Interview mit Matthias Harder von Sylvan

SYLVAN haben sich dazu entschieden, auf „Presets“ ihre emotionale, ruhige, traurig-symphonische Seite zu präsentieren. Schlagzeuger Matthias Harder spricht mit uns über das sechste Album der Hamburger.

Da es das erste Interview mit Metal1.info ist, würde ich euch bitten, eurer Band kurz vorzustellen.
Wir sind eine fünfköpfige Band aus Hamburg, haben bislang sechs Alben veröffentlicht und tragen den klangvollen Namen Sylvan.

Wie würdet ihr euren Sound genrefremden Personen gegenüber beschreiben?
Wir machen emotionale, epische und oft etwas melancholische Rockmusik.

Gibt es Bands, die euren Stil oder die Herangehensweise an ein neues Album entscheidend beeinflussen?
Aus heutiger Sicht: Nein! Wenn man über so viele Jahre zusammen Musik macht, sollte man eigentlich seinen eigenen Sound gefunden haben. Um neue Ideen zu entwickeln, brauchen wir nicht auf andere Bands zu schielen. Abgesehen davon, kommen wir alle auch kaum noch dazu, CDs von anderen Künstlern zu hören. Ich selber habe vielleicht drei Alben pro Jahr, die ich mir etwas intensiver anhöre.

Mit „Posthumous Silence“ ist euch letztes Jahr meiner Meinung nach ein Jahrhundertwurf gelungen, der an Schönheit aber auch Melancholie kaum zu übertreffen ist. Woher nehmt ihr die Inspiration für diese Musik?
Zunächst vielen Dank für das Lob. Die Inspiration zu unserer Musik finden wir zum großen Teil in uns selbst. Die Songs haben sehr viel mit uns zu tun, mit unserem etwas düsteren und besorgten Blick auf unsere Welt und dem Leben überhaupt.

Wie seht ihr den Erfolg einerseits bei den Kritikern und Fans, andererseits in Zahlen im Nachhinein?
Wenn sich diese Frage auf „Posthumous Silence“ bezieht, dann kann man glaube ich sagen, dass uns der Erfolg etwas überrascht hat. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass das Album etwas zu komplex und anstrengend für den Hörer geworden ist. Doch die begeisterten Kritiken und sehr guten Verkaufszahlen belehrten uns bald eines Besseren. „Posthumous Silence“ ist bislang unser erfolgreichstes Album und die Menschen scheinen zu verstehen, was wir mit diesem Album ausdrücken wollten!

Kommen wir zum neuen Album: Mit „Presets“ seid ihr vom progressiven Weg abgegangen und widmet euch eher der unkomplizierteren Seiten eurer Musik. Warum diese Wandlung und welchen Weg werdet ihr in Zukunft weiterverfolgen?
„Presets“ ist parallel zu „Posthumous Silence“ entstanden und verfolgt ein gegenteiliges Konzept. Während wir mit „Posthumous Silence“ unser komplexestes Werk schaffen wollten, war es uns wichtig, mit „Presets“ unser freiestes Album zu komponieren. Auf „Presets“ gibt es kein übergeordnetes Thema. Jeder Song steht für sich selbst. Außerdem haben wir uns bemüht, Ideen und Teile nicht künstlich in die Länge zu ziehen. Wir wollten damit ein Album schaffen, dass auch Hörer jenseits der progressiven Rock-Szene hören und genießen können. Was die Zukunft bringt, kann ich Dir noch nicht sagen. Wir haben aber auf jeden Fall nicht vor, all unsere Wurzeln über Bord zu werfen. Sowohl die Songs auf „Posthumous Silence“ als auch „Presets“ sind für mich typische SYLVAN-Songs und so kann ich mir vorstellen, dass das nächste Album wieder etwas aus beiden Welten in sich tragen wird!

Wie viele Songs wurden für diese Session eigentlich geschrieben? Gibt es noch interessante, unveröffentlichte Songs, die ihr vielleicht bereits für das nächste Album aufhebt?
Ja, es gibt wie immer natürlich Ideen, die keine Verwendung gefunden haben. Es sind auch ein paar wirklich schöne Songs darunter. In wie weit wir diese Ideen auf einer späteren Veröffentlichung aufgreifen werden, lässt sich aber jetzt noch nicht sagen.

Vereint „Posthumous Silence“ und „Presets“ irgendein gemeinsames Konzept, eine Stimmung?
Es gibt kein gemeinsames Konzept. Beide Alben stehen für sich allein!

Wie seid ihr mit dem Echo der Presse und der Fans zu „Presets“ bis jetzt zufrieden?
Wir sind sehr zufrieden. Auch „Presets“ wurde bislang überwiegend positiv aufgenommen.

Trotz der kürzeren und zugänglicheren Songs auf „Presets“ fehlen doch die richtig knackigen Rocksongs, die man als Single oder fürs Radio verwenden hätte können. Warum habt ihr keinen Versuch gewagt, solche Songs zu schreiben?
Da muss ich Dir widersprechen. „For one day“ ist der radiotauglichste Song, den wir bislang geschrieben haben. Er hat Tempo, einen sehr eingängigen Refrain und die perfekte Länge. Ich denke nicht, dass wir mit „rockigeren“ Songs im Radio mehr Erfolg haben würden. Bands wie Coldplay und Keane spielt man ja auch nicht im Radio, weil sie für Ihre beinharten Riffs bekannt sind!

Glaubt ihr, dass ihr mit „Presets“ trotzdem Leute erreichen werdet, für die ihr vorher nicht oder wenig interessant wart und sie vielleicht auch für eure progressiven Album interessieren könnt?
Da sind wir uns ganz sicher. Listening Sessions im eigenen Freundeskreis haben uns das schon bewiesen. Wie viele das aber seien werden, wird sich erst noch zeigen müssen.

Wer ist eigentlich für die immer sehr schön gestalteten Artworks eurer Alben zuständig bzw. wie weit habt ihr Einfluss darauf?
Mit Ausnahme von „Posthumous Silence“ hat Marko Heisig alle unsere Cover gestaltet. Er ist ein guter Freund von uns, und ein sehr erfolgreicher Grafiker! Das Artwork zu „Posthumous Silence“ hat Tobias Harnack, der Bruder unseres Bassisten, entwickelt. Auch er ist ein hoch talentierter junger Grafiker, der uns in Zukunft sicher noch das ein oder andere Artwork gestalten wird. Als Band haben wir natürlich das letzte Wort, welches Cover letztendlich Verwendung findet, aber in der Entstehung lassen wir unseren Grafikern immer freie Hand. Wir sagen am Anfang nur, worum es auf dem Album geht, und welche Grundidee wir musikalisch verfolgen. Danach bekommen wir Vorschläge präsentiert, wovon wir uns dann für einen entscheiden, der dann ausgearbeitet wird.

Wie steht ihr heute zu eurem Debütalbum „Deliverance“, das aus Sicht vieler doch recht durchwachsen, kitschig und mit allen denkbaren NeoProg-Klischees gespickt war?
Ein Debütalbum ist eben ein Debütalbum, muss ich mehr sagen? ;-)

Ist eine größere Tour in Planung, die euch vielleicht auch mal über die Grenzen Deutschlands hinausführt? Als Österreicher würde ich ein Konzert in meiner Heimat natürlich sehr begrüßen.
Wir sind im Mai auf Tour zusammen mit der Band Blind Ego. Ich weiß bislang nur, dass wir neben einigen Terminen in Deutschland auch mal wieder Holland und Belgien spielen werden.

Hamburg ist ja musikalisch kein unbeschriebenes Blatt. Wieso denkt ihr, dass gerade in Hamburg Musikstile geprägt werden (Stichwort: Hamburger Schule)?
Jede Stadt hat ihr eigenes Flair. Nun kann ich Dir eigentlich nicht sagen, warum sich in Hamburg so viele Bands tummeln, die sich der Stilrichtung „Hamburger Schule“ zurechnen lassen. Mit unserer Musik hat das auf jeden Fall gar nichts zu tun. Und so kann ich auch nur für uns sprechen, wenn ich Dir sage, dass Hamburg der perfekte Ort für melancholische, erhabene, traurige und atmosphärische Musik ist (Stichwort: Hafenromantik).

Gibt es schon vage Pläne für das nächste Album?
Das nächste Album soll ein Live-Album werden.

Über euch wurde in der Januar-Ausgabe des Magazins „Mens Health“ ein Artikel verfasst. Da ein solcher Artikel in einem Männermagazin doch recht ungewöhnlich ist, würde mich interessieren, wie es dazu gekommen ist und wie ihr mit dem Ergebnis zufrieden seid?
Nach einem Konzert wurden wir von einer Redakteurin des besagten Magazins angesprochen. Sie erzählte uns von Ihrer Idee und wir waren am Anfang etwas skeptisch, ob der Artikel am Ende auch wirklich zustande kommen würde. Doch sie hat ihr Wort gehalten und so hatten wir eine fünfseitige Story über Sylvan in einem recht genrefremden Print Magazin. Wir sind ihr sehr dankbar, denn es war sicherlich eine sehr gute Werbung für uns!

Als kleine Tradition bitten wir am Ende jedes Interviews zu einem kurzen Brainstorming. Was kommt euch bei den folgenden Wörtern als erstes in den Sinn?
Sieges Even: Sagt mir leider gar nichts …
Metal: Machen wir nicht, wir spielen Rock.
Musikindustrie: Haben wir nur am Rande etwas mit zu tun.
Deutschland sucht den Superstar: Alle Jahre wieder …
Internet: Superwichtig für uns, da es die einfachste Form darstellt, unsere Fans zu erreichen.
2007: Schon wieder ein Jahr älter.
Metal1: Tolle Seite, Glückwunsch!

Ich danke euch herzlich für eure Zeit für Metal1.info und für die beiden wunderschönen Alben in den letzten Jahren. Gibt es noch irgendwelche abschließende Worte an unsere Leser?
Wir sagen auch danke und hoffen, Euch alle bald auf einer der anstehenden Konzerte zu sehen!

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