Konzertbericht: Conjurer w/ Sum Light

04.11.2025 München, Backstage (Club)

Für CONJURER könnte es eigentlich nicht besser laufen: Bereits ihr zweites Album „Páthos“ (2022) hat die Briten zu Nuclear Blast Records geführt – und auch für das dritte Album gilt der Vertrag der Briten noch. Trotzdem könnte es für CONJURER besser laufen: Das aktuelle Album „Unself“ war, zumindest in Deutschland, erst verzögert lieferbar und FRAIL BODY, die als Partner für die Europatour zum Album eingeplant waren, haben ihre Zusage bereits im August revidiert. So gehen CONJURER nun also mit – zumindest für Fans physischer Tonträger – unbekanntem Songmaterial und ohne Support-Act auf Rundreise durch Europa.

SUM LIGHTS im November 2025 in MünchenIn München dürfen als Local Support deswegen SUM LIGHTS mitwirken: Obschon diese auf die typischen Insignien wie Nieten, Corpsepaint und Blut verzichten, sind SUM LIGHTS klar im Black Metal zu verorten. Von den rund 50 Fans, die sich im Club eingefunden haben, gehen sicherlich zehn auf die Kappe des Quartetts, wie sich an den Reaktionen leicht ablesen lässt: Während diese SUM LIGHTS mit lautem Jubel bedenken, blickt man beim Rest des Publikums eher in fragende Gesichter. Tatsächlich ist das langatmige, extrem aggressive Material von SUM LIGHTS kein „perfect match“ zum eher im Post-Hardcore verorteten Headliner.

SUM LIGHTS im November 2025 in MünchenBereits der erste Song dauert 15 Minuten, und ist damit eher die Regel denn die Ausnahme: In 50 Minuten Stagetime bringen SUM LIGHTS gerade einmal vier Songs unter. Mit nur einer Gitarre und sehr dominantem Schlagzeug erinnert das Ganze stark an PANZERFAUST – spätestens als der Sänger aus der Not (Platzmangel) eine Tugend macht und sich für einen Song hinter dem Schlagzeug des Headliners positioniert. Schlecht ist das alles nicht – bei dröhnendem Sound, viel Nebel und penetrantem Blitzlicht in Rot, Blau und Weiß ist das Dargebotene aber keine leichte Kost, und wäre im Vorprogramm von Bands wie ULTHA und Konsorten definitiv besser aufgehoben als hier und heute.

01. Dissolve
02. In Serpents Jaw
03. Asche
04. To Destil The Essence

In der Umbaupause wechselt das Publikum vor der Bühne entsprechend komplett. Doch obwohl nun unverkennbar CONJURER-Fans vorne stehen, bleiben die ersten Reihen vor der Bühne erstaunlicherweise leer.

CONJURER im November 2025 in MünchenDer Stimmung im mittlerweile zumindest ansehnlich gefüllten Club tut das allerdings keinen Abbruch: Bereits als CONJURER mit dem Opener und Titeltrack ihres neuen Albums „Unself“ beginnen, kommt Gänsehautatmosphäre auf. Zu einer vom Band eingespielten Cleangitarre singt Dan Nightingale mit verletzlicher Stimme, fast im Singer-Songwriter-Style, ehe die Zerrgitarren einsetzen und die Raserei losbricht: Eine gute Stunde lang legen CONJURER dann mit Emotion in allen Klangformen nach: Von melancholischen Post-Rock-Parts bis zu aggressivem Death Metal ist im Set alles zu finden, was vornehmlich der Vielseitigkeit des neuen Albums geschuldet ist, das CONJURER fast komplett darbieten.

CONJURER im November 2025 in MünchenDass die vier Briten über den Jubel der vielleicht 70 Fans so begeistert sind, spricht für sie – allerdings wohl nicht für den Verlauf der restlichen Tour. Dem Münchner Publikum kommt es jedenfalls zugute: Nach getaner Arbeit legen CONJURER mit „Hadal“ von ihrem ersten Album „Mire“ noch eine ungeplante Zugabe drauf. Dass Bassist Conor Marshall (bekannt auch von SYLOSIS) für den Track kurzerhand von der Bühne ins Publikum springt und mitsamt Instrument durch die Menge wirbelt, bringt zum Abschluss nochmal einen Extra-Schub an Energie in die schon bis dahin mitreißende Show.

  1. Unself
  2. All Apart
  3. There Is No Warmth
  4. Retch
  5. Let Us Live
  6. Hang Them In Your Head
  7. Foreclosure
  8. Choke
  9. Rot
  10. Searing Glow
  11. This World Is Not My Home
  12. Hadal

In Zeiten von Mega-Touren mit meist vier Bands ist eine Band, die alleine durch die Lande zieht, und in jeder Stadt mit einem Local-Support arbeitet, eine Seltenheit. Wennschon SUM LIGHTS heute vielleicht nicht die perfekte Ergänzung sind, gibt es keinen Grund zur Klage: CONJURER-Fans bekommen die Band, für die sie gezahlt haben – in Bestform und heute sogar in Überlänge, bei trotzdem arbeitnehmerfreundlichem Veranstaltungsende (22:30 Uhr). Und eine kleine Band bekommt etwas Stagetime in professionellem Rahmen – ein rares Gut in Zeiten der Underground-Krise mit ihrem Event-Überangebot und sinkendem Interesse an DIY-Veranstaltungen.

CONJURER im November 2025 in München

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