Konzertbericht: Ice Nine Kills w/ The Devil Wears Prada, Creeper, TX2

27.11.2025 Köln, Palladium

Wer ICE NINE KILLS kennt, weiß, dass die Jungs aus Boston krasse Live-Shows aufziehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass mehrere Stationen ihrer „A Work Of Art“-Tour schon vorab ausverkauft waren. Mit THE DEVIL WEARS PRADA, CREEPER und TX2 im Gepäck locken die Amerikaner rund 4.000 Besucher in die Haupthalle des Palladiums in Köln. Drei Vorbands und ein ausladender Headliner versprechen einen intensiven und vor allem einen langen Abend.

Die Band TX2 aus Colorado eröffnen diesen Abend mit „Feed“, gefolgt von „Vendetta“ und heizen den Fans im schon ordentlich gefüllten Palladium bereits mit dem zweiten Song standesgemäß ein. Die Amerikaner verstehen sich darauf, ordentlich Stimmung zu machen und nehmen das Thema rund um Publikumsinteraktion sehr ernst. So entschließt sich Sänger Timothy Thomas während „Hostage (They Will Not Erase Us)“, ins Publikum zu steigen und danach eine der Stahlsäulen des Palladiums hochzuklettern. Später gesellen sich Gitarrist Cameron Rostami und Thomas während „Mad“ wieder zum Publikum, um wortwörtlich in einem Circle Pit umschwärmt zu werden. Erwähnenswert ist zudem Thomas Statement bezüglich der Sichtbarkeit und Rechte von trans und queeren Menschen: „This goes out to all the trans kids! Your lifes matter! You are important!“ Stabil! Nach sechs Songs ist die Show der Emo-Pop-Punker aber auch schon wieder zu Ende.

  1. Feed
  2. Vendetta
  3. Hostage (They Will Not Erase Us)
  4. Vampire By Rumor
  5. Mad
  6. I Would Hate Me Too

Wer im hinteren Teil des Palladiums steht, dürfte kurz den Eindruck bekommen, plötzlich eine junge Version von KISS zu erblicken. Doch es sind CREEPER, die für die nächsten 40 Minuten die Bühne einnehmen werden. Die Briten präsentieren ein bisschen schrägen und dennoch charmanten Vampirokkultismus und Musik, die sich zwischen Punk, Goth und Glam-Rock bewegt. Dadurch stechen CREEPER zwischen dem doch eher Core-lastigen Line-up heraus, sind aber absolut nicht fehl am Platz. Zu erwähnen und gar zu preisen ist die Person, die für CREEPER am Mischpult steht. Der Sound könnte selbst für Götter nicht besser abgemischt sein und so erklingen die Jungs und Mädels aus Southampton glasklar. Songs wie „Headstones“ oder „The Ballad Of Spook & Mercy“ können sich dadurch perfekt entfalten. „Parasite“ bringt nach der oben genannten Ballade dann nochmal eine ordentliche Portion Glam und Tanz zurück ins Set, bevor die noch edlere und mitreißendere Nummer „Cry To Heaven“ die Show der Vampire gebührend schließt.

  1. Mistress Of Death
  2. Lovers Led Astray
  3. Headstones
  4. The Ballad Of Spook & Mercy
  5. Parasite
  6. Cry To Heaven

Dann dröhnt auch schon das Intro von THE DEVIL WEARS PRADA aus den Boxen und die Menge nimmt die Band aus Ohio direkt mit einem Moshpit zum Opener „Ritual“ in Empfang. Sofort fällt auf, dass die Gesangsfront zweistimmig ist. Mike Hranica, der hauptsächlich für die Vocals zuständig ist, teilt sich die Arbeit – stimmlich perfekt aufeinander abgestimmt – mit Gitarrist Jeremy DePoyster. Ebenfalls erwähnenswert: Hranica brüllt während der Show ohne Mikro in die Menge und ist bis hinten zu hören. Dementsprechend energiegeladen geht es auf der Bühne zur Sache: „Make some fucking noise!“, fordert die Band – und die Menge gibt ihnen Antwort. So geht es durch das Set: Ein wenig Animation hier, vorhersehbarer Metalcore da. Genre-technisch wird von THE DEVIL WEARS PRADA das Rad natürlich nicht neu erfunden. Aber die Breakdowns scheppern, die Strophen sind ihrerseits einnehmend, das Publikum nimmt es begeistert an. Sympathisch sind ebenfalls die „Happy Thanksgiving!“-Wünsche seitens DePoyster, was er jedoch mit, „Wou don’t care about that, do you? … You care about a fucking rock show!“, kommentiert, um dann mit „Everybody Knows“ von ihrem neuen Album „Flowers“ weiterzumachen. „For you“ bringt darauffolgend sehr gefühlvoll Ruhe ins Set, ehe es mit „Chemical“ weitergeht. Mit „Sacrifice“ beenden THE DEVIL WEARS PRADA schließlich ihr Set.

  1. Ritual
  2. Danger: Wildman
  3. Outnumbered
  4. Salt
  5. Everybody Knows
  6. So Low
  7. For You
  8. Chemical
  9. Sacrifice

Nach einem bereits langen Abend ertönt um 21:15 Uhr endlich das Intro von ICE NINE KILLS. Der Bass dröhnt und legt sich wie eine schwere Decke über die Menge. Man ist sehr froh, Ohrenschutz zu tragen. Fünf Minuten später kommen die Amerikaner auf die Bühne und die Show beginnt. Die beiden Bildschirme auf der Bühne untermalen die Show mit passendem Bewegtbild, während die Band das Set mit „Meat & Greet“ eröffnet. Schade jedoch: Weiter hinten hört man nur die Bassdrum und den Bass – viel zu laut. Die Fans scheint es jedoch nicht zu stören. Sie singen textsicher mit und so versteht man wenigstens ein wenig die Lyrics, die Sänger Spencer Charnas so voller Leidenschaft auf der Bühne zum Besten gibt. Ist man dem Bass nicht direkt ausgesetzt, sind Charnas und seine Kollegen dann auch einigermaßen zu verstehen. Einen geeigneten Platz für guten Sound muss man aber regelrecht suchen – was sehr schade ist, denn bei CREEPER und THE DEVIL WEARS PRADA war der Ton noch sehr gut abgemischt. Die Textsicherheit des Publikums ist jedoch bemerkenswert: Das Palladium wird von einem lauten, begeisterten Chor geflutet, sodass man das Bass-Debakel fast schon verzeihen kann. So erklingen alle lauthals während „Hip To Be Scared“ und die Intensität dessen ist fast schon beeindruckend.

Auch das Bühnenbild ist imposant: Die bereits erwähnten Bildschirme zeigen passend Videomitschnitte und auf der Bühne selbst wird immer wieder wild irgendwas inszeniert. Ganz prominent sind diverse Szenen mit Äxten, die entweder wild geschwenkt oder tatsächlich dazu eingesetzt werden, einen der Darsteller hinzurichten. So steht beispielsweise während „Wurst Vacation“ ein Schlachter auf der Bühne und geht seinem Handwerk nach. Humorvoll geht es danach mit dem Cover von KATRINA AND THE WAVES „Walking On Sunshine“ weiter. Hier springt jemand in einem Sonnenkostüm auf der Bühne herum, während wieder Äxte geschwenkt und auch eine Pistole in die Höhe gehalten werden. Schade hierbei ist wieder der Sound, denn auf der Bühne sind passend Trompete und Saxophon vertreten. Die Blechbläser kommen jedoch weiter hinten erst gar nicht an, weil sie von Bass und Schlagzeug verschluckt werden. Ein Gutes hat das Problem mit dem Sound jedoch: Der Breakdown bei „Rainy Day“ nimmt die Halle fast schon auseinander.

Mit „The Great Unknown“ und „Ex Mørtis“ ist Halbzeit. Spätestens hier bemerkt man, dass der gesamte Auftritt von ICE NINE KILLS einem bestimmten Schema folgt: vor jedem Song gibt es ein Zwischenspiel in Form von gesprochenem Text vom Band und passend zu einer Videomontage, welche dann in den nächsten Song überleiten. Die Band spielt den nächsten Track, untermalt ihn mit eskalativen Bühnenchoreografien, verlässt wieder die Bühne und der Zyklus beginnt von vorne. Viel Zeit, um mit dem Publikum zu iinteragieren,bleibt da nicht – wie sollte man sonst auch 19 Titel in eine Setlist quetschen können? Es ist alles so überladen mit Ekstase und Dramaturgie, dass nicht immer klar ist, ob hier gerade ein Konzert oder ein Theaterstück gespielt wird – eben genau das, was die Amerikaner in ihren Musikvideos auch gekonnt zeigen. So geht es mit den restlichen zehn Tracks munter weiter. ICE NINE KILLS spielen unter anderem noch „Farewell II Flesh“, mit „The Impression That I Get“ ein Cover von THE MIGHTY MIGHTY BOSSTONES, „Welcome To Horrorwood“ und ihre neue Single „The Laugh Track“. Mit „A Work Of Art“ findet die lange, reizüberflutende Show dann ihr Ende – endlich, möchte man sagen.

    1. Meat & Greet
    2. Funeral Derangements
    3. Hip To Be Scared
    4. Stabbing In The Dark
    5. Wurst Vacation
    6. Walking On Sunshine (KATRINA-AND-THE-WAVES-Cover)
    7. Rainy Day
    8. The Great Unknown
    9. Ex-Mørtis
    10. Farewell II Flesh
    11. The Impression That I Get (THE-MIGHTY-MIGHTY-BOSSTONES-Cover)
    12. A Grave Mistake
    13. The Laugh Track
    14. The Greatest Story Ever Told
    15. The Shower Scene
    16. Welcome To Horrorwood
    17. IT Is The End
    18. The American Nightmare
    19. A Work Of Art

ICE NINE KILLS liefern exakt das, was man bestellt hat: eine pompöse und hochqualitative Inszenierung ihrer Musik. Zwischen Eskalation und Zwischensequenzen bleibt aber kaum Zeit für Publikumsinteraktionen. Dadurch wirkt alles etwas unauthentisch, gar unnahbar und es fehlt die persönliche Note, für die man ggf. gerne Konzerte besucht. Die Show ist von extrem hoher Qualität und macht wirklich Spaß. Das steht außer Frage! Doch braucht es wirklich 19 Songs in einem bis ins letzte Detail inszenierten Set, wo jeder Track Schlag auf Schlag dem nächsten hinterherjagt? Weniger wäre hier wahrscheinlich mehr gewesen.

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