und progressiv beeinflusstem Metal fanden.
Glücklicherweise waren Enslaved von der Idee begeistert, und so kam es zu dieser Zweiwochentour. Bei den letzten drei Konzerten der Tour kamen dann vier der Jungs von Enslaved zu “21st Century Schizoid Man” am Ende unserer Show auf die Bühne. Das war für alle Beteiligten eine so großartige Erfahrung, dass wir uns dachten, es wäre cool, in Zukunft nochmal etwas gemeinsames zu machen.
Anfang 2008 wurden SHINING dann von Norwegens größtem Jazz-Festival gefragt, ob wir im Sommer 2008 nicht ein Special-Konzert auf ihrem Festival spielen wollten. Wir zeigten ihnen einen YouTube-Clip der Performance von “21st Century Schizoid Man” vom letzten Konzert der 2007er-Tour in München (mit Grutle von Enslaved und drei der anderen, sowie dem Sänger von Keep of Kalessin). Die Leute vom Jazz-Festival fanden Gefallen an dem Video und hielten unsere Idee, ein Konzert gemeinsam mit Enslaved zu spielen, für zimlich gut.
Ivar und ich haben uns dann in Austin, Texas, während des großen SXSW-Festivals, auf dem sowohl SHINING als auch Enslaved auftraten, getroffen und die Zusammenarbeit diskutiert. Wir haben dann recht schnell entschieden, dass wir das durchziehen wollen und bestätigten das Konzert noch von Texas aus der Weltpresse.
Zurück in Norwegen komponierte jeder von uns die Hälfte des 95 Minuten langen Konzertes und beide Bands probten zwei ganze Wochen zusammen in Bergen, bevor wir es dann in Molde im August 2008 aufgeführt haben. Es war wirklich eine großartige Zeit für alle Beteiligten und ich glaube, “The Armageddon Concerto” ist eine fantastische Arbeit. Am 17th April diesen Jahres werden wir das Konzert erneut performen, und zwar auf dem berühmten ”Roadburn Festival”. Wir freuen uns alle schon jetzt zimlich, dieses Konzert erneut und vor allem genau auf diesem Festival vorführen zu können!
Es ist einfach ein wahnsinns Festival und es trifft sich einfach perfekt, dass sie die Ehre haben, die Uraufführung des Konzertes in Kontinentaleuropa veranstalten zu dürfen. Es ist wirklich eine ganz besondere Show, und vielleicht ist es sogar das letzte Mal überhaupt, dass wir sie spielen, einfach, weil es so ein gewaltiger Aufwand ist, das alles auf die Beine zu stellen, mit so vielen Leuten und zwei so beschäftigten Bands…

Du hast ja kürzlich erst selbst etwas zum Werk eines anderen Künstlers beigetragen, gemeint ist natürlich Ihsahns neues Werk „After“. Wie fühlt es sich an, mit einer Progressive Black Metal-Legende wie Ihsahn von Emperor zusammenzuarbeiten?
Es war natürlich eine große Ehre für mich, mit Ihsahn zusammenarbeiten zu dürfen, aber vorallem bin ich stolz auf das Resultat. Ich finde, „After“ ist einfach ein großartiges Album und ich bin mir sicher, es wird einmal als Werk mit zentraler Bedeutung für die Entwicklung des Metal und des Jazz-Metal in die Geschichte eingehen.

Hat es dich überrascht, dass er ein Saxophon auf seiner CD haben will? Ich meine, zumindest bis heute ist das Saxophon nicht unbedingt das traditionellste Metal-Instrument…
Ich glaube nicht, dass ich wirklich überrascht war; ich denke eher, dass ich davon beeindruckt war, dass er es wagte, seinem Herzen und seinen eigenen Wünschen zu folgen, anstatt das zu tun, was die meisten Leute von ihm wollen: Ein weiteres „altes“ Emperor-Album. Es braucht einiges an Mut und Stärke, eine solche Entscheidung zu treffen. Aber andererseits merkt man, wenn man sich seinen Lebenslauf ansieht, dass er immer eine starke und mutige Persönlichkeit war.

Wie ist das ganze von Statten gegangen? Hat er dir genau gesagt, was zu spielen ist oder hattest du komplette künstlerische Freiheit? Erzähl uns da doch einfach ein bisschen etwas über den Arbeitsablauf…
Vegard ist ein toller Kerl und wir verstehen uns wirklich gut! Wir ähneln uns als Personen auch recht stark: Wir sind beide etwas nerdy und extrem perfektionistisch veranlagt und detailverliebts. Wir sind beide intellektuell orientiert, ruhig und bescheiden und teilen eine Menge Ansichten auf unsere Gesellschaft.
Der Arbeitsprozess hinsichtlich der Musik mit ihm war so entspannt wie es nur sein kann. Er hat mich während einer „Blackjazz“-Recordingsession angerufen, und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Das Gespräch verkam zimlisch schnell zu einem Fachgespräch über technische Dinge, wie man ein Gitarrensignal re-ampt, welche Art von DI- und re-amp-Boxen die Besten sind und so weiter. Er empfahl dann ein Rack namens “MW1 Studio Tool”, welches ich mir noch am selben Tag gekauft habe und dann begannen wir darüber zu sprechen, wie sehr ich die API 3124+ Microphon-Pre-Amps liebe, von denen er sich dann noch am gleichen Tag eines bestellt hat.
Er hat mir dann seine Demos für das Material von „After“ zukommen lassen, mit seinen Gedanken, wo ich spielen könnte, und teilweise ein Paar Ideen, wo eher Melodien zu spielen seien und wo eher improvisiert werden sollte. Zudem hat er mir noch gesagt, dass er an jeder weiteren Idee interessiert sei, so dass ich die völlige Freiheit genoss, Ideen aufzubringen.
Ich habe mir dann das gesamte Album angehört, alle Bass Noten, alle Gitarrenspuren, Melodien und rhythmische Patterns aufgeschrieben – im Grunde genommen alles auf dem ganzen Album, und habe ein wenig mit der Musik herumgespielt. Dann bin ich in den bus nach Notodden, wo er lebt, gestiegen und wir haben in seinem Heimstudio aufgenommen, während seine Kinder und seine Frau dabei waren und ihren Spass hatten.
Alles in allem war es eine großartige Erfahrung, mit Ihsahn zu arbeiten und ich bin mehr als stolz, einen Teil zu „After“ beigetragen zu haben. Ich bin mit dem Resultat sehr zufrieden und immernoch beeindruckt von Vegard’s Mut, einen Jazz-Saxophonspieler zu bitten, eine so entscheidende Rolle auf seinem Album zu spielen. Ich weiß, dass soetwas keine einfache Entscheidung ist, gerade wenn man sich im klaren ist, dass es da draußen all diese extrem engstirnigen retro-konservativen Metalheads gibt, die es lieber sehen würden, wenn er statt dessen ein weiteres Album im Stile alter Emperor aufnehmen würde.
Vegard ist zu einem wirklich guten Freund geworden und mittlerweile telephonieren wir wirklich oft…

Danke bis hierher schon einmal, eine letzte Frage hätte ich noch: Gibt es schon etwas genaues zur anstehenden Europatour zu sagen?
Ja, wir freuen uns verdammt auf diese Tour im März und April! Die deutschen Gehirne werden an drei Terminen im April heftigst verdrillt werden! Schaut euch einfach den Tourplan an, alle weiteren Tour-Updates könnt ihr unserer Myspace-Seite unter www.myspace.com/SHININGofficial entnehmen.

Ok, vielen Dank für deine Zeit und das ausführliche Beantworten meiner Fragen! WEnn du willst, hast du jetzt die Gelegenheit, noch etwas loszuwerden, bevor ich das Interview gerne mit dem traditionellen Metal1.Brainstorming beenden würde…
Vielen vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit uns zu reden, ich hoffe, man sieht sich irgendwann im April in Deutschland!
Ansonsten würde ich an dieser Stelle gerne noch auf unseren wunderbaren Produzenten aufmerksam machen, Sean Beavan. Ich bin extrem froh, dass er sich dazu entschieden hat, an der „Blackjazz“-Mission teilzunehmen. Seine Arbeit mit NIN, Martilyn Manson und Slayer ist einfach beeindruckend und aufgrund seiner Arbeiten mit Pop-Künstlern wie No Doubt und Depeche Mode wusste ich gleich, dass er der richtige Kerl für „Blackjazz“ ist.
Er hat nicht nur bewiesen, dass er der richtige ist, er war sogar der PERFEKTE Mann! Sein Talent ist einfach makellos: Sein Wissen über Musik und technische Theorie, sein Verständnis und seine Sensibilität für die Emotionen in Musik und seine Fähigkeit, diese Dinge in Worten zu reflektieren und diskutieren – all das macht ihn zum besten Mann, mit dem ich je zusammengearbeitet habe! Abgesehen davon steckt er voller großartiger Ideen bezüglich des Mixens und hat dem Album wirklich seinen Stempel aufgedrückt. Zu alledem kommt noch, dass er jemand ist, mit dem man echt gerne zusammen ist und seine Familie wirklich supernett ist!Es ist wohl überflüssig, zu sagen, dass Sean extrem viel zu “Blackjazz” beigetragen hat und ich sehr glücklich bin , dass er sich der Sache angenommen hat. Ich will mir garnicht vorstellen, wie das Album ohne ihn geworden wäre…

Ok, dann lass uns mal loslegen: Ich nenne dir also immer einen Begriff, und du sagst uns, was dir dazu als erstes Einfällt. So here we go:

Guido Westerwelle:Bekannter deutscher Politiker, derzeit Aussenminister von Deutschland.
Wale: Norwegen sagt “Lasst sie uns töten und essen”, die USA sagen “Sie sind so süß”.
Black Metal: 20 Jahre alt
Klimawandel: Es wäre Zeit, etwas größeres und drastisches zu tun!
Deutsches Bier: Von Bier verstehe ich nicht so viel.
Metal1.info: Intelligente Texte für intelligente Leute. (Mo’s the Man!)

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