Konzertbericht: Fiddler’s Green w/ Wüstenberg

18.12.2025 München, Backstage (Werk)

FIDDLER’S GREEN gehören seit Jahrzehnten zu den etablierten Konstanten der deutschsprachigen Folk-Rock-Szene. Im Münchner Backstage zeigt sich die Band anlässlich ihres 35-jährigen Bestehens in routinierter Form. Das Jubiläum dient weniger als nostalgische Rückschau, sondern vielmehr als Rahmen für eine Setlist, die verschiedene Schaffensphasen berücksichtigt und auf bewährte Live-Mechanismen setzt.

Den Abend eröffnet WÜSTENBERG, das aktuelle Projekt von Franz Wüstenberg, dem ehemaliger Frontmann von THE O’REILLYS AND THE PADDYHATS. Die siebenköpfige Formation präsentiert einen Folkrock-Sound, der sich nicht ausschließlich an irischen Vorbildern orientiert. Der Auftritt ist handwerklich sauber und wird von Beginn an gut angenommen. In den ersten Reihen sind sogar einige Plakate mit dem Bandlogo zu sehen. Songs wie „Call Me A Fool“, „Trading Manners For The Madness“ und vor allem „The King’s Gambit“ sorgen früh für Bewegung im Zuschauerraum. In der zweiten Hälfte rücken rockigere Elemente in den Vordergrund, während das BON-JOVI-Cover „Livin’ On A Prayer“ trotz Beteiligung des Publikums vergleichsweise zurückhaltend wirkt. Insgesamt bleibt der Support solide, verliert auf Dauer jedoch etwas an Spannung.

FIDDLER’S GREEN auf dem Reload Festival 2024

FIDDLER’S GREEN beginnen ihr Set zunächst etwas halbgar mit „Irish Air“. Mit „Down“ folgt schnell der erste deutliche Stimmungsschub, ab dem das Zusammenspiel zwischen Band und Publikum reibungslos funktioniert. Stücke wie „Mrs. McGrath“ und „Old Dun Cow“ profitieren von der langjährigen Live-Erfahrung der Band und werden präzise, aber nicht routiniert wirkend umgesetzt. Showelemente und Intermezzi bleiben über die gesamte Dauer des Konzerts ein fester Bestandteil des Auftritts: Zu „Botany Bay“ kehrt Franz Wüstenberg für ein gelungenes Duett mit Albi kurz zurück, während wenig später besonders Geiger Tobi mehrfach im Fokus steht, unter anderem im instrumentalen Teil. Beim launig-schwungvollen „The Bog“ spielt er seine Geige dann auf einer Leiter stehend mitten in der feiernden Menge. Auch „Raggle Taggle Gypsy“, zu dem sich schließlich die gesamte Band ins Hallenzentrum begibt, stärkt die Publikumsbindung, ohne den musikalischen Fluss zu unterbrechen.

Der eingestreute Akustikblock verweist auf frühere Bandjahre mit reduziertem Sound, dafür einem Medley mit charmanten Nummern wie „This Old Man“ und „Creel“ als einem der allerersten Songs. Zudem beleben FIDDLER’S GREEN das beliebte Becherspiel zu „John Kanaka“ leicht modifiziert wieder. Mit „Rocky Road To Dublin“ wird der Übergang zurück zur rockigeren Tönen vollzogen, inklusive der bekannten „Wall of Folk“, die vom Münchner Publikum problemlos umgesetzt wird. Das Ende konzentriert sich erwartungsgemäß auf bekannte Stücke: „One Fine Day“ und „Folk’s Not Dead“ halten das Energieniveau hoch, bevor nach zwei Zugabenblöcken und annähernd zwei Stunden mit „Blarney Roses“ der traditionelle Abschluss folgt. Das finale Bild mit den tanzenden Fans auf der Bühne rundet den Abend stimmungsvoll ab.

FIDDLER’S GREEN liefern in München eine professionell strukturierte Jubiläumsshow ab, die weniger von Überraschungen als von Konstanz lebt. Kleine Längen sind dabei kaum vermeidbar, fallen angesichts der durchweg energiegeladenen Performance jedoch nur gering ins Gewicht. Auch nach 35 Jahren funktioniert das Konzept aus Folk, Rock, einer Prise Punk und viel Publikumsnähe zuverlässig.

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