Konzertbericht: Russian Circles w/ Waves

17.11.2013 Kranhalle, München

RC

Erst vor knapp zwei Wochen haben RUSSIAN CIRCLES „Memorial“ veröffentlicht.  Auf ihrem fünften Album zeigt sich die Band vielleicht atmosphärischer und düsterer denn je zuvor. Mit dementsprechend ganz frischem Material beehren uns die Jungs aus Chicago in der Münchner Kranhalle. Schade ist, dass die derzeit überall sehr gelobte Chelsea Wolfe, die eigentliche Tourbegleitung, heute nicht mit dabei ist. Aber die explosive Instrumentalmusik der RUSSIAN CIRCLES ist selbstverständlich auch alleine Grund genug, den Sonntagabend mal weniger gemütlich zu verbringen.

WavesAls lokaler Supportact eröffnen WAVES den Abend. Noch bevor die Band überhaupt startet, steht im Vorraum der Kranhalle schon eine lange Schlange an. Viele davon werden leider enttäuscht, denn schon früh am Abend ist das Konzert restlos ausverkauft. Dementsprechend voll ist es dann auch beim etwas zu früh angesetzten Konzertbeginn von WAVES, die atmosphärischen Post-Rock im Stile von Explosions In The Sky spielen. Sie machen ihre Sache ziemlich gut und auch der Sound ist (wie immer in der Kranhalle) hervorragend. Aber dass während des Auftritts großer Andrang an der Bar und am Merchstand im Vorraum herrscht, deutet an, dass der Großteil heute auf härtere Klänge aus ist. Somit gehen WAVES zwar als ordentlicher Opener durch, aber in Erinnerung behalten werden die Band wahrscheinlich die Wenigsten. Das liegt sicherlich auch daran, dass man als Standard-Post-Rock-Band schon herausragend gut sein muss, um aus der grauen Masse hervorzustechen.

(Michael H.)

Russian Circles 01

Die bereits angesprochene Schlange, welche vor dem offiziellen Konzertbeginn durch den gesamten Vorraum der Kranhalle reichte, hat sich spätestens zum nun kurz bevorstehenden Konzertbeginn vollständig vor der Bühne eingefunden, denn so voll habe ich persönlich es in elf Jahren noch nie in dieser Location erlebt. Nachdem die Band selbst kurz an ihren Verstärkern gedreht und die Instrumente gestimmt hat, erlischt das Licht und ein düsteres, unheilvolles Synthiedröhnen erfüllt die Halle. Nach ungefähr fünf Minuten kommen RUSSIAN CIRCLES ‚wirklich‘ auf die Bühne und mit dem einsetzenden, verschleppten Schlagzeug wird sofort eines klar: Es wird laut werden. Sehr laut. Nach einem kurzen Intro erklingen schließlich die ersten Tönen von „309“ und spätestens mit der ersten heftigen Wall Of Sound stellt sich einmal mehr die Frage, wie drei Musiker es schaffen können, derart mächtig zu klingen. Die Wechselspiele zwischen Alles zerberstenden Riffs, verträumten Melodien, kaum nachzuvollziehenden Schlagzeugpatterns und dreckig verzerrtem Bass funktioniert auch heute wieder tadellos. Das Publikum ist von der ersten Sekunde an dabei und nickt heftig mit den Köpfen, RUSSIAN CIRCLES selbst stehen auf einer neblig gehaltenen Bühne vor lediglich drei Scheinwerfern, die die bedrohliche, unwirkliche Atmosphäre ihrer Musik perfekt untermalen.

Russian Circles 02Auch hinsichtlich der Setlist kann es am heutigen Abend keine Beschwerden geben, da kein wirklicher Fokus ausgemacht werden kann. Zwar sind das vorletzten Album „Empros“ sowie das aktuelle Album „Memorial“ mit je drei Songs zahlenmäßig am stärksten vertreten, doch werden daneben alle Veröffentlichung der Band aus Chicago berücksichtigt. Durch die neuen Stücke kommt zum einen ein Hauch Post-Rock in das Konzept der Band, was vor allem durch das in Momenten an Explosions In The Sky erinnernde „1777“ deutlich wird – die anderen beiden extrem düsteren Stücken erinnern in ihrer Intensität und Melodieführung aber beinahe schon an Post-Black-Metal, wenn auch die obligatorischen Blastbeats ausbleiben. Dass RUSSIAN CIRCLES keine Mikrophone auf der Bühne aufbauen und sich lediglich am Ende des offiziellen Sets einmal kurz dem Publikum zuwenden, wirkt im Verlauf des Abends schlüssig. Als mit „Youngblood“ nach einer Rückkehr auf die Bühne schließlich der wohl bekannteste Song der Band auch den meisten Applaus einheimst, verabschieden sich die drei Musiker noch einmal, diesmal aber final vom Publikum.

Setlist RUSSIAN CIRCLES:
01. 309
02. Harper Lewis
03. 1777
04. Geneva
05. Schiphol
06. Deficit
07. Carpe
08. Mlàdek
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09. Burial
10. Youngblood

FAZIT: RUSSIAN CIRCLES sind und bleiben live eine Macht. Der extrem laute, druckvolle Sound in der Kranhalle sowie die stimmige Lichtuntermalung bieten den perfekten Rahmen für eine der beeindruckendsten Instrumentalbands der Gegenwart. Auch wenn die lokalen Post-Rocker WAVES im Vorprogramm durchaus überzeugen konnten, bleibt als Wermutstropfen lediglich festzustellen, dass Chelsea Wolfe, die auf der restlichen Europatour den Support übernommen hatte, heute nicht anwesend war – der gesanglich von ihr unterstützte Abschlusssong des aktuellen RUSSIAN-CIRCLES-Albums hätte einem großartigen Set wahrscheinlich noch die Krone aufgesetzt.

Publiziert am von und Michael

Ein Kommentar zu “Russian Circles w/ Waves

  1. Jetzt bin ich traurig, keine Zeit gehabt zu haben, als Russian Circles unlängst in Köln spielten. :-( Die Jungs sind sowas wie meine Band der Stunde und der Gedanke, einen Monolithen wie „Geneva“ live mit hoher Lautstärke ins Gesicht gefönt zu bekommen hat schon was… hach…

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