
Auf ein Nebenprojekt muss man wirklich Bock haben. Warum, ist an DREAD SOVEREIGN schnell erklärt: Während sich Alan Nemtheanga mit PRIMORDIAL auf einem halbwegs bequemen Bekanntheitsgrad eingerichtet hat, bedeutet eine Tour mit seinem Room-Rock-Projekt das wahre Underground-Feeling: Die kleinsten Clubs, nicht immer voll, und „Van-Life“ statt Nightliner. SMOULDER wiederum dürften es noch nicht anders kennen: Als Geheimtipp waren die Kanadier zwar schon auf so machem Festival gebucht – zumindest in Europa aber ist die „Dreadful Vengeance Tour“ ihre erste. Warum SMOULDER in diesem Package als Headliner fungieren, ist nicht ganz ersichtlich – aber auch das ist Underground!
Nachdem sich die Rockhouse Bar am Salzburger Mönchsberg also zwischen 19:00 Uhr und 20:00 Uhr langsam, aber stetig gefüllt hat, bekommen DREAD SOVEREIGN und Fans die besten Aspekte einer Underground-Show geboten: Die Band zockt sich gutgelaunt durch ihr 50-minütiges Set und lässt dazwischen (ein selten gewordener Anblick) auch fleißig die Jim-Beam-Flasche kreisen, dazwischen scherzen Nemtheanga und das Publikum eher miteinander, als dass es „echte“ Ansagen gibt – ein Mikrofon ist dafür in dem winzigen Club nicht nötig. Ganz und gar nicht „underground“ sind (dankenswerterweise) die Rahmenbedingungen: In Sachen Licht und Sound hat das Rockhouse auch in der Bar alles zu bieten, was man sich von einem professionellen Club erwartet, und auch sonst bleibt der Auftritt von den für DIY-Konzerte typischen technischen Schwierigkeiten verschont: Die fünf Songs eigenen Songs und das VENOM-Cover „Live Like An Angel (Die Like A Devil)“ drücken – trotz der schlanken Besetzung der Band als Trio – wuchtig aus den Boxen. Die Musiker selbst, insbesondere Gitarrist Bones mit seinem wilden Stage-Acting und furiosen Soli, lassen derweil keinen Zweifel daran, wie viel Freude sie an Songs und Auftritt haben. Vielleicht sollten doch mehr bekannte Musiker zwischendurch solche Erfahrungen sammen … es könnte helfen, um Touren und Shows nicht mehr nur als reine Routine zu betrachten.
- This World Is Doomed
- She Wolves Of The Savage Season
- The Great Beast We Serve
- Nature Is The Devil’s Church
- Live Like An Angel (Die Like A Devil) (VENOM-Cover)
- We Wield The Spear Of Longinus
Noch etwas „undergroundiger“ wird es anschließend bei SMOULDER – leider nicht ausschließlich im positiven Sinne. Das Quintett aus Kanada hat sich dem derzeit wieder angesagten Genre des „Epic Heavy Doom“ verschrieben und bildet das Genre auch in ihren Outfits durchweg stimmig ab. Auch am Engagement – speziell von Sängerin Sarah Ann – gibt es nichts auszusetzen. Musikalisch jedoch bleibt die Performance weit hinter den Erwartungen zurück. Das fängt bei verstimmten Gitarren an (was bei den doppelstimmigen Gitarrenparts von SMOULDER besonders auffällt), geht mit dem für die Songs viel zu brutalen Drumming von Kevin Hester weiter und gipfelt im Gesang, der live leider nicht ansatzweise so episch rüberkommt wie in den Studioaufnahmen. Tiefpunkt der Show ist der neue Song „Crush The Neophytes“ („Zerstöre die eingeschleppten Pflanzenarten“), der musikalisch an Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist, leider aber auch nicht sonderlich souverän dargeboten wird. All das können SMOULDER aber durch viel Einsatz und Leidenschaft zumindest einigermaßen wettmachen: Zwar hat sich die Rockhouse Bar merklich geleert, unter den verbliebenen Fans herrscht jedoch beste Stimmung – und als SMOULDER nach ebenfalls 50 Minuten die Bühne verlassen, gellen überraschend laute und anhaltende Zugabe-Rufe durch den kleinen Raum. Dass diese nicht erhört werden, ist allerdings schwach: Ohne strikte Zeitpläne und strenge Tourmanager im Rücken sollte eine (spontane) Zugabe schon drin sein – und sei es, indem man einen bereits gespielten Song einfach nochmal anstimmt.
- Violent Creed Of Vengeance
- Warrior Witch Of Hel
- The Sword Woman
- The Talisman And The Blade
- Crush The Neophytes
- Bastard Steel
- Ilian Of Garathorm
- Victims Of Fate
Der Rolle als Headliner werden SMOULDER heute nicht gerecht – dafür sind DREAD SOVEREIGN aber auch einfach zu gut. Eine umgedrehte Spielreihenfolge wäre entsprechend deutlich stimmiger gewesen. Sieht man davon ab, macht man mit dem Besuch dieser Show dennoch alles richtig: Hier machen Fans für Fans Musik, hier hat man gemeinsam eine gute Zeit und das – auch das darf nicht unterschlagen werden – zu fairen Preisen (VVK: 22€, T-Shirt: 20€).


