CD-Review: Ancient Wisdom - A Celebration In Honor Of Death

Besetzung

Vargher – Gesang, alle Instrumente

Tracklist

01. Haec Est Mors Secunda
02. Breaking The Circle Of Life
03. Architect Of Death - Laudamus Te
04. The Coronation
05. Those Who Do Not Exist
06. And God Saw
07. Towards Your Destruction


An bekannten Namen mangelt es dem Black Metal wahrlich nicht – Vargher ist keiner davon. Das ist so unverständlich wie falsch, denn der Schwede mit dem bürgerlichen Namen Marcus E. Norman ist nicht nur einer der besten Gitarristen der Szene, sondern auch einer ihrer talentiertesten Songwriter: Seit 20 Jahren stellt er das mit Naglfar unter Beweis, sein 1995 gegründetes Black-’n‘-Roll-Projekt gilt als genreprägend und auch seine aktuellen Projekte wie Eudaimony oder Trinitas sind in höchstem Maße empfehlenswert.

Auch sonst gleicht sein bisheriges Werk einer Schatztruhe – wenn man sich mit den kultigen Throne Of Ahaz (1991–1996 aktiv), dem Ein-Album-Projekt Havayoth oder seinem Black-Doom-Projekt ANCIENT WISDOM beschäftigt, taucht man allerdings komplett in den tiefsten Underground ab. Letztere hat Vargher nun zurück ins Leben geholt, um den Tod zu feiern: „A Celebration In Honor Of Death“ heißt das neue Album, das – wie schon seine vier Vorgänger – beim italienischen Label Avantgarde Music erscheint. Wobei hinzugefügt werden muss, dass selbst der direkte Vorgänger „Cometh Death, Cometh Doom“ vor sage und schreibe 17 Jahren erschinenen ist.

Nun sollte man meinen, dass eine solche Zeitspanne ihre Spuren hinterlässt, auch und gerade in der Musik eines Soloprojektes. Doch „A Celebration In Honor Of Death“ ist das Gegenteil, quasi die Koralle im Briefbeschwerer in Orwells „1984“: auf wunderbare Art und Weise klingt es wie ein Relikt aus einer fernen, aber erinnerungswürdigen Zeit. Gar nicht mal in Sachen Sound – der ist absolut „state of the art“ (wobei ja selbst die ANCIENT-WISDOM-Alben der 90er-Jahren schon erfreulich kraftvoll klangen). Vielmehr musikalisch: Bereits der achtminütige Opener „Breaking The Circle Of Life“ ist ein düsteres Meisterwerk, in dem Chöre ebenso Platz finden wie Varghers herrlich ungeschliffenes Shouting, das an Endezzma denken lässt. Atmosphärisch behalten ANCIENT WISDOM den von den bisherigen Werken bekannten melancholisch-doomigen Grundtenor bei (herrlich die sinistre Geklimper in der Bridge!), gehen zwischendurch aber wieder etwas forscher zu Sache als auf dem fast durchgängig schleppenden „Cometh Death, Cometh Doom“.

Im Albumverlauf gelingt es Vargher, beide Aspekte – den Biss der etwas fieseren ersten Alben und die Düsternis der späteren – zu vereinen: wenn etwa „Architect Of Death“ mal mit voller Kraft voranstürmt, um dann wieder, von düsteren Keyboards und Chören getragen, in Lauerstellung zu gehen. Dieses gefühlvolle Songwriting, gepaart mit dem detailverliebten Arrangement, macht „A Celebration In Honor Of Death“ so herausragend: Opulent orchestrierte Parts finden hier ebenso ihren Platz wie puristische Pianoparts – jeweils wohldosiert zwischen wuchtigen Riffs. 50 Minuten Spielzeit, aufgeteilt auf fünf Achtminüter und zwei kürzere Songs, vergehen so wie im Fluge … auf einem Riesenadler über Moria. Im finalen „Towards Your Destruction“ ziehen ANCIENT WISDOM dann wirklich alle Register, lassen Orgel, Pauken und Orchester, Chöre und majestätisches Metal-Riffing furios zusammenwirken – welch ein Finale!

Nur wenige Fans dürften nach 17 Jahren noch auf ein neues ANCIENT-WISDOM-Album gewartet haben – wenn aber doch, hat sich sogar diese Wartezeit gelohnt: „A Celebration In Honor Of Death“ führt alle Stärken der bisherigen Releases geschickt zusammen, bekommt durch die noch breitere Instrumentierung und die vielseitigeren Arrangements aber zugleich eine ganz andere Tiefe. Wenn es noch irgendeinen Beweis dafür gebraucht hat, dass Vargher als als Komponist unterbewertet ist: Hier ist er, in Form eines wahren Blackened-Doom-Metal-Meisterwerks.

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Bewertung: 9.5 / 10

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