Interview mit Robert und Ricardo von The Night Eternal

THE NIGHT ETERNAL sind eine der wohl spannendsten jüngeren Heavy-Metal-Bands dieser Tage. Ihre Liebe für Authentizität und den ursprünglichen Geist des Heavy Metal und Rock ’n‘ Roll ist derweil über drei Alben der absolute Kern der Formation. Nach dem großartigen „Fatale“ von 2023 legt die Truppe nun ihr neues Album „Cold Velvet“ vor. Wie das Leben und die Mystik zusammenkommen, warum Melancholie nicht planbar ist und weshalb Google-Rezensionen manchmal sogar das Touren beeinflussen können, darüber haben wir mit Gitarrist Robert und Sänger Ricardo gesprochen.

Hallo Robert, vielen Dank für die Gelegenheit! Du und deine Mitstreiter seid schon eine ganze Weile nicht nur als Fans, sondern auch als Musiker dabei. Kannst du dich noch daran erinnern, wie es bei dir mit dieser ganzen Rock- und Metal-Geschichte losging?
Robert: Ja, daran kann ich mich sehr gut erinnern. Ich war ungefähr elf oder zwölf Jahre alt und habe auf RTL eine Sendung geguckt, die hieß irgendwie „Guinness World Records“, moderiert von Oliver Geissen. Da haben BON JOVI im Rahmen ihrer „Have A Nice Day“-Tour 2005 oder 2006 gespielt. Sie haben, glaube ich, „Have A Nice Day“ und „Livin‘ On A Prayer“ gespielt. Damals bin ich das erste Mal in Kontakt gekommen mit Langhaarigen, die eine Gitarre in der Hand hatten und Musik gemacht haben, die so gar nicht nach dem klang, was man sonst – vom Vater oder so – musikalisch mitbekommen hat, bis man zehn Jahre alt war. So bin ich dazu gekommen. Ich habe angefangen, Gitarre zu spielen, und dadurch ging es in Sachen Bands weiter zu AC/DC und GUNS N‘ ROSES und irgendwann zu KREATOR und IRON MAIDEN. Aber, ganz wichtig, erst KREATOR und dann kam IRON MAIDEN. So war das. Guck mal, da loggt sich noch einer ein … [Sänger Ricardo Baum kommt hinzu.]

„Wir haben glücklicherweise damals schon
den einen oder anderen Fehler gemacht“

Ich habe dann natürlich auch ein paar Fragen zu Gesang und Texten für dich, Robert. Aber zuerst noch mal zurück zu deinen Anfängen: Wie war das dann? Hast du dann gesagt: „Papa, her mit der Gitarre!“ Oder wie ging dann der Weg?
Robert: Genau so war das. Ich habe mir dann gedacht, dass es ganz cool aussieht, wie die Leute mit ihren Gitarren dastehen. Also habe ich gesagt: „Pass auf, ich möchte gerne eine elektrische Gitarre haben.“ Mein Vater ist Pole und aus irgendeinem Grund ist wohl das polnische Wort für E-Gitarre eher dem E-Bass, also einer Bassgitarre, gleichgesetzt. Da wollte mir mein Vater erst mal einen Bass holen. Er hat mir dann eine kleine Auswahl gezeigt und ich habe gesagt: „Nee, nee, nee. Diese Gitarre hat vier Saiten, ich will nicht Bass spielen. Ich sehe doch nicht aus wie ein Bassist!“ Dann haben wir uns doch entschlossen und haben die E-Gitarre – so einen Stratocaster-Klon – für, ich glaube, 120 Euro plus Verstärker in so einem Musikladen in Hattingen gekauft. Das war eine glatte Nummer.

THE NIGHT ETERNAL 2026; © Nona Limmen

Du hast bis 2021 bei MANIFESTIC gespielt. Was hast du aus dieser Zeit für THE NIGHT ETERNAL mitgenommen?
Robert: Es gab auch noch ein paar Vorgängerprojekte zu MANIFESTIC, die es niemals ans Tageslicht geschafft haben. So ab dem Zeitpunkt, als ich 16, 17 war, hat man versucht, ab und zu mal unter der Woche zu proben und ein paar Songs an den Start zu kriegen. Man lernt einfach sehr viel. Erstens zum Thema Bandgefüge, also: Was funktioniert und was funktioniert nicht? Was ist wichtig? Und vor allem auch, wie man so eine Band an den Start bringt, welche Schritte es sich lohnt zu gehen und welche Schritte man vielleicht besser nicht machen sollte. Oder wie man an Konzerte kommt und Kontakte knüpft und so weiter. Da kann man schon sehr viel mitnehmen. Aber um die Frage kurz zu beantworten: Ich denke, wir haben glücklicherweise damals schon den einen oder anderen Fehler gemacht, auf die ich jetzt nicht näher eingehe, weil das den Rahmen sprengen würde. Aber die habe ich dann glücklicherweise mit THE NIGHT ETERNAL nicht mehr gemacht und ich denke, das ist schon ein sehr gutes Learning.

„Man saß quasi wie auf heißen Kohlen,
wollte spielen und rausgehen“

Hinsichtlich eurer Gründung: Manche Bands gründen sich im Proberaum, manche ums Lagerfeuer, manche in der Kneipe. Wie war das bei THE NIGHT ETERNAL?
Robert: Ricardo, das ist doch eigentlich deine Story, oder?
Ricardo: Ja, ich habe gerade schon gelacht. Ganz lustige Story eigentlich. Robert hat damals mit MANIFESTIC aufgenommen, wir kannten uns vorher schon eine Zeit lang. Ich saß morgens am Frühstückstisch, genau da, wo der junge Herr aufgenommen hat, und zwar beim Vater unseres ehemaligen Drummers im Keller. Der hat sein eigenes Studio. Ich saß total verkatert mit Aleister (Präkelt, Schlagzeug – Anm. d. Red.) am Frühstückstisch, da kam Robert gerade schon ganz löblich und diszipliniert aus dem Keller hoch. Er hatte gerade Songs eingespielt. Und dann saß er da und sagte: „Ey, eigentlich müssen wir auch noch Mucke zusammen machen.“
Dann sind wir kurz darauf in den Proberaum gegangen und haben ein bisschen rumgeeiert. Irgendwann hat sich da THE NIGHT ETERNAL herauskristallisiert. Und so haben wir uns dann zusammengefunden.

Ricardo, wie erinnerst du dich an die Anfangszeit von THE NIGHT ETERNAL? Es gab erst EPs, dann habt ihr mit „Moonlit Cross“ euer erstes reguläres Album herausgebracht. Kannst du dich noch in dieses Gefühl hineinversetzen?
Ja, total. Man war aufgeregt und gleichzeitig war es natürlich auch ein bisschen geil, weil es neu war. Es ging alles relativ schnell. Wir haben die paar Songs im Proberaum zusammengebastelt, sind dann wirklich kurz danach zum Aufnehmen ins Studio, haben die Sachen eingetrommelt und haben versucht, so viel wie es geht, sofort zu spielen. Dann kam Covid dazwischen, wodurch man absolute Unbeständigkeit hatte. Das hat uns erstmal einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Man saß quasi wie auf heißen Kohlen, wollte spielen und rausgehen, und wurde dann natürlicherweise irgendwie gestoppt. Aber da wir ja weiterhin Bock hatten, ging das dann mit dem ersten Album relativ flott. Und als es wieder losging, waren wir ganz vorne mit dabei. Wir haben während der Pandemie nicht die ganze Zeit auf dem Arsch gesessen, das Album war schon da, also konnte man direkt spielen. Das war super.

„Jedes Album klingt so,
wie es zu dem Zeitpunkt klingen musste“

Wenn wir mal einen Querschnitt von „Moonlit Cross“ zu „Cold Velvet“ machen, gibt es da Dinge, bei denen ihr rückblickend sagt: „Hätten wir diese oder jene Sache damals schon gewusst oder hätten wir diese oder jene Sache damals nur schon so gemacht wie heute?“
Robert: Weißt du, ich finde, alles hat seine Zeit. Ich denke, dass wir auf gar keinen Fall „Cold Velvet“ als Debütalbum hätten rausbringen sollen. Alle Songs, die wir zu dem Zeitpunkt ihrer Entstehung gemacht haben, waren absolut ehrlich und so, wie wir es gemeint haben. Was man vielleicht tatsächlich sagen könnte: Man ist ein bisschen älter geworden, hat ein paar mehr Songs geschrieben und weiß, wie es sich dann anhören soll. Also vielleicht hätte man von Anfang an etwas mehr auf den Song gucken können, anstatt zu sagen: „Das Riff kommt noch mit rein und das Riff kommt mit rein.“ Man hätte vielleicht von Anfang an alles ein bisschen songdienlicher machen können. Aber gerade in den Anfangstagen einer Band wird ja auch sehr viel rumprobiert. Jeder hat da seine Idee und jeder will sie natürlich irgendwie mit reinbringen. Wie Ricardo schon gesagt hat, dieses erste Album, das haben wir quasi, obwohl sich das mit den Recordings gezogen hat, in Windeseile zusammengestellt. Wir wussten, diese und jene Songs sollen drauf, und dann haben wir das so gemacht.
Ich glaube, bis heute haben wir einen Song von „Moonlit Cross“ noch gar nicht live gespielt. Wie gesagt, alles hat seine Zeit. Ich denke, jedes Album klingt so, wie es zu dem Zeitpunkt klingen musste und das nächste Album wird auch wieder anders klingen. Ich habe da jetzt keine Regrets oder so.

Ich habe euch über euer zweites Album „Fatale“ kennengelernt und empfand diese Scheibe als souverän und sehr geradeaus. „Cold Velvet“ ist für meine Begriffe weicher geraten, aber auch viel tiefschürfender und melancholischer. Was für einen Einfluss hat denn da euer Produzent Michael Zech genommen? Das ist ja auch kein bekannter Name in der Szene …
Ricardo: Schon einen ziemlich großen, würde ich sagen. Er ist wirklich sehr doll auf das Album eingegangen. Er konnte sich gut in uns reinversetzen, wusste also wirklich schon relativ flott, was wir wie haben wollen, und hat auch einen extrem guten Musikgeschmack. Handwerklich muss man sagen, war er meiner Meinung nach auch bis jetzt der Beste, mit dem wir zusammengearbeitet haben. Michael hat das ganze Know-how, dann hat er die Hardware da stehen, er hat einfach alles. Ich glaube, das hat auch ein Stück weit unseren Sound geformt. Wir haben sehr viel analog gearbeitet. Analoges Mischpult, analoge Effekte, die Gitarren wurden mit sieben Amps aufgenommen. Man hat sich wirklich mal Gedanken gemacht, bewusst gehört und sich wirklich damit auseinandergesetzt. Und das ist, glaube ich, etwas, was uns ganz gutgetan, was dem Sound ganz gutgetan hat.

„So ein bisschen Schmutz drin lassen,
das tut so einer Produktion auch ganz gut“

Es ist vielleicht ein bisschen gewagt, aber kann man dieses natürliche Aufnahme-Setting vielleicht auch als Statement gegenüber diesen ganzen glattgebügelten, zurechtgetriggerten Produktionen von heute verstehen?
Robert: Ja, definitiv. Ich finde auch immer noch, es gibt einen riesig großen Unterschied zwischen einer gut produzierten Platte und einer wirklich einfach plastisch tot produzierten Platte mit dem einzigen Ziel, so zu klingen wie alle anderen, damit man auch hier und dort irgendwie mitspielen kann. Das Lustige ist ja, dass die ganzen Bands, die versuchen, dem nachzueifern, quasi umso mehr untergehen, je mehr sie versuchen, sich an diese Klanggegebenheiten anzupassen.
Ich denke, mit dem Sound haben wir einfach genau das gemacht, was wir wollten. Einfach was schön Zeitloses, was genauso auch Ende der Achtziger hätte rausgebracht werden können. Natürlich mit einem moderneren Touch, weil wir nun mal 45 Jahre später haben, und ein paar technische Standards muss man ja auch einhalten.

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Es ging darum, dass zum Beispiel ein Schlagzeug lebendig klingt, wirklich wie ein echtes Schlagzeug, und dass man sich nicht festschießt auf einen Gitarrensound, den man komplett durchfährt, der dann immer ganz genau so glattgezogen ist. Oder dass man nicht die ganze Zeit irgendein Fiepen rausschneidet, finde ich zum Beispiel auch immer sehr wichtig. So eine E-Gitarre, die zeichnet sich ja dadurch aus, dass sie verstärkt ist, und da gehört auch dazu, dass es hier mal fiept, da mal ein dreckiger Ton durchkommt und so weiter. Klar, wenn das störend ist, dann sollte man es rausschneiden, aber ich finde, so ein bisschen Schmutz hier und da drin lassen, das tut so einer Produktion auch ganz gut, weil es sich einfach echter anhört.
Das ist auch so eine Herangehensweise von Michael, die ich sehr zu schätzen weiß, weil er das Ganze auch aus einer Musikerperspektive sieht. Vielleicht nicht so wie bei den Alben davor, wo es hieß: „Nee, das machen wir jetzt nochmal und dann kleben wir da oben noch die Saiten ab, damit es nicht so leicht fiept, und das schneiden wir noch raus.“ Davon war ich nie Fan und ich finde, das hat dem Ganzen gutgetan.

Mindestens genauso authentisch ist ja auch der Gesang auf „Cold Velvet“. Womit beschäftigt sich „Cold Velvet“ denn auf lyrischer Ebene?
Ricardo: Das ist eine gute Frage. Uns wird immer nachgesagt, dass das sehr okkult ist oder dass wir so okkulte Stimmmittel haben und solche Themen bedienen. Ich würde das gar nicht so beschreiben. Es ist von Song zu Song situationsabhängig. Hier ist die eine Lebensphilosophie drin oder dort ist die andere persönliche Erfahrung dabei, also bestimmte Dinge, die ich in meinem Leben erfahren habe. Oder eben auch Themen, die man über mythische Kontexte in die Neuzeit versetzen kann, wie zum Beispiel Eurydice und Orpheus – der Verlust und die Machtlosigkeit dahinter und dass man im Endeffekt nichts dagegen tun kann; dass man manche Dinge einfach nicht beeinflussen kann.
Es gibt auch einen Song über Kriege und über die ganzen Leute, die da umkommen und deren Songs oder deren Worte nicht mehr weitergesprochen werden können. Das ist sehr, sehr facettenreich, würde ich sagen. Da stecken eine Menge Emotionen drin, eine Menge von mir. Ich glaube, wenn man sich ein bisschen mit den Texten befasst, dann kann man sich das ein oder andere auch schon denken.

„Für uns ist es auf gar keinen Fall eine Option,
uns zu verkleiden, wir sind keine Clowns“

Wo wir gerade beim Inhalt der Texte sind: Was hat euch persönlich beim Songwriting für das Album beeinflusst?
Robert: Das kann man so pauschal überhaupt gar nicht sagen. Ein Song zum Beispiel ist in seinen Grundstrukturen schon 2020 oder ’21 entstanden, ein anderer drei Monate bevor wir ins Studio gegangen sind. Wieder andere Songs sind quasi „mittendrin“ entstanden, als wir noch für eine Tour 2025 geprobt haben. Deswegen lässt sich das so genau gar nicht sagen. Es wäre jetzt gelogen, wenn ich sagen würde, dass ich mir die Songs alle in totaler Trauer oder totaler Melancholie ausgedacht habe. Es sind einfach sehr viele Sachen in den letzten vier Jahren passiert. Manche davon waren schön, manche davon waren weniger schön und wenn man Glück hat, dann übersetzt sich das irgendwie in ein Riff, in eine Melodie, eine Akkordfolge oder sonst was, die dann aus einem raussprudelt.

Ich höre einfach der Gitarre zu, was ich darauf spiele und sobald es mir gefällt, nehme ich es mit meinem Handy auf. So viele Gedanken oder so sind da ehrlich gesagt gar nicht dabei. Denn immer – zumindest bei mir – wenn ich mich mit der Gitarre hinsetze und sage, „jetzt schreibe ich einen Song“, dann kommt nichts Gutes dabei raus. Dann kommt wirklich einfach nur generisches Material raus. Wenn man zum Beispiel irgendwas macht – unterwegs ist oder beschäftigt zu Hause ist oder man guckt einen Film oder man hat einfach gerade eine gewisse Stimmung –, dann nimmt man einfach mal kurz zwei, drei Minuten die Gitarre in die Hand, weil man eine spontane Idee hat. Oder vielleicht hat man auch aktuell eine Band besonders viel gehört und denkt sich dann so: „So was möchte ich auch mal kurz spielen.“ Und dann ergibt sich daraus was Neues. Das sind einfach die Eindrücke des Lebens, die man irgendwie verarbeitet, aber auf eine ganz unbewusste Art und Weise.

THE NIGHT ETERNAL 2026; © Nona Limmen

Neben dem kreativen Anteil wird eine gewisse Medienwirksamkeit immer bedeutsamer. Ist das etwas, wo ihr das Gefühl habt, dass man da irgendwann auch mal mit der Zeit gehen muss, oder ist euch das egal?
Robert: Das ist meiner Meinung nach dem geschuldet, wie soziale Medien funktionieren. Es ist sehr viel Visuelles dabei. Videos, die von Anfang an optisch was hermachen, die – wie man da im Jargon sagt – einen Hook haben, werden nun mal mehr geklickt als irgendetwas anderes. Dadurch kommt es natürlich auch dazu, dass vielleicht Bands, die aufwendige Masken tragen, in Windeseile mehr Aufmerksamkeit bekommen, obwohl sie vielleicht relativ durchschnittliche Musik machen. Da fällt mir gerade so ein Beispiel einer Doom-Metal-Band ein, auf die ich jetzt nicht weiter eingehe, aber ich denke, alle wissen da ungefähr Bescheid. In diesem ganzen Konstrukt muss man halt seinen Platz finden.
Für uns ist es auf gar keinen Fall eine Option, uns zu verkleiden, wir sind keine Clowns. Aber so ein bisschen mitdenken muss man jetzt natürlich schon, wenn man Flyer, Ankündigungsvideos oder Album-Promo macht. Da muss man natürlich schon gucken: Okay, wo können wir denn was machen, was in diesem Zeitalter hier interessant ist? Nur die Musik reicht nicht und trotzdem soll es noch irgendwie unsere Identität widerspiegeln, ohne dass wir uns komplett zum Affen machen.
Ricardo: Ganz schmaler Grat.
Robert: Ich stelle öfter mal die Frage, wenn wir irgendwo unterwegs sind oder ein bisschen was getrunken haben: „Was würdet ihr machen, wenn ihr die Möglichkeit hättet: das Internet so beibehalten, wie es jetzt ist, oder es löschen und alles wird zurückgesetzt?“ Ich sage, ich würde mir wünschen, das Internet zu löschen. Denn wenn du wirklich alles zusammennimmst, hat es schon mehr Nachteile, als es Vorteile hat.

Was ich wiederum im Internet gefunden habe, sind eure anstehenden Shows. Da seid ihr nicht nur für zwei Release-Shows in Deutschland unterwegs, sondern auch in Frankreich und Großbritannien. Gibt es da Locations, die ihr schon kennt oder bestimmte Landstriche, auf die ihr euch besonders freut?
Robert: Ich freue mich sehr auf das Vereinigte Königreich, weil wir da mit der Band bisher nur einmal waren und zwar zusammen mit BLIND GUARDIAN. Das war schon sehr schön. Wenn ich mich nicht täusche, haben wir jetzt bei der Tour auch so im Schnitt alle vier, fünf Tage einen frei. Ich habe mir vorgenommen, dass wir vielleicht mal was ganz Verrücktes machen. Vielleicht machen wir abends nicht so lange Party. Dann können wir morgens, wenn wir schon irgendwo da sind und nicht kaputt, ein bisschen Sightseeing machen, zwei Stündchen oder so. Das wäre mal eine super Geschichte. Aber ich sehe schon Ricardo, der den Kopf schüttelt. Der kann sich das wahrscheinlich beim besten Willen nicht vorstellen.
Ricardo: Also ich kann mir das ja bei mir schon nicht vorstellen. Dann kann ich mir das bei dir erst recht nicht vorstellen. (lacht)

Also eher Eskalation als Kultur und Entspannung?
Ricardo: Ja, das definitiv schon. Robert braucht sich da gar nicht so ins Fäustchen zu lachen. Ich bin schon die Person, die morgens mal eher aufsteht und eine Runde durch die Stadt dreht. Das habe ich auf der letzten Tour auch eher seltener gemacht. Und deswegen glaube ich, dass das dann auch kein anderer machen wird.
Robert: Also ob Ricardo jetzt die Person ist, die ganz früh am Morgen aufsteht, das weiß ich nicht. Vielleicht ist er die Person, die morgens noch wach ist …
Ricardo: Nee, ich bin schon immer alleine frühstücken gegangen. Ich mache auch mal ein bisschen Sightseeing oder bin auch öfter mit den anderen Bands unterwegs gewesen. Aber das ist ja je nachdem, mit welcher Band man unterwegs ist, abends auch immer schön. Und wenn du so ein paar super entspannte Italiener da sitzen hast, da wird man um das eine oder andere Bier oder um den einen oder anderen Wein nicht drumherumkommen. Das sind schon wirklich sehr gesellige, herzensliebe Menschen und das macht schon echt Spaß mit denen.

Habt ihr eine prägnante Anekdote, bei der ihr sagt: „Oh Gott, diesen Zwischenfall oder diese Panne werde ich meinen Lebtag nicht vergessen“? Fällt euch da was ein?
Ricardo: So einiges, aber ich weiß nicht, ob das interviewtauglich ist.
Robert: Vielleicht erzählt Ricardo gleich seine Story. Also ich möchte jetzt hier auch gar nicht auf irgendwelche Saufeskapaden eingehen, die gab es zu Genüge. Aber was mir immer noch einfällt, ist, als wir in den USA waren … die haben da wohl andere Bakterien auf ihren Lebensmitteln, auf dem Salat.
Wir sind da angekommen und aufs Festivalgelände. Jannik (Stüber, ehem. Bassist – Anm. d. Red.) und Henry (Käseberg, Gitarrist – Anm. d. Red.) haben einen Burger gegessen und da wird wohl irgendwas drin gewesen sein. Die haben sich auf jeden Fall die Seele aus dem Leib geschissen. So, dass auch im Raum stand, ob sie überhaupt spielen können. Ich glaube, Henry ging es ein bisschen besser, aber Jannik ist wirklich wie eine Leiche auf die Bühne gegangen. Der hatte keine Farbe mehr im Gesicht. Er hat durchgezogen. Dann hat er noch ein, zwei Tage versucht, sich auszuruhen, und dann ging es bei uns anderen auch los.

THE NIGHT ETERNAL 2026; © Nona Limmen

Wir sind nach Los Angeles rüber, da habe ich so ein Sandwich aus dem Supermarkt von dort gegessen. Ich bin Auto gefahren und habe mittendrin gesagt: „Ich kann nicht mehr.“ Da waren wir in der 40-Grad-Wüste. Ich ging auf so ein Klo drauf … Wie hieß dieser Park da nochmal?
Ricardo: Joshua-Tree-Park …
Robert: Genau. Und ich sag mal so: Dass so viel Flüssigkeit aus einem Menschen rauskommen kann, das wusste ich bis dato auch nicht. Ich habe es dann die nächsten Tage unter Kontrolle bekommen und am letzten Tag, am Abflugtag, ging es dann bei Ricardo los, weil die noch unbedingt zu irgendeinem Barbecue-Ding gehen mussten …
Ricardo: Ja, den Aleister rausgesucht hatte. Ich denke bis heute, dass es Absicht war. Weil er unbedingt da hinwollte. Ich habe gesagt, ich kenne einen viel besseren. Und er hatte schon nur drei Sterne auf Google. Dann gehst du ja nicht rein. Dann saßen wir da und ich habe schon beim Essen was gemerkt. Es war, als würde ich einfach nur Backsteine fressen. Mitten in der Nacht hab ich mich einfach auch komplett weggestorben gefühlt. Wirklich alle Porzellangefäße, die eine Toilette hat, habe ich einfach benutzt. Also gleichzeitig. Und das war das Gestörteste, was ich in meinem Leben erlebt habe. Dann schön so zehn Stunden zurückfliegen, das war spitze.

Noch eine letzte Frage: Was haltet ihr beide für unterhaltsamer? Lasershow und Feuer oder Fledermäusen auf der Bühne den Kopf abbeißen?
Riccardo: Definitiv Feuer und Lasershow. Die armen Fledermäuse. Da muss man ja nicht unbedingt den Kopf abbeißen. Das hat, glaube ich, auch nur einer gemacht. Ist, glaube ich, auch nicht so gut ausgegangen. Für die Person wie für die Fledermaus. Ich glaube, es ist schon cooler, mit Feuer zu spielen. Da sieht Robert wahrscheinlich anders, weil er Angst vor Feuer hat.
Robert: Ja, also bei Lasern würde ich noch mitgehen. Feuer, wie gesagt, das ist für mich ein schwieriges Thema. Dann würde ich vielleicht eher noch sagen: Laser und das mit der Fledermaus.

Okay, machen wir noch unser Metal1-Brainstorming.
BLACK SABBATH, das Album. Robert: „Heaven And Hell“.
Backingtracks. Robert: W.A.S.P.
Euer Must-must-have auf Tour. Ricardo: Feuchtes Klopapier. Feuchtes Klopapier.
Ewige Nachteule oder Morgenmensch. Ricardo: Ewige Nachteule.
THE NIGHT ETERNAL in zehn Jahren. Robert: Natürlich da, wo sie hingehören – auf dem Rock-Olymp.

Das wünsche ich euch wirklich von Herzen. Es hat mich sehr gefreut, dass ihr beide zusammen euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Ich wünsche euch das Allerbeste für diesen Tourzyklus und für euer neues Album.
Ricardo und Robert: Danke sehr.

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Philipp Sorger

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per Telefon/Videocall geführt.

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