CD-Review: Afsky - Sorg

Besetzung

Ole Luk – Gesang, Gitarre, Bass, Laute

Gastmusiker:
Martin Haumann – Schlagzeug
Amalie Brunn – Gesang, Nyckelharpa
Troels Dueholm Nøgaard – Hurdy Gurdy

Tracklist

01. Jeg Bærer Deres Lig
02. Skær
03. Sorte Vand
04. Stjernerne Slukkes
05. Vættekongen
06. Glemsomhedens Elv
07. Oh Måneløse Nat


Eine Black-Metal-Band kommt selten allein – viele Akteure des schwarzmetallischen Undergrounds leben sich nämlich zusätzlich zu ihrer „Hauptband“ auch noch in einem oder sogar mehreren Nebenprojekten aus. So ist es auch im Fall von Ole Luk, den einige vielleicht von Solbrud kennen und der nun mit „Sorg“ das erste vollwertige Album seines musikalischen Alter-Egos AFSKY präsentiert. Wie dieses stilistisch ausgerichtet ist, lässt bereits das trostlose Artwork, das einen Ausschnitt von Henry Wallis‘ Gemälde „Der Tod Chattertons“ zeigt, erahnen: AFSKY spielt Black Metal der depressiven Sorte, versetzt mit einem Schuss Doom Metal und Folk.

Von den letztgenannten Zusätzen hört man erst mal wenig heraus, denn nach den bedrückenden Clean-Akkorden, mit denen der Opener „Jeg Bærer Deres Lig“ seinen Anfang nimmt, hält sich das Debüt des dänischen Soloprojekts vorerst in sämtlichen Aspekten an die Vorgaben des DSBM. Stürmische Blast-Beats prasseln als Platzregen auf eine Brandung aus eiskalten, jedweder Hoffnung entbehrenden Tremolo-Riffs hernieder, während das verzweifelte Screaming von tief sitzendem Leid zeugt.

Wenngleich AFSKY die Standards seines Genres durchaus gekonnt erfüllt und seinem Trübsinn überzeugend Gehör verschafft, tut sich in der ersten halben Stunde, die „Sorg“ läuft, nur wenig Nennenswertes. Allenfalls das doch recht kreative, schwungvolle Drumming gegen Ende von „Skær“ und die zart gezupfte Akustikgitarre, mit der AFSKY „Sorte Vand“ ausklingen lässt, geben kurz Anlass zum Aufhorchen. Umso größer ist jedoch die Verwunderung, als man zu Beginn von „Vættekongen“ plötzlich mittelalterliche Streicher vernimmt, ehe AFSKY wieder in sein gewohntes Schema zurückfällt.

Für sich genommen wissen die von da an folgenden Folk-Einschübe wie etwa die von Amalie Bruun (Myrkur) beigesteuerte Nyckelharpa und der Klargesang („Oh Måneløse Nat“) gewiss zu gefallen – ob sie mit der restlichen Instrumentalisierung harmonieren, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt. Tatsächlich wirken die kurzen Ausflüge in den mittelalterlich anmutenden Folk zwischen den frostigen Black-Metal-Kompositionen eher wie Fremdkörper, die AFSKY darüber hinaus auch noch geradezu willkürlich im letzten Drittel der Platte positioniert hat. Inwieweit „Sorg“ als abgeschlossene Einheit dadurch bereichert wird, ist somit mehr als fragwürdig.

Hätte AFSKY seine verschiedenartigen Stilelemente von Anfang an konsequenter miteinander verwoben, wäre dabei mit Sicherheit ein hervorragendes Album herausgekommen. Ein paar der Ideen, die Ole Luk auf „Sorg“ in die Tat umsetzt, sind definitiv interessant und die Songs angemessen rau und zugleich kraftvoller produziert als die meisten Veröffentlichungen dieser Sparte. Aufgrund der wenig aufsehenerregenden und in weiterer Folge inkonsistenten Arrangements kommt das Album letztlich jedoch nicht über den Status einer soliden, in seiner Gesamtheit aber eben nicht überwältigenden Depressive-Black-Metal-Platte hinaus.

Bewertung: 6.5 / 10

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2 Kommentare zu “Afsky – Sorg”

  1. Nihil Baxter

    Das Album ist in seiner Sparte eine Offenbarung.
    Eure Meinung ist die eure, aber meine Meinung ist, wenn man sonst Metallica und dergleichen feiert sollte man die Finger von solcherlei Subgenres lassen^^

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Hi Nihil,
      danke für deine Rückmeldung. Wie du schon sagst, ist Musik natürlich immer Geschmackssache, sodass es nicht viel Sinn macht, jemandem die eigene Meinung aufzwingen zu wollen. Trotzdem kann es interessant sein, sich darüber auszutauschen.
      Wenn du einen Blick in meine sonstigen Rezensionen wirfst, wirst du wohl erkennen, dass ich keine einzige Metallica-Platte bewertet habe, wohl aber einiges an Black Metal – auch von der depressiven Sorte. Ich sehe zwar nichts Verwerfliches darin, Metallica zu mögen, mir gefallen auch einige ihrer Alben, aber dass meine Präferenzen eher im Black Metal liegen, sollte zumindest indizieren, dass ich nicht völlig ahnungslos an „Sorg“ herangegangen bin. Warum ich das Album allenfalls für solide halte, konntest du ja bereits oben lesen. Inwiefern hältst du es denn für eine Offenbarung?

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