Es gibt einige Stimmen, die behaupten, der Rock ’n’ Roll sei tot. Natürlich ist das Irrsinn. Ganz im Gegenteil sogar. Bands wie YEAR OF THE GOAT, WUCAN oder die hier im Fokus stehenden THE NIGHT ETERNAL stellen mit ihren aktuellen Veröffentlichungen eine heftige Antithese zum durchgetriggerten, glattpolierten Multilayer-Modern-Metal dieser Tage auf. Nach dem bockstarken „Fatale“ von 2023 präsentieren THE NIGHT ETERNAL mit „Cold Velvet“ nun dessen Nachfolger.
Von welcher Natur das neue Album der Band aus Nordrhein-Westfalen ist, zeigt schon „Where This World Ends“ überdeutlich. Der Opener präsentiert sich von Beginn an souverän tight, mit melodischen Gitarren und einer hohen Dynamik. An sich geht die Nummer geradewegs nach vorne, doch die fein eingewobenen Melodien von Leadgitarrist Robert Richter unterfüttern alles mit einer sanften Melancholie. Frontmann Ricardo Baum vervollständigt mit seinem charismatischen Gesang einen absolut gelungenen Einstieg.
Nicht weniger direkt präsentiert sich das anschließende „Eurydice (Don’t Look Back)“. Hier zeigen sich THE NIGHT ETERNAL insbesondere durch die Rhythmusfraktion um Aleister Präkelt (Drums) und Henry Käseberg (Rhythmusgitarre) sogar noch ein Stück selbstbewusster. Sanft hallende Melodielinien verbinden sich mit einem treibenden Grundgerüst und dezentem 80er-Jahre-Gothic-Flair direkt zu einem weiteren Highlight.
Apropos Highlight: Ricardos Stimme bringt genau diesen Faktor konsequent in die Musik von THE NIGHT ETERNAL. Denn wo die Melodien und markigen Rhythmen – wie beispielsweise auf „When The Last Candle Dies“ – schon fast eine schmachtende Sehnsucht ausdrücken, ist es sein emotionaler Gesang, der dafür sorgt, dass „Cold Velvet“ so einnehmend wirkt. Doch nicht nur die sehnsüchtigen Töne beherrscht das Quartett tadellos. Auf dem voranpreschenden „The Watcher Of The Burning Veil“ findet sich ein so eingängiger Refrain, dass man regelrecht auf dessen Einsatz wartet. Mitreißend von der ersten bis zur letzten Note.
Mit dem Albumcloser „Dance On Crimson Ground“ werden schlussendlich noch einmal alle großen Stärken von „Cold Velvet“ zusammengeführt. Dieser Titel destilliert in seiner ruhig gehaltenen Strophe – die hier maximal vom luftigen Sound der Platte profitiert – noch einmal die gesamte hinzugewonnene Melancholie, während sich der Refrain ein letztes Mal sehr straight und in bester Heavy-Metal-Manier präsentiert. Ein Schlusspfiff zwischen sinnstiftender Ruhe und ebenjener Vehemenz, die THE NIGHT ETERNAL seit jeher zu eigen ist.
Die vierte Veröffentlichung von THE NIGHT ETERNAL wandelt – auf den ersten Lauscher – sehr nah an ihrem Vorgänger. Nach wie vor steht die Formation für straighten, düsteren Rock und Heavy Metal. Im Vergleich zu „Fatale“ wirkt „Cold Velvet“ jedoch tatsächlich weicher und melodischer. Trotz jeder Menge Energie und weiterhin starker Gitarrensoli umweht die neuen Titel konsequent eine ebenso leichte wie passende Melancholie. In gewisser Weise sind es gerade die Gegensätze aus geradlinigen Rocksongs und den schwelgerischen, fast introvertierten Zwischentönen, von denen „Cold Velvet“ am meisten profitiert. Denn selbst wenn sich über die Dauer der Scheibe eine songdienliche Gleichförmigkeit abzeichnet, bleiben Spannung und Gefühl durchgehend erhalten.
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Wertung: 8 / 10


