Juli 2025

Review Ba’al – The Fine Line Between Heaven And Here

Der Rezensent weiß an dieser Stelle eines: Jedes musikalische Genre, das den Zusatz „Post“ mit sich trägt, ist nicht vorderst darauf aus, Kompositionen im bekömmlichen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Schema zu erschaffen. Unter dieser Prämisse können Meisterwerke entstehen – es kann aber auch schnell gähnend langweilig werden. Eins gleich vorweg: Bei BA’AL und ihrem neuen Album „The Fine Line Between Heaven And Here“ kann tatsächlich von ersterem gesprochen werden. Denn die feine Linie zwischen dem Himmel und hier ist bei BA’AL wie ein Faden aus emotionalen Zwischentönen gewoben.

Der Opener „Mother’s Concrete Womb“ erzählt direkt eine Geschichte für sich. Nach einem atmosphärischen Ambient-Einstieg fließt der Track in eine Riff-Melange aus Post-, Sludge- und Black Metal. Die darüber erzeugte doomige Schwermut, dargeboten auf variablem Drumming, kulminiert in einem von Streichern getragenen Ausklang. Ein Stück weit konträr und trotzdem passend ertönt anfangs der Track „Floral Cairn“, der mit seinem schmissig-druckvollen Riffing und den tighten Rhythmen von Drummer Luke Rutter fast hoffnungsvoll daherkommt. Kontrastiert wird das Ganze durch schwere Sludge-Arrangements, gut akzentuiertem Black Metal und die erneut tief ergreifend eingewobenen Streicher von Bassist Richard Spence und Gast-Cellist Alex Marshall.

Apropos bewegend: Wenn die wunderbar fragilen Streichermelodien mit dem zerbrechlichen wie aggressiven Gesang von Joe Stamps zusammentreffen, dann ist sein verzweifeltes Schreien „Take my hand!“ auf „Well In Sorrows“ nicht nur schmerzhaft ehrlich – es macht auch die immense Tragik spürbar, die BA’AL auf „The Fine Line Between Heaven And Here“ über die gesamte Dauer hochhalten. Als wäre das nicht schon stark genug, beweist die Band auch ein enormes Geschick im Umgang mit Ambients – beispielsweise auf „The Ocean That Fills A Wound“.

Das albumschließende „Legasov“ zeigt BA’AL dann noch einmal zwischen Rasanz, eindringlicher Schwere und atmosphärischer Dichte. Sollte sich der Song auf den in Ungnade gefallenen Wissenschaftler Alexej Legasov beziehen, erklärt sich damit die Wechselseitigkeit von Tragik und Abgründigkeit in diesem Stück. Anfangs schwere Riffs, durchzogen von feinen Melodien, gipfeln in einem Finale zwischen Schönheit und doomiger Wucht, dass man sich denken mag: „Das hätten die Genre-Veteranen nicht besser gemacht.“

Es ist nicht anders zu sagen: BA’AL haben mit „The Fine Line Between Heaven And Here“ nicht einfach Musik geschrieben. Die Songs auf dem Album sind dynamisch und hoch abwechslungsreich. BA’AL umschiffen durch ein ausgezeichnetes Gespür für Längen bei den einzelnen Einflüssen jede Langeweile, und die schön platzierten Keyboards sowie die passend eingewobenen Streicher schaffen ergreifend cineastische Kulissen zwischen Gewalt und Frieden. Genug der vielen Worte an dieser Stelle: Es ist völlig ausreichend zu sagen, dass BA’AL mit ihrem neuen Album ein absolutes Meisterstück geglückt ist.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Wertung: 9 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert