Solo-Projekte haben im Black Metal bekanntlich so viel Tradition, dass das Phänomen schon Meme-Material geworden ist. Doch offensichtlich funktioniert das Konzept in diesem Genre auch außerordentlich gut. Ein Beispiel aus der jüngeren Geschichte des Black Metal ist AFSKY, das geistige Kind von Ole Pedersen Luk. Der Däne hatte zuvor bereits mit dem doomigen Projekt SOLBRUD Herausragendes geschaffen, ehe er sich 2021 von der Band verabschiedete, um sich ganz auf sein 2015 gegründetes Projekt zu konzentrieren.
Nun tut dem kreativen Geist etwas Zerstreuung bisweilen ja auch gut – und war das 2023 veröffentlichte „Om Hundrede År“ in seiner effizienten Einfachheit noch ein wirklich gutes Black-Metal-Album, wirkt es, als habe Luk vor lauter Fokus den Faden verloren. Während der Sound – herrlich gniedelnde Zerrgitarren, ein erfreulich präsenter Bass und der hysterische Gesang über ein grundsolides Schlagzeug – beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Fortsetzung der AFSKY-Saga bietet, wirkt die Musik leider nicht nur uninspiriert, sondern auch unmotiviert eingespielt.
Ein Volkslied-Sample eröffnet das Album noch erfrischend „anders“, wird dann aber kurzerhand nach wenigen Sekunden abgewürgt und von schrammeligen Zerrgitarren abgelöst. So weit, so gut – denn selbst das erste Riff erfüllt in seiner melancholischen Getragenheit noch alle Erwartungen an einen AFSKY-Release. Die Atmosphäre jedoch verliert sich schnell in absoluter Banalität. So sind etwa die Riffs ungelenk aneinandergereiht – und das in jeder Hinsicht. Kompositorisch kommt keinerlei Spannung auf, und auch technisch hakt es an allen Ecken und Enden: Die Übergänge der Riffs sind unsauber, die (von Luk im Alleingang eingespielten) Spuren klingen schludrig und immer wieder stören fiese Dissonanzen.
Das ist enorm schade, denn am generellen Gespür für große Melodien fehlt es Luk ja wirklich nicht. „Natmaskinen“ ist das beste Beispiel dafür: Auch in diesem Stück passiert kompositorisch eigentlich recht wenig – die Grundmelodie jedoch trägt den Song. Ob es wirklich sieben Minuten hätten sein müssen, steht auf einem anderen Blatt. Dennoch ist dieser Song definitiv das Highlight des Albums, das danach leider wieder in erratisches Riff-Aneinanderreihen zurückfällt.
Im Guten wie im Schlechten erinnern AFSKY auf ihrem vierten Album mehr denn je an TAAKE: in den starken Momenten, dem durchweg fiesen Keifgesang, den gefälligen Melodien an die frühen TAAKE – im scheinbar lieblos zusammengeschusterten Charakter mancher Songs, die dann auch weit hinter den Erwartungen zurückbleiben, an die späteren. Man kann AFSKY nach wie vor für ihre rohe und ehrliche Art, Musik zu machen, mögen – gerade im Black Metal hat ja auch das Tradition. Der große Wurf, den man sich von dem Projekt erhofft hatte, ist „Fællesskab“ aber nicht geworden.
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Wertung: 6.5 / 10


Ich muss ehrlich gesagt sagen, ich mag das Album sehr gerne. Die bemängelten Punkte hatten die Vorgänger auch schon und haben sich bei mir eher als Stilmittel etabliert, auch was die kruden Übergänge betrifft. Unterstreicht für mich den DIY-Charakter des ganzen Projektes. Wenn man CD mitsamt Artwork dann so anschaut, steckt da schon viel Liebe zum Detail drin.
Das einzige, was ich wirklich kritisieren würde, ist der etwas merkwürdige Drumsound. Der wirkt sehr flach und könnte in meinen Ohren mehr Raum vertragen. Ich wäre am Ende bei eine 8,5 – die Vorgänger hätte ich kaum anders bewertet.
Wer sich nicht von den Kontroversen abschrecken lässt und Afsky bisher mochte, macht nicht viel falsch. Ein wenig süßlich kommt manche Melodie daher, aber auch da hatten die Vorgänger ähnliches zu bieten, nur nicht ganz so offensichtlich.
Ne, also sorry, aber 90% aller releases sind heute „DIY-Recordings“, und stünde hier nicht ein gehypter Name drauf, würdest du allein schon ob der Qualität der Spuren niemanden finden, der das auch nur rausbringt. Auch vom Songwriting her finde ich die neue signifikant schwächer als die letzte – und schlussendlich hat man das halt schon von anderen in VIEL besser gehört; seien das jetzt TAAKE oder SUNKEN. 8,5 wären da für mich viel zu viel, da kann ich nicht mitgehen. Auch wenn paar Melodien schön sind.
Ist der Name tatsächlich so groß, dass das ausschlaggebend ist? Du hast natürlich Recht, mittlerweile gibt es viele Bands gerade im BM, die in Sachen Homerecording und DIY unterwegs sind, Bandcamp ist voll davon und da gibt es neben richtig guten Sachen halt auch viel Mist, oder Songs, die unter üblem Geschrabbel verborgen sind und mit einer sauberen Produktion viel mehr rauszuholen wäre.
Ich unterschreibe deine Wertung jetzt nicht, kann sie anhand der aufgezeigten Punkte nachvollziehen, empfinde es weit weniger dramatisch und habe Spaß am Album. Dass das anders einige anders sehen, habe ich anhand mancher Rezensionen und Kommentare schon bemerkt. Vielleicht erwartet man einfach auch zu viel und vielleicht ist der Anspruch, den Afsky vermitteln auch etwas, was Ole mit seinen Können nicht erreichen kann. Wer weiß.
Es reicht halt für Eisenwald, aber noch lange nicht gut Napalm :D
Aber da bin ich auch froh drum!
Dass dir das Album zusagt, ist ja völlig legitim und schön – das will ich gar nicht ändern. :) Mir war nur wichtig, darauf hinzuweisen, dass mittlerweile die meisten kleineren bis mittelgroßen Releases (auch Label-Releases, nicht nur Underground) heutzutage mit Homerecording arbeiten – und es deswegen nicht „typisch DIY“ ist, wenn man das nicht hinbekommt. Das Attribut DIY ist einfach 2025 keine Entschuldigung mehr für verstimmte Gitarren oder schlampige Spuren.